Korbinian von Freising (um 680 - um 728)

Erster Patron der Erzdiözese München-Freising

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 265 klicks

Korbinian ist die erste Patron der Erzdiözese München-Freising. Der Heilige wurde um 680 in Chartres in Frankreich geboren. Da sein Vater kurz nach der Geburt des Kindes verstorben war, zog die Mutter den Jungen allein auf. Schon in jungen Jahren fühlte sich Korbinian zum religiösen Leben hingezogen und widmete sich intensiv der Lektüre der Heiligen Schrift. Die Nächte verbrachte er betend, die Tage mit der Fürsorge für Arme und Pilger. Korbinian lebte nunmehr als Einsiedler, und die Kunde von seiner Frömmigkeit verbreitete sich schnell. Schon bald suchten ihn immer mehr Menschen auf, um seinen Rat zu erbitten. Korbinian, der sich dem Ansturm nicht mehr gewachsen fühlte, pilgerte deshalb um 710 nach Rom. In Rom wurde Korbinian von Papst Gregor II. zum Priester und Bischof geweiht. Darauf kehrte der Heilige in seine Heimat zurück. Um 714 brach Korbinian erneut nach Rom auf.

Die Legende berichtet, dass die Reisegruppe in der Nacht von einem Bären überrascht wurde, der das Lastpferd angefallen hatte. Korbinian behielt trotz der Panik der Umstehenden die Ruhe und beauftragte den Knecht, den Bären zu satteln. So wurde der Bär zum Lastentier und brachte das Gepäck der Reisegruppe nach Rom. Benedikt XVI. führte während seiner Ansprache vor der Mariensäule im Rahmen seiner apostolischen Reise nach München, Altötting und Regensburg zu dieser Legende am 9. September 2006 aus: 

„Vielleicht darf ich bei dieser Gelegenheit einen Gedanken wieder aufgreifen, den ich in meinen kurzen Erinnerungen im Zusammenhang meiner Ernennung zum Erzbischof von München und Freising dargestellt hatte. Ich sollte ja Nachfolger des heiligen Korbinian werden und bin es geworden. An der Legende dieses Heiligen hat mich seit meiner Kindheit die Geschichte fasziniert, wonach ein Bär sein Reittier auf seiner Reise über die Alpen zerrissen hat. Korbinian verwies es ihm streng und lud ihm zur Strafe sein Gepäck auf, das er nun bis nach Rom zu schleppen hatte. So musste der Bär, beladen mit dem Bündel des Heiligen, nach Rom wandern und wurde erst dort von Korbinian freigelassen.

Als ich 1977 vor die schwierige Entscheidung gestellt wurde, die Ernennung zum Erzbischof von München und Freising anzunehmen oder nicht – eine Ernennung, die mich aus meiner gewohnten Tätigkeit als Universitätslehrer herausholte in neue Aufgaben und Verantwortungen – da habe ich sehr nachgedacht, mich dann gerade an diesen Bären erinnert und an die Interpretation, die der heilige Augustinus von den Versen 22 und 23 des Psalmes 72 [73] in seiner ganz ähnlichen Situation bei seiner Priester- und Bischofsweihe entwickelt und später in seinen Psalmenpredigten niedergelegt hat. In diesem Psalm fragt sich der Psalmist, warum es den schlechten Menschen dieser Welt oft so gut geht und warum es so vielen guten Menschen in der Welt so schlecht geht. Dann sagt der Psalmist: Ich war dumm, wie ich nachdachte, ich war wie ein Stück Vieh vor dir, aber dann bin ich in den Tempel hineingegangen und habe gewusst, dass ich gerade in meinen Nöten ganz nah bei dir bin und dass du immer mit mir bist. Augustinus hat diesen Psalm mit Liebe immer wieder aufgenommen und hat in diesem Wort: ‚Ich war wie ein Vieh vor dir‘ („iumentum“ im Lateinischen) die Bezeichnung für die Zugtiere gesehen, die damals in der Landwirtschaft in Nordafrika üblich waren, und er hat sich selbst in dieser Bezeichnung „iumentum“ als Lasttier Gottes wiedererkannt, sich selbst darin gesehen als einen, der unter der Last seines Auftrages der „sarcina episcopalis“ steht. Er hatte von sich aus das Leben eines Gelehrten gewählt und war, wie er dann sagt, von Gott zum ‚Zugtier‘ Gottes bestimmt worden – zum braven Ochsen, der den Pflug im Acker Gottes zieht, die schwere Arbeit tut, die ihm aufgetragen wird. Doch dann erkannte er: Wie das Zugtier ganz nahe bei dem Bauern ist, unter dessen Führung es arbeitet, so bin ich ganz nahe bei Gott, denn so diene ich ihm unmittelbar für das Errichten seines Reiches, für das Bauen der Kirche.“

Die Reise nach Rom führte Korbinian durch Bayern, wo sich Korbinian auf der Rückreise von Rom in Freising niederließ. Von Freising aus begann der Heilige, die Region zu missionieren. Er gründete eine Kirche, die der Grundstein für die spätere Abtei Weihenstephan werden sollte.

Korbinian verbrachte einige Zeit in Freising, bis er wegen einer Streitigkeit fliehen musste und sich nach Meran in das Kloster Kains zurückzog.

Korbinian konnte einige Zeit später wieder nach Freising zurückkehren, wo er um 728 verstarb. Seine sterblichen Überreste wurden im Kloster Kains beigesetzt. 765/768 wurde sein Leichnam von Bischof Arbeo nach Freising überführt.

Sein Gedenktag ist der 20. November.