Kongress zum 100. Geburtsjahr von Cornelio Fabro

Tagung feiert Person und Lehre des berühmtesten italienischen Philosophen des 20. Jahrhundert

| 944 klicks

Von Jan Bentz

ROM, 7. Oktober 2011 (ZENIT.org). – An diesem Freitag und Samstag findet in der „Cancelleria Vaticana“ in Rom ein Kongress über die philosophischen und theologischen Lehren Cornelio Fabros (1911-1995) statt. Anlass ist das 100. Geburtsjahr des Philosophen.

Der Kongress wird von der Priesterkongregation „Instituto Verbo Incarnato“ (Institut des fleischgewordenen Wortes) (IVI) veranstaltet. Eingeladen wurden Professoren und Spezialisten aus ganz Italien, aus ihrer jeweiligen Fachperspektive die Größe dieses wohl berühmtesten Philosophen Italiens vorzustellen.

Fabro profilierte sich vor allem durch seine neuartige, aber dennoch in der Tradition verwurzelte Interpretation der philosophischen Lehren des hl. Thomas von Aquin; vergleichbar ist er mit zeitgenössischen Philosophen wie Étienne Gilson in Frankreich und Gustav Siewerth in Deutschland.

In den herrschaftlichen Hallen der Cancelleria entfalteten sich dann unter den Fresken der Allegorien „Gerechtigkeit“ und „Friede“ die Vorträge und eine Debatte in kollegialem Geist. Nach einer herzlichen Begrüßung begannen die dreißigminütigen Vorträge der eingeladenen Professoren. Zunächst wurden die theoretischen Voraussetzungen und die Besonderheiten der Auslegungen des hl. Thomas hervorgehoben, gefolgt von der Problematik des modernen Atheismus. Unter den Eingeladenen waren unter anderem Charles Morerod, Rektor der Päpstlichen Universität Angelicum und Generalsekretär der internationalen theologischen Kommission; Fernando Ocáriz, Generalvikar der Prälatur Opus Dei und Großkanzler der P. Universität Santa Croce, sowie Elvio Fontana, Leiter des „Kulturellen Projektes Cornelio Fabro“ und Direktor des Verlages des Institutes „Verbo Incarnato“ (EDIVI), der auch mit der Veröffentlichung der Gesamtwerke des Philosophen beauftragt ist.

Gastgeber ist Lluis Clavell, ehemaliger Großrektor der päpstlichen Universität Santa Croce in Rom und Präsident der Päpstlichen Akademie des hl. Thomas von Aquin. Ebenfalls zu den Eingeladenen zählte Msgr. Brunero Gherardini, Berater der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen und Mitglied der Päpstlichen Akademie für Theologie und bekannter Ekklesiologe der Päpstlichen Lateranuniversität, konnte aber wegen einer plötzlichen Erkrankung nicht teilnehmen. Diese und viele andere Gelehrte zahlreicher Kongregationen versammelten sich im Namen Fabros, vereint in der Liebe zur Weisheit und Wahrheit.

Die Themen der beiden Tage reichen von den philosophischen Lehren über die Beziehung Fabros zum modernen Atheismus, der philosophischen Anthropologie und der Beziehung von Glauben und Vernunft. Fabros Auseinandersetzungen mit Hegel und Heidegger wurden ebenso aufgegriffen wie seine Beschäftigung mit Kierkegaard und seine scharfe Kritik an Karl Rahner. Elvio Fontana erklärte die historische Bedeutung von René Descartes aus der Sicht Fabros und lobte Fabros Bemühungen, dem italienischen Sprachraum diesen französischen Philosophen zu erschließen. Er habe in drei Kongressen alle Descartes-Spezialisten zusammengeführt und damit sämtliche Denkansätze um den Philosophen zusammengefasst. Prof. Dr. Alain Contat, Ordinarius des Päpstlichen Athenäums „Regina Apostolorum“, sprach über die Lehre der Seinskonstitution, ausgehend von Thomas von Aquin, die daraus hervorgehenden Fragen und deren originelle Beantwortung durch Fabro.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt heute unter anderem die aktuelle moderne Problematik des Atheismus, dessen Wiege Fabro selber im Immanentismus des René Descartes sieht. „Ein Denken, welches die Religion und Gott als Einschränkung der Lebensfreude sieht und das Problem der Existenz Gottes schlechthin übergeht, grenzt sich selber ein, indem es im ‚Ich‘ des denkenden Subjekts eingekerkert bleibt“, erklärte P. Morerod in seinem Vortrag über den Atheismus.

Teil des Kongresses ist auch eine Fotomeile über das Leben Cornelio Fabros von der Priesterweihe, dem Wirken in den USA bis zur Lehrtätigkeit in Rom; darüber hinaus ein Bücherstand mit seinen Werken, die sich zu diesem Anlass mit einem Rabatt erwerben lassen. Cornelio Fabros gesammelte Werke werden seit 2005 veröffentlicht und Jahr für Jahr vom „Instituto Verbo Incarnato“ herausgegeben.

Der zweitägige Kongress wird Sonntagmorgen mit einer Messe im Gedenken Fabros beendet, die vom emeritierten Erzbischof Theodore Kardinal McCarrick zelebriert werden wird.

„Freiheit ist das, was die Beziehung Mensch-Mensch begründet. Sie ist es, die ihm die Aufgabe der Verantwortung aufgibt. Die Annahme der Verantwortung ist Aufgabe des Willens“ (Cornelio Fabro, Aphorismus 432).