Kongress in Rom zu Dialog zwischen Juden und Christen

Organisator ist die Gemeinde Sant'Egidio

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 408 klicks

Gestern begann in Rom der von der Gemeinde Sant’Egidio organisierte Kongress zum Thema „Von Johannes XXIII. bis Franziskus: Juden und Christen im Dialog“. Unter den Vortragenden sind die Historiker Andrea Riccardi und Marco Roncalli, die Kardinäle Walter Kasper und Kurt Koch, die Rabbiner Riccardo Di Segni, David Rosen und Abraham Skorka, sowie der Generaldirektor des großen Rabbinats Israels, Oder Wiener. Gegenüber Radio Vatikan sagte der Organisator und Präsident der Gemeinde Sant’Egidio, Marco Impagliazzo, bezüglich des Muts während des Dialogs zwischen Juden und Christen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil bis heute:

„Der Mut hatte eine große Bedeutung: Der Mut Karol Wojtylas, der aus seinem profunden Wissen über die jüdische Welt, die er in Krakau erlebt hatte, genährt wurde, in seiner Stadt, in Kontakt mit vielen Juden, seinen Studienkollegen, seinen Freunden und dann die vielen Juden, die er zu Tausenden während des zweiten Weltkriegs und der Shoa hat verschwinden sehen. Diese persönliche Geschichte der Begegnung mit dem Leiden der jüdischen Welt hat das Leben von Karol Wojtyla geprägt, der es dann als Papst verstand, die jüdische Welt in Freundschaft mit der christlichen Welt zu verbinden.“

Impagliazzo erinnerte an die diplomatischen Beziehungen, die Johannes Paul II. zum ersten Mal in der Geschichte zum israelischen Staat aufgebaut habe, sowie an seinen Besuch in Jerusalem und die Begegnung mit dem römischen Rabbi Toaff. Auch Johannes XXIII. habe das Leiden der Juden ähnlich erlebt; als Papst habe er noch vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil den Mut gehabt, die Formulierung der „perfiden Juden“ aus einem Karfreitagsgebet zu streichen. Kleine Schritte, die jedoch eine große Bedeutung für die Geschichte zwischen Judentum und Christentum haben, so Impagliazzo. Er betonte, wie wichtig es sei, an die Geschichte der Beziehungen zwischen Juden und Christen zu erinnern. Man müsse sich immer besser kennenlernen, noch offene Fragen beantworten und akzeptieren, dass manche hingegen nie gelöst werden können. Heute sei der Antisemitismus als Barriere zwischen Katholiken und Juden beseitigt. Zwischen den beiden Religionsgemeinschaften herrsche eine große Solidarität und große Freundschaft. Impagliazzo sagte, es müsse noch ein langer Weg gemeinsam gegangen werden, aber man sei sich begegnet und habe sich kennengelernt, vor allem aber habe man das Leiden der Juden kennengelernt. Er erinnerte im Anschluss an die ebenso wichtigen Verdienste der Päpste Paul VI., Johannes Paul I. und Benedikt XVI. Zu Papst Franziskus sagte er:

„Zu Papst Franziskus kann man sagen, dass er durch seine Tätigkeit als Hirte in einer großen Stadt wie Buenos Aires, wo viele Juden leben – denn es sei daran erinnert, dass Argentinien ein Ort der Zuflucht während des Zweiten Weltkriegs war – viele Beziehungen der Zusammenarbeit und Freundschaft hergestellt hat, die heute in sein Pontifikat einfließen, in seine Worte, in sein Gewissen und vor allem in seine Art, die Kirche zu führen.“