Körperhaltungen bei der Messfeier

Schrift, Kirchenväter und Konzilien über die Körperhaltungen

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 499 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen.

Fragestellung: Ein Katechet aus Malta bat um Erklärung der verschiedenen Körperhaltungen, die man im Verlauf der Messfeier einnimmt.

P. Edward McNamara: Die Körperhaltungen, die vom Volk bei der Messfeier eingenommen werden sollen, werden von der Grundordnung des Römischen Messbuchs unter Nr. 43 erwähnt:

Die Gläubigen stehen „von Beginn des Gesangs zum Einzug beziehungsweise während der Priester sich zum Altar begibt, bis zum Tagesgebet einschließlich, beim Gesang des Halleluja vor dem Evangelium, bei der Verkündigung des Evangeliums selbst, beim Glaubensbekenntnis und beim Allgemeinen Gebet sowie von der Einladung ‚Betet, Brüder und Schwestern‘ vor dem Gebet über die Opfergaben bis zum Ende der Messe, mit den unten genannten Ausnahmen.“

Sie sitzen, „wenn die Lesungen vor dem Evangelium und der Antwortpsalm vorgetragen werden, bei der Homilie und bei der Bereitung der Gaben zur Darbringung sowie gegebenenfalls nach der Kommunion, wenn das heilige Schweigen gehalten wird.“

Sie knien „während der Konsekration, sofern sie nicht aus gesundheitlichen Gründen, wegen des beengten Raumes, einer größeren Anzahl von Anwesenden oder aus anderen vernünftigen Gründen daran gehindert sind. Wer aber zur Konsekration nicht kniet, hat eine tiefe Verneigung zu machen, während der Priester nach der Konsekration eine Kniebeuge macht.“

Weiterhin bestimmt die Grundordnung: „Es ist Sache der Bischofskonferenz, die im Ordo Missae beschriebenen Gebärden und Körperhaltungen der Eigenart und den vernünftigen Traditionen des jeweiligen Volkes nach Maßgabe des Rechts anzupassen. Dabei muss jedoch darauf geachtet werden, dass sie dem Sinn und dem Charakter der einzelnen Teile der Feier entsprechen. Wo der Brauch besteht, dass das Volk nach dem Sanctus bis zum Ende des Eucharistischen Hochgebets und vor der Kommunion, wenn der Priester das Seht das Lamm Gottes (Ecce Agnus Dei) spricht, knien bleibt, ist er lobenswerterweise beizubehalten.

Um Einheitlichkeit bei den Gebärden und Körperhaltungen in ein und derselben Feier zu erreichen, haben die Gläubigen den Hinweisen zu folgen, die der Diakon, ein mit einem liturgischen Dienst beauftragter Laie oder der Priester geben, entsprechend dem, was im Messbuch festgelegt ist.“

Die grundlegende Körperhaltung während der Liturgie ist also das Stehen, die natürliche Geste der Hochachtung gegenüber der Autorität. Aus diesem Grund empfängt die Versammlung den zelebrierenden Priester während des Einzugs stehend. Wie die Israeliten, während sie dem Wort Gottes zuhörten, aufrecht standen, so steht auch die Versammlung, während das Evangelium verkündet wird. Das Stehen war in der Tat die normale Körperhaltung des betenden Juden und diese Sitte ging – wie man auch den Zeichnungen auf den Wänden der Katakomben entnehmen kann – auf das Christentum über.

Wenn sie sich mit dem feierlichen Gebet des zelebrierenden Priesters verbinden, verbleiben die Gläubigen heute meistens in stehender Position. Wie man der Geheimen Offenbarung entnehmen kann (7,9 und 15,2), befinden sich die himmlischen Auserwählten in aufrechter Körperhaltung. Die Kirchenväter sahen in dieser Körperhaltung einen Ausdruck der heiligen Freiheit, mit der die Kinder Gottes ausgestattet waren. Der hl. Basilius schreibt in seinem Traktat über den Heiligen Geist, dass „wir am ersten Tag der Woche stehend beten, wobei nicht alle den Grund hierfür kennen. Am Tag der Auferstehung (oder des von-neuem-Erstehens‘; Griechisch‚ anástasis‘) erinnern wir uns an die uns geschenkte Gnade, indem wir beim Beten stehen, nicht nur, weil wir ‚mit Christus auferstanden sind‘ und‚ nach den himmlischen Dinge streben sollen‘, sondern weil es uns scheint, dass der Tag in gewissem Sinne ein Abbild jenes Zeitalters ist, auf das wir warten…“ (Kapitel 27).

Aufgrund dieser Beziehung zur Auferstehung schreibt die Liturgie vor, dass bestimmte Gebete, wie z.B. die Allerheiligenlitanei an Sonntagen und während der Osterzeit stehend und nicht kniend gebeten werden.

Der Lehrer befindet sich beim Lehren in sitzender Position, so auch derjenige, der der Feier vorsteht. Darum darf der Bischof, während er auf seiner Kathedra sitzt, predigen. Andererseits ist dies die Körperhaltung derjenigen, die aufmerksam zuhören. Deswegen sind die Gläubigen gebeten, zu gewissen Zeiten Platz zu nehmen, wie z.B. während der Lesungen – außer bei der Verkündigung des Evangeliums; während der Predigt; während der Gabenbereitung; und ebenso, sofern erwünscht, nach dem Empfang der Kommunion. In den meisten antiken und mittelalterlichen Kirchen befand sich kein Gestühl; daher lud man die Gläubigen oft dazu ein, während der Lesungen und zur Predigt auf dem Boden Platz zu nehmen. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Sitte aus apostolischer Zeit, wie dies die Apostelgeschichte (20,9) und der erste Korintherbrief (14,30) bezeugen.

Das Knien als Körperhaltung war ursprünglich Momenten intensiven persönlichen Gebets vorbehalten, wie am Beispiel des hl. Stephanus ersichtlich ist, der sich in dieser Position befand, ehe er dem Martertod erlag. Offenbar nutzten auch Petrus und Paulus diese Körperhaltung beim Meditieren sowie fürs gewöhnliche Gebet (Apg 9,24; 20,36; Eph 3,14).

In die Liturgie fand diese Körperhaltung – außer als Bußakt – anfänglich keinen Einlass. Das Konzil von Nizäa (325) verbot Pönitenten, an Sonntagen zu knien. Der hl. Basilius meinte, wir knien, um mit unserer Gebärde zu zeigen, dass die Sünde uns zu Boden geworfen hat. Langsam verlor aber diese Gebärde ihre ausschließlich der Bußhaltung zugeordnete Bedeutung und nahm dann besonders während des Mittelalters eine zusätzliche Bedeutung an, namentlich die eines tiefen Respekts und der Anbetung, was heutzutage vorwiegend ihre Bedeutung ist. Auf diese Weise bestärkt das Knien während der Messe die Gefühle und Haltungen, die mit dem Stehen ausgedrückt werden.

Eine weitere Gebärde ist die der Verbeugung, die Verehrung und Respekt, in einigen Kulturen auch Anbetung, ausdrückt. Die Einladung, sich zu verneigen, geht bestimmten Segnungen und Gebeten über das Volk voraus. Während der Messe neigt die ganze Versammlung das Haupt, wenn der Name Jesu im Gloria erwähnt und wenn im Glaubensbekenntnis an das Geheimnis der Menschwerdung erinnert wird. Auf diese Weise unterstreicht die Gebärde die Bedeutung des vom liturgischen Text erwähnten Geheimnisses.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Originalartikel Why the Various Postures at Mass