Königin Elisabeth II.: keine religiöse Rechtfertigung für Gewalt

Würdigung des päpstlichen Friedensengagements

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Von Michaela Koller

EDINBURGH, 16. September 2010 (ZENIT.org).- Der erste Staatsbesuch eines Papstes in der Geschichte Großbritanniens begann mit einer Anerkennung der friedensstiftenden Rolle des Heiligen Stuhls und einer positiven Würdigung der Regensburger Rede. In Anspielung auf die Rede Papst Benedikts XVI. vom 12. September 2006 in der Universität von Regensburg sagte Königin Elisabeth II in ihrer Begrüßungsansprache vor ihrer schottischen Residenz Holyroodhouse: „Eure Heiligkeit, in jüngster Zeit haben Sie gesagt, dass Religionen nie ein Vehikel des Hasses werden dürften, und niemals dürfe Böses und Gewalt durch die Anrufung Gottes gerechtfertigt werden. In diesem Land sind wir uns heute einig in dieser Überzeugung."

Das britische Staatsoberhaupt zeigte sich zudem dankbar für das Eingreifen des Vatikan im Nordirland-Konflikt, der von 1969 bis 1998 währte. „Der Heilige Stuhl spielt weiterhin eine gewichtige Rolle in internationalen Belangen, bei der Sicherung des Friedens und der Entwicklung und, indem er gemeinsame Probleme anspricht, wie Armut und Klimawandel", anerkannte die Königin.

Schottische Weisen, darunter das weltberühmte Auld Lang Syne, begleitet von Dudelsäcken, stimmten das katholische Oberhaupt sowie die Schaulustigen an der Wegstrecke zwischen Flughafen und Schloss ein. Nach der Begrüßung im Holyroodhouse, bei der es auch zu Begegnungen mit Vertretern anderer Religionsgemeinschaften kam, wurde Papst Benedikt ein Schal mit Schottenkaro überreicht, den er im Papamobil sitzend über seiner Soutane trug. Zur selben Zeit war in den Straßen Edinburghs reichlich Jubel zu hören und Schulkinder in Uniform schwenkten dabei Vatikanfähnchen und das Porträt des hohen Gastes.

ZENIT dokumentiert im Folgenden die vollständige Rede Königin Elisabeths.

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Eure Heiligkeit,

ich bin erfreut, Sie hier im Vereinigten Königreich begrüßen zu dürfen und besonders in Schottland, zu Ihrem ersten Besuch als Papst. Ich erinnere mich noch mit großer Freude an den denkwürdigen Besuch des verstorbenen Papst Johannes Pauls II. in diesem Land 1982. Ich habe auch lebendige Erinnerungen an meine vier Besuche im Vatikan und an die Begegnungen mit einigen ihrer Vorgängern bei anderen Gelegenheiten. Ich bin ihnen höchst dankbar, dass sie eine Reihe von Mitgliedern meiner Familie über die Jahre mit warmherziger Gastfreundschaft empfangen haben.

Es hat sich in der Welt viel verändert, seit dem Besuch von Johannes Paul II. vor nahezu 30 Jahren. In diesem Land schätzen wir zu tieft die Mitwirkung des Heiligen Stuhls an der dramatischen Verbesserung der Situation in Nordirland. Anderswo, der Zusammenbruch der totalitären Regime in Mittel- und Osteuropa brachte Hunderte von Millionen Menschen größere Freiheit. Der Heilige Stuhl spielt weiterhin eine gewichtige Rolle in internationalen Belangen, bei der Sicherung des Friedens und der Entwicklung und, indem er gemeinsame Probleme anspricht, wie Armut und Klimawandel.

Eure Heiligkeit, Ihre Anwesenheit hier und heute erinnert uns an unser gemeinsames christliches Erbe und den christlichen Beitrag, zu einem Weltfrieden zu ermutigen und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den weniger wohlhabenden Ländern der Welt. Wir sind uns alle über den besonderen Beitrag der römisch-katholischen Kirche im Klaren, besonders in ihrem Dienst für die Ärmsten und die sozial benachteiligten Mitglieder der Gesellschaft, ihre Sorge für die Obdachlosen, und für die Bildung, die durch eine ausgedehntes Netzwerk von Schulen angeboten wird.

Religion war immer ein entscheidender Faktor unserer nationalen Identität sowie das Geschichtsbewusstsein. Deshalb wurde die Beziehung zwischen den verschiedenen Religionen zu einem grundlegenden Faktor der notwendigen Zusammenarbeit innerhalb und zwischen den Nationalstaaten. Daher ist es lebensnotwendig zu einer größeren gegenseitigen respektvolle Verständigung zu ermuntern. Wir wissen aus Erfahrung, dass durch praktizierten Dialog alter Argwohn überwunden und größeres gegenseitiges Vertrauen geschaffen werden kann.

Ich weiß, dass Versöhnung ein zentrales Thema im Leben Kardinal Henry Newmans war, zu dessen Seligsprechung Sie am Sonntag eine Messe zelebrieren werden. Als ein Mann, der mit Zweifeln und Unsicherheit kämpfte, beeinflusst sein Beitrag zum Verständnis des christlichen Glaubens nach wie vor viele Menschen. Es gefällt mir, dass dies auch eine Gelegenheit bietet, das Verhältnis zwischen der römisch-katholischen Kirche und der Kirche von England sowie die Kirche von Schottland zu vertiefen.

Eure Heiligkeit, in jüngster Zeit haben Sie gesagt, dass Religionen nie ein Vehikel des Hasses werden dürfen, und niemals dürfe Böses und Gewalt durch die Anrufung Gottes gerechtfertigt werden. In diesem Land sind wir uns heute einig in dieser Überzeugung. Wie halten die freie Religionsausübung für zentral in unserer toleranten und demokratischen Gesellschaft. Im Namen des Volkes des Vereinigten Königreiches wünsche ich Ihnen einen sehr fruchtbaren und denkwürdigen Besuch.