Koptisch-Orthodoxes Kirchenoberhaupt Tawadros II. im Vatikan

Heute Begegnung mit Papst Franziskus und Vertretern des Päpstlichen Einheitsrats

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 510 klicks

Am gestrigen Donnerstag ist das koptische Kirchenoberhaupt Tawadros II zu seinem Besuch, der vom 9. bis 13. Mai dauern wird, im vatikanischen Gästehaus „Domus Sanctae Marthae“ eingetroffen. Am Nachmittag des Ankunftstages besuchte er laut vorgesehenem Programm den Petersdom und die Nekropole unter der Basilika.

Für heute sind neben der Begegnung mit Papst Franziskus und einem gemeinsamen Gebet Gespräche mit Vertretern des päpstlichen Einheitsrates geplant. Auch ein Treffen mit Roms Bürgermeister Gianni Alemanno steht auf dem Programm. Morgen ist unter anderem ein Treffen mit koptischen Gemeindemitgliedern in Rom vorgesehen. Der Besuch endet am Montag mit einem Gespräch mit dem Präfekten der Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri.

Tawadros II ist Gründer des ökumenischen Kirchenrats, einer Gruppe von Theologen, bestehend aus der koptisch-orthodoxen, der katholischen, der evangelischen und der anglikanischen Kirche.

Gegenüber Radio Vatikan hatte der Seelsorger der deutschsprachigen Gemeinde in Kairo, Pfarrer Joachim Schroedel, betont, er sehe mit dem Nachfolger von Shenouda Bewegung in der Ökumene.

Schroedel verspricht sich auch konkrete Schritte der Annäherung zwischen Katholiken und Kopten, zum Beispiel bei der Frage der Wiedertaufe:

„Das wäre unsere größte Hoffnung – ein positives Signal in der Frage der Taufe, der Wiedertaufe, die ja immer noch ein Problem ist. Die Kopten verlangen die Wiedertaufe, wenn man wechselt, von dem katholischen Glauben etwa in den koptischen, und das ist ein Stein des Anstoßes für die Ökumene“, so der Pfarrer im Radio Vatikan-Gespräch.

An der kürzlichen Inthronisation des Oberhaupts der koptisch-katholischen Glaubensgemeinschaft habe der orthodoxe Kirchenführer von 15 Millionen Kopten teilgenommen und ein deutliches Zeichen ökumenischer Zusammenarbeit gesetzt.

Zum ersten Mal seit 40 Jahren treffen wieder ein Oberhaupt der koptischen und der römisch-katholischen Kirche zusammen. Der Vorgänger von Tawadros, Shenouda III, hatte sich mit Papst Paul VI. im Vatikan im Mai 1973 getroffen. Bei dieser Gelegenheit unterzeichneten  der Papst und der Patriarch der koptisch-orthodoxen Kirche eine wichtige gemeinsame christologische Erklärung, was den Anfang des ökumenischen bilateralen Dialogs zwischen den beiden Kirchen bedeutete.

Die koptischen Christen bilden die größte nicht-muslimische Minderheit in Ägypten. Ihr Anteil unter den 80 Millionen Bürgern beträgt laut neuester Schätzung des Heiligen Stuhls 10 Millionen Gläubige.