"Kontrapunkt der Liebe gegen all den Hass und die Unmenschlichkeit der Welt"

Tag der Schönstatt-Bewegung in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Rom, (ZENIT.org) | 306 klicks

Kontrapunkt der Liebe gegen all den Hass und die Unmenschlichkeit der Welt: Tag der Schönstatt-Bewegung in der KZ-Gedenkstätte Dachau Als „Kontrapunkt der Liebe gegen all den Hass und die Unmenschlichkeit der Welt“ habe Pater Josef Kentenich vor 100 Jahren, am Beginn des Ersten Weltkrieges, die Schönstatt-Bewegung gegründet, so Bernhard Seidenath MdL am 6. April 2014 in der KZ-Gedenkstätte Dachau. In den über drei Jahren, die er als Häftling des Naziregimes im Konzentrationslager Dachau verbrachte, habe er, so Seidenath, seinen „Mitgefangenen an diesem Ort Trost, Hoffnung und Liebe“ mitgegeben. Inmitten der menschen- und lebensfeindlichen Umgebung des Konzentrationslager, dessen Besuch ihm als Einwohner Dachaus jedes Mal immer noch unter die Haut gehe und dessen brutale Gräueltaten jedes menschliche Fassungsvermögen überstiegen, habe es Hoffnungsschimmer und kleine Wunder gegeben; dazu zähle er auch das Wirken Pater Kentenichs an diesem Ort und seine Entlassung exakt an diesem 6. April vor 69 Jahren. Er danke der Schönstatt-Bewegung, dass sie dieses Innehalten und Gedenken an diesem Tag hier möglich gemacht habe, so Bernhard Seidenath. Zusammen mit Vertretern aus Politik, Gesellschaft und Kirche – darunter Pfarrer Thomas Römer, CVJM München – hatten sich über 400 Mitglieder und Freunde der Schönstatt-Bewegung in der KZ-Gedenkstätte eingefunden, um an diesem für ihre Geschichte bedeutsamen Ort 100 Jahre Schönstatt zu begehen. Der gehörlose jüdische Maler David Ludwig Bloch, der im November 1938 ins Konzentrationslager Dachau kam - einer von 10.911 jüdischen Männern, die in Folge der „Reichskristallnacht” in das KZ Dachau eingeliefert wurden – und nach seiner Entlassung nach China und später USA emigrieren konnte, kehrte erst 1976 zum ersten Mal nach Deutschland zurück und verarbeitete nach einem Besuch in der KZ-Gedenkstätte Dachau den Holocaust und seine persönlichen Erlebnisse im KZ Dachau auf künstlerischer Ebene. Eines seiner Bilder, so Pater Elmar Busse in der Einführung im bis auf den allerletzten Platz belegten Filmsaal der Gedenkstätte, zeigt eine der typischen erniedrigenden Dachausituationen, den Zählappell auf dem riesigen Appellplatz; graue, anonyme Menschenreihen, von scharfgeschnitten dreieckigen Lichtkegeln bewacht. Und im grün-grauen Himmel über Dachau deutet er ein dreieckiges Symbol an. Ein Symbol, das im jüdischen wie christlichen Bereich eine starke Bedeutung hat als Sinnbild für das Wirken Gottes. Auch an einem Ort, dessen Unmenschlichkeit noch heute zum Himmel schreit. Dieses Bild von David Ludwig Bloch, so Busse, sei auf der Einladung der Schönstattfamilie der bayrischen Diözesen zu sehen. Das „Gott-Vater-Symbol“, das während des Tages in einem der Gedenkräume aufgestellt war und das seit knapp fünf Jahren auf allen Kontinenten unterwegs ist, stehe für eine Realität: Gott hat die Hölle von Dachau betreten. Er sei dort gewesen in Menschen, die inmitten dieser „Hölle“ der Rechtlosigkeit, Ehrlosigkeit, Wehrlosigkeit anderen Menschen zu essen gaben, Impfstoff besorgten, zuhörten, Mut machten, sie vor dem Zugriff der Wachen versteckten, mit Erzählungen vom Hunger ablenkten, Aufgaben und Hoffnung für jetzt und für danach gaben und manchmal sogar ein Lächeln oder ein herzhaftes Lachen hervorriefen und zeigten: Es gibt eine menschliche Würde in Lumpen und unter Schlägen, eine Würde, die niemand nehmen kann. Das Motto des Tages: „Mensch bist du wertvoll“ fasse diese Botschaft zusammen, als Mahnung und Aufruf, sich persönlich einzusetzen für die Würde jedes Menschen. „Entdecke und entwickle deine gottgewollte Originalität! Lass dir von niemandem Deine Würde und dein Selbstwertgefühl zerstören oder rauben!“, so fasst Busse im Gottesdienst in der Karmelkirche die Botschaft zusammen. Dieses Symbol, das Pater Josef Kentenich im Jahr 1967 der Schönstattfamilie geschenkt hatte, stehe für den Glauben an einen Gott, der jedem Menschen eine nicht wegzurationalisierende und wegzudiskutierende Würde schenke. „Auch wenn Pater Kentenich noch nicht offiziell selig gesprochen ist, so glaube ich doch, dass er bei Gott ist und dass er seinen Himmel unter anderem damit verbringt, für uns, die wir uns an ihn wenden, bei Gott Fürbitte einzulegen. Dieser Vorgang hat sich interessanterweise bei der Reise des Gottvater-Symbols durch die Welt auch an dieses Symbol gekoppelt“, so deutete Busse ein interessantes Phänomen. „So ist für viele dieses Symbol auch zum Symbol für die Solidarität des Gründers mit seiner Gründung geworden. Pater Kentenich legt bei Gott Fürbitte ein für uns, für unsere Erlösung für unsere Heilung, für unsere Befreiung, für unsere Beziehungsfähigkeit. Wie Gott ihn im Laufe seines Lebens aus seinen Unerlöstheiten herausgeführt hat und ihn zum lebendigen Beweis für die Erlöserliebe hat werden lassen, so möchte er auch uns Hilfestellungen geben, damit wir in erleuchteter Weise mit der erlösenden Gnade Gottes zusammenwirken können.“