Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlicht Dokument zur Lehre über die Kirche

Fünf Fragen, fünf Antworten

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ROM, 10. Juli 2007 (ZENIT.org).- In ihrem heute veröffentlichen Schreiben „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ bekräftigt die Kongregation für die Glaubenslehre, dass die von Jesus Christus begründete Kirche nur in der katholischen Kirche „subsistiert“. Das im Stil der „responsa ad quaestiones“ in fünf Fragen und Antworten gegliederte Schreiben beschäftigt sich mit dem allgemeinen Verständnis der Kirche, wie es der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils entspricht.



Die kommentierende Note der Kongregation stellt fest, dass diesem „Konzil der Kirche über die Kirche“, das nach Worten von Paul VI. eine „neue Epoche für die Kirche“ eingeleitet hat, der Verdienst zukomme, „das wahre Antlitz der Braut Christi besser beschrieben und enthüllt“ zu haben (Paul VI., Ansprache vom 21. September 1964: AAS 56 (1964) 1012). Die Kongregation will zu einem vertieften Verständnis der Kirche beitragen, um abweichende und ungenaue Interpretationen der Sicht des Konzils über die Kirche zurückzuweisen.

Die „Antworten auf Fragen“ beabsichtigen, „Äußerungen des vorhergehenden Lehramts in Erinnerung zu rufen und somit ein sicheres und zuverlässiges Wort zum Thema zu sagen“. In der ersten Frage geht es darum, ob das Zweite Vatikanische Konzil die vorhergehende Lehre über die Kirche verändert habe.

Die Kongregation stellt zusammen mit den Päpsten Johannes XXIII. und Paul VI., den lehramtlichen Aussagen ihrer Nachfolger und dem Schreiben Dominus Iesus aus dem Jahr 2000 fest, dass „das Zweite Vatikanum die vorhergehende Lehre über die Kirche nicht verändern (wollte) und sie auch nicht verändert , sondern vielmehr vertieft und organischer dargelegt (hat)“.

Die Grundabsicht des Konzils bestehe eindeutig darin, „die Rede von der Kirche der Rede von Gott ein- und unterzuordnen und so eine im eigentlichen Sinn theo-logische Ekklesiologie vorzulegen“. Die Rezeption dieser theologischen Ekklesiologie habe sich dabei oft auf einzelne Stichworte konzentriert und „einseitige, partielle Auslegungen der Konzilslehre begünstigt“.

Die zweite Frage beschäftigt sich mit der „Subsistenz“ der einen Kirche in der katholischen Kirche, wie sie in Lumen gentium formuliert ist. Dieser Ausdruck hat zu vielfältigen Interpretationen geführt. Die Kirche aber dürfe nicht als „Summe verschiedener Subsistenzen“ aufgefasst werden, da so Einheit und Einzigkeit der Kirche verloren gehe.

Wie die Kongregation bereits festgestellt hatte, „widerspricht der authentischen Bedeutung des Konzilstextes deshalb die Interpretation jener, die von der Formel ‚subsistit in‘ die Meinung ableiten, dass die einzige Kirche Christi auch in anderen christlichen Kirchen verwirklicht sein könnte“.

„Das Konzil hingegen hatte das Wort ‚subsistit‘ gerade deshalb gewählt, um klarzustellen, dass nur eine einzige ‚Subsistenz‘ der wahren Kirche besteht, während es außerhalb ihres sichtbaren Gefüges lediglich ‚Elemente des Kircheseins‘ gibt, die — da sie Elemente derselben Kirche sind — zur katholischen Kirche tendieren und hinführen“ (Notifikation zum Buch „Kirche: Charisma und Macht. Versuch einer militanten Ekklesiologie“ von P. Leonardo Boff OFM: AAS 77 [1985] 758f., in: Dominus Iesus, 16, Fußnote 56).

In der dritten Frage geht es darum, weshalb der Ausdruck „subsistiert“ und nicht einfach das Wort „ist“ gebraucht wurde.

Die Fortdauer der „Subsistenz“ und nicht des einfachen „Seins“ bedeutet, so heißt es im Kommentar der Kongregation für die Glaubenslehre, eine „substantielle Identität zwischen dem Wesen der Kirche Christi und der katholischen Kirche“. Die Kirche Christi bestehe in der katholischen Kirche als ein konkretes Subjekt in der geschichtlichen Wirklichkeit, was Einmaligkeit einschließe und Multiplizierbarkeit verbiete.

Somit ist die katholische Kirche die einzig wahre Kirche Jesu Christi. Gerade dies schließt eine größere Offenheit für das ökumenische Anliegen ein, „den wirklich kirchlichen Charakter und die wirklich kirchliche Dimension der christlichen Gemeinschaften anzuerkennen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, und zwar aufgrund der in ihnen vorhandenen ‚vielfältigen Elemente der Heiligung und der Wahrheit‘“. Auch wenn nur ein geschichtliches Subjekt „Kirche“ subsistiert, gibt es auch außerhalb dieses sichtbaren Subjekts echte kirchliche Wirklichkeiten, deren Kirchesein dadurch zu klären ist.

Die vierte Frage behandelt das Kirchesein der Ostkirchen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche sind. Diese Kirchen verdienen den Titel „Teil- oder Ortskirchen“ und sind „Schwesterkirchen“ der katholischen Teilkirche, „weil sie mit der katholischen Kirche verbunden bleiben aufgrund der apostolischen Sukzession und der gültigen Eucharistie, durch welche die Kirche Gottes aufgebaut wird und wächst“. Dadurch werden sie zu „echten Teilkirchen“, wie bereits das Schreiben „Dominus Iesus“ festgestellt hatte. Diese Teilkirchen aber erschöpfen sich in ihrem „Teilsein“ aufgrund der fehlenden vollen Gemeinschaft mit der römischen Kirche. Dies betrifft vor allem die Lehre vom Primat, der der nach katholischem Glauben „ein inneres Wesenselement“ für das Bestehen einer Teilkirche ist.

Der Primat des römischen Bischofs ist Dienst an der Einheit des Glaubens und der Gemeinschaft göttlichen Rechts und kann somit nicht auf eine „äußere Zutat“ oder „Konkurrenz“ reduziert werden.

Die fünfte Frage klärt, weshalb den kirchlichen Gemeinschaften, die aus der Reformation hervorgegangen sind, der Titel „Kirche“ nicht zugeschrieben werden kann. Dies kann deshalb nicht geschehen, weil sie protestantischen Gemeinschaften die apostolische Sukzession und die gültige Eucharistie nicht bewahrt haben. Das Schreiben bestätigt die Aussage von „Dominus Iesus“, nach dem sie „nicht Kirchen im eigentlichen Sinn“ sind, sondern „kirchliche Gemeinschaften“. Die protestantischen Gemeinschaften, so der Kommentar, „nehmen den theologischen Begriff von Kirche im katholischen Sinn nicht an; ihnen fehlen Elemente, die von der katholischen Kirche als wesentlich betrachtet werden“. Dessen ungeachtet haben sie einen kirchlichen Charakter.

Die Kongregation für die Glaubenslehre betont den ökumenischen Charakter ihres Schreibens und die Wichtigkeit des Dialogs, zu dem allerdings neben der Offenheit für die Gesprächspartner die Treue zur Identität des katholischen Glaubens notwendig ist.

„Mit dem Ausdruck ‚subsistit in‘ wollte das Zweite Vatikanische Konzil zwei Lehraussagen miteinander verbinden: Auf der einen Seite besteht die Kirche Christi – trotz der Spaltungen der Christen – voll nur in der katholischen Kirche fort; auf der anderen Seite gibt es viele Elemente der Heiligung und der Wahrheit außerhalb ihres Gefüges, also in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen.“

Das Einsseins mit Christus gründet das Voranschreiten auf dem Weg zur Einheit: „Die Vereinigung mit Christus ist zugleich eine Vereinigung mit allen anderen, denen er sich schenkt. Ich kann Christus nicht allein für mich haben, ich kann ihm zugehören nur in der Gemeinschaft mit allen, die die Seinigen geworden sind oder werden sollen. Die Kommunion zieht mich aus mir heraus zu ihm hin und damit zugleich in die Einheit mit allen Christen“ (Deus caritas est, 14).