Konklave begonnen: gestern letzte Generalkongregation der Kardinäle

Zahlreiche letzte Wortbeiträge

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 1087 klicks

Insgesamt 152 wahlberechtigte und nicht wahlberechtigten Kardinäle waren gestern zum letzten Mal zusammengekommen. Damit war die Phase der Vorbereitung auf jenes Ereignis offiziell abgeschlossen, das die Gläubigen und Medien aller Welt in Atem hält: das Konklave.

Gestern Vormittag beendete das Kardinalskollegium die am vergangenen Montag begonnenen Arbeiten der Generalkongregationen. Diese hatten den Kardinälen im Hinblick auf die Wahl des neuen Hirten der Weltkirche eine Gelegenheit zum gegenseitigen Dialog und Austausch geboten.

Die zehnte und letzte Generalkongregation wurde unter der Beteiligung von 152 wahlberechtigten und nicht wahlberechtigten Kardinälen im Synodensaal abgehalten. Wie Pater Lombardi in einem Briefing für die Presse mitteilte, wurden während des Zusammentreffens die neuen Mitglieder der Sonderkongregation per Los gewählt. Diese werden einander drei Tage lang abwechseln und ihre Funktion auch während des Konklaves innehaben. Aus diesem Grund wird sich die Kommission stets aus Wählern zusammensetzen.

Die durch Los bestimmten Assistenten von Kardinal-Camerlengo Bertone sind Kardinal Naguib als Vertreter der Ordnung der Kardinalbischöfe Kardinal Ouellet, stellvertretend für die Kardinalpriester und Kardinal Monterisi für die Kardinaldiakone. Gemäß der Apostolischen Konstitution seien die Kardinäle für Fragen geringerer Bedeutung, vor allem organisatorischer und logistischer Natur, zuständig, so Pater Lombardi. Sollte sich das Konklave über mehrere Tage erstrecken, sei es notwendig, weitere Kardinäle auszulosen.

Dem Leiter des vatikanischen Pressesaals zufolge sei den verschiedenen Redebeiträgen der Kardinäle viel Raum gegeben worden, da es sich um die letzte Generalkongregation vor dem Beginn des Konklaves gehandelt habe. Insgesamt hätten 28 Kardinäle gestern Vormittag das Wort ergriffen. Damit hätte die Zahl der seit Montag, dem 4. März 2013, gehaltenen Wortbeiträgen 161 erreicht.

Lombardi führte aus: „Es herrschte aktive Beteiligung. Einige Kardinäle hatten den Wunsch, länger zu sprechen oder nochmals das Wort zu ergreifen.“ Das Kollegium habe sich jedoch mit einer „eindeutigen“ Mehrheit dafür ausgesprochen, am Nachmittag keine weitere Kongregation mehr abzuhalten.

Die Frage, ob fortzufahren sei oder nicht, ließ Kardinaldekan Angelo Sodano unverzüglich per Abstimmung beantworten. Laut Pater Lombardi habe Kardinal Sodano dem Wunsch der vielen, von ihrer Redemöglichkeit Gebrauch machen wollenden Kardinäle „mit beispielhafter Besonnenheit“ entgegenzukommen versucht. Allerdings hätten sich mehr als hundert Kardinäle für einen Abschluss im Laufe des Vormittags und daher kürzere Redebeiträge ausgesprochen.

Pater Lombardi ergänzte, dass einige Kardinäle im Schlussteil auf ihr Rederecht verzichtet hätten, da sie ihren Beitrag als nicht unbedingt nötig erachteten. Niemandem sei jedoch das Wort verboten worden, vielmehr habe jeder Redner zu Ende sprechen dürfen. In zahlreichen Beiträgen sei laut Lombardi ein Dank für die heitere Atmosphäre und das Klima des fruchtbaren Austauschs der letzten Tage ausgesprochen worden.

In Bezug auf die behandelten Themen wurde neben „wiederkehrenden“ Fragen wie „das Profil des neuen Papstes und die Erwartungen an ihn“ auch die Vatikanbank IOR angesprochen. Darüber habe naturgemäß Kardinal Bertone in seiner Eigenschaft als Präsident der Kardinalskommission referiet. In einer „konzisen“ Rede befasste er sich mit dem Aufbau des Instituts und dem Verfahren der Inklusion in das internationale Kontrollsystem „Moneyval“.

Vor Journalisten, die Kritik an der Tatsache übten, dass das IOR erst in der letzten Kongregation thematisiert werde, betonte der Sprecher, dass diese Frage im Hinblick auf die Kriterien der Papstwahl und den Austausch der Kardinäle im Vorfeld des Konklaves nicht von wesentlichem Belang sei. Man habe den Fragen in Zusammenhang mit der Wahl des neuen Papstes die höchste Priorität eingeräumt. Mit dem IOR habe man sich im Rahmen der Kongregation nur deshalb befasst, um einem allgemeinen Bedürfnis des Kollegiums nach Informationen entgegenzukommen.

Gestern Nachmittag um 17.30 Uhr legten weitere Personen, die beim Konklave zugegen sein warden, in der Paulinischen Kapelle ihren Eid ab.Konkret handelte es sich dabei um die 90 Mitglieder des „Hilfspersonals“ der Kardinäle während der Wahlgänge, darunter der Päpstliche Zeremonienmeister, der päpstliche Zeremoniar, Verantwortliche der Päpstlichen Sakrestei, Ärzte, Krankenpflegepersonal, Beichtpriester, Reinigungs- und Küchenpersonal im Gästehaus „Santa Marta“, Busfahrer und Wachen der Schweizer Garde und der Gendarmerie.

In Zusammenhang mit der „Missa pro eligendo Romano Pontifice“, die heute Vormittag um 10.00 Uhr im Petersdom gefeiert wurde, wies Pater Lombardi darauf hin, dass das Liturgiebuch in gedruckter Form vorliege und auf der Homepage des Vatikans (www.vatican.va) konsultierbar sei. Der Text sei ungekürzt in lateinischer Sprache sowie in italienischer und englischer Übersetzung vorhanden.

Die Messe wurde unter dem Vorsitz von Kardinal Sodano, der die Predigt in italienischer Sprache hielt [ZENIT berichtete] in Konzelebration mit allen Kardinälen, auch den nicht wahlberechtigten, gefeiert. Lombardi hatte darauf hingewiesen, dass die Feier „allen Gläubigen offen stehe“.