Koptische Christen bekommen erste eigene Bibel

Übersetzungsprojekt von Rainer Hannig, Professor für Ägyptologie an der Universität Marburg

| 3232 klicks

 

ROM, 6. Juli 2010 (ZENIT.org).-Im deutschen Kloster Brenkhausen bei Höxter haben die koptischen Christen ein Jahrhundertprojekt begonnen: Die weltweit 17 Millionen Gläubigen werden 2018 die erste Bibel in koptischer Sprache in den Händen halten. Nach fast 2000 Jahren sollen koptischen Christen dank eines Übersetzungsprojektes eine eigene Bibel bekommen.

Betreut wird das Mammutvorhaben von Rainer Hannig, Professor für Ägyptologie an der Universität Marburg. „Es soll eine Volksbibel werden. Eine Bibel für jedermann", berichtete Hannig.

"Seit 1800 Jahren wurden einzelne Texte aus der Bibel in koptische Dialekte übertragen, jedoch existierte keine zusammenhängende Übersetzung der gesamten Bibel in die heute verwendete boharische Sprache", berichtet Projektleiter Prof. Dr. Rainer Hannig.Rund acht Jahre lang soll die Übersetzung der gesamten Bibel in die koptische Sprache dauern, mehr als 500 000 Euro werden dafür aus Spendengeldern benötigt. An dem Projekt sind Wissenschaftler und Theologen beteiligt.

„Das koptische Christentum ist eine katholisch-orthodoxe Kirchenart mit eigenem Papst in Kairo", erklärte Hannig. Ein Teil der Bibel wurde bereits ins Koptische übersetzt - allerdings in alte, heute kaum mehr bekannte Dialekte. Die Gläubigen greifen deshalb bislang auf die arabische Ausgabe zurück.

"Eine gute Bibelübersetzung fördert das Interesse am Christentum und schafft Gemeinsamkeit für die in aller Welt verstreut lebenden Kopten«, sagt der Professor, der aktiv von Bischof Damian, dem Geistlichen Oberhaupt der Kopten in Deutschland, dem neuen Bibliothekar des Klosters Brenkhausen, Nader Mohamed, sowie einer 30-köpfigen Bibelkommission aus Übersetzern, Theologen und Professoren unterstützt wird.

Kopten-Papst Schenuda II. ist von dem Projekt, das beim ersten koptischen Familien-Welttreffen im Kreis Höxter an diesem Wochenende offiziell ins Leben gerufen wird, begeistert. Wichtig sei, so Bischof Damian, dass solch eine Bibel zur Identität der Kopten als eigene christliche Kirche beitrage. Prof. Hannig sieht in Ägypten die Moslems ständig mit dem Koran unter dem Arm umherlaufen: Mit dieser eigenen Schrift könnten auch die Kopten Flagge zeigen.

Der 57-jährige Prof. Hannig, der auch schon ein 10 000-seitiges Lexikon verfasst hat und in Marburg als "Kapazität" für die christlichen Kirchen und Sprachen gilt, legt wert darauf, dass das für Millionen wichtigste Buch der Menschheit mit sehr viel Sorgfalt hergestellt wird, "damit es die nächsten Jahrhunderte seine Gültigkeit nicht verliert". Handschriften sammeln, Neuübersetzungen und druckfertige Texte sind in kurzer Zeit zu erstellen.

Der Ausdruck Kopten (Ägypter) bezeichnete ursprünglich diejenigen Einwohner Alexandriens und Ägyptens, die die ägyptische Sprache verwendeten. Noch in römischer, byzantinischer und frühislamischer Zeit wurde das Wort ohne Rücksicht auf die Religionszugehörigkeit gebraucht. Die koptische Sprache entstand aus dem Ägyptischen. Seit der zunehmenden Arabisierung und Islamisierung Ägyptens wird der Begriff allein für die Christen der koptischen Kirchen verwendet. Bischof Damian schätzt, dass in Ägypten heute 15 Millionen Kopten leben, außerhalb des Landes zwei Millionen. Für 7000 Kopten in Deutschland ist Damian Bischof.