Konzert ohne Papst

Franziskus geht mit gutem Beispiel voran: Arbeit statt öffentliche Auftritte

Rom, (ZENIT.org) P. Alfonso M. A. Bruno FI | 414 klicks

Die Kurie bemüht sich, die offiziellen Auftritte des Pontifex zu reduzieren. Der weiße Stuhl in der ersten Reihe der Aula Nervi blieb leer: Einige Beobachter halten die fehlende Präsenz des Papstes auf dem Konzert, das zu seinen Ehren gegeben wurde, für ein Zeichen einer möglichen Lossagung von einer „Weltlichkeit“ des Vatikans.

Wenn Papst Franziskus den Event für unangemessen gehalten hätte, hätte er ihn problemlos vom Terminkalender der geplanten Kulturveranstaltungen streichen können. Derartige Veranstaltungen, die dem Vatikan keine Kosten verursachen, dienen dazu, das Prestige der Künstler und Intellektuellen zu mehren und natürlich auch deren Werk durch den Pontifex würdigen zu lassen.

Wenn es nun also nicht um einen „weltlichen“ Aspekt geht und auch nicht um eine deutliche Distanzierung davon, warum blieb der Papst dem Konzert fern? Aus dem einfachen Grund: Weil er Wichtigeres zu tun hatte!

Wenn das Erscheinungsbild der Kommunikation dient, um den anderen die Realität zu veranschaulichen, ist ihr ästhetischer Wert ohne Zweifel dienlich – und hier wird der Einfluss der lateinamerikanischen Dichter und Schriftsteller auf den Geist von Franziskus deutlich , so dient die Geste hingegen dazu, in die Realität einzugreifen und sie zu modifizieren. Und die Geste, dem Konzert fern zu bleiben, bedeutet vor allem zu veranschaulichen, dass man die Kirche in erster Linie durch Arbeit regiert. Als ein Kommandant der Polizei gefragt wurde, warum er so wenig an den offiziellen Veranstaltungen teilnehme, antwortete er, der Staat bezahle ihn dafür, die Gesellschaft vor der Kriminalität zu schützen und nicht dafür, sich auf Veranstaltungen zu zeigen. Der Papst ist auf seinem Posten, um die Kirche zu führen.

Im Alter von 77 Jahren weiß der Papst, dass ihm nicht mehr so viel Zeit bleibt, um sein Programm zu realisieren. Und es ist nicht nur sein Alter, das ihn dazu antreibt, sich zu beeilen; es ist vor allem die Schnelligkeit der Welt von heute. Es ist richtig, dass Ratzinger bereits 78 war, als er Papst wurde, doch wurde sein Amt von Beginn an als Übergangspontifikat gesehen.

Papst Franziskus ist sich bewusst, dass die größte Herausforderung unserer Zeit das Ausbalancieren der Beziehungen zwischen Nord und Süd, zwischen reichen und armen Ländern ist. Die Kirche kann nur zu diesem Gleichgewicht beitragen, wenn es ihr gelingt, es in den eigenen Reihen herzustellen.

Die große Beliebtheit des Papstes und sein hohes Ansehen, das er unter schwierigen politischen und wirtschaftlichen Kondition in Lateinamerika erlangt hat und die Gesamtheit seiner persönlichen Qualitäten haben einen allgemeinen Enthusiasmus hervorgerufen und ihn und sein Werk unterstützt.

Es wäre illusorisch anzunehmen, dass es keine Resistenz, kein Misstrauen oder gar feindseliges Verhalten außerhalb und innerhalb der Kirche gäbe. Es ist also logisch und richtig, dass sich der Papst ganz der Kirchenführung verschrieben und in Arbeit gestürzt hat.

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