Kraft der Taufe werden wir zu Jüngern und Missionaren

Katechese des Papstes bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 472 klicks

Die Generalaudienz von heute Vormittag begann um 10.30 Uhr auf dem Petersplatz, wo der Heilige Vater Franziskus mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

In seiner auf Italienisch gehaltenen Ansprache stellte der Papst das ewige Leben in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des Vaterunsers und dem apostolischen Segen.

Wir dokumentieren im Folgenden die Katechese des Heiligen Vaters in eigener Übersetzung.

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Am vergangenen Mittwoch haben wir eine kurze Reihe von Katechesen über die Sakramente begonnen und zuerst über die Taufe gesprochen. Auch heute möchte ich weiter über die Taufe sprechen und eine sehr wichtige Wirkung dieses Sakraments betonen: Die Taufe macht uns zu Gliedern des Leibes Christi und zu Angehörigen des Volkes Gottes. Der heilige Thomas von Aquin sagt, dass der Mensch durch die Taufe dem Leib Christi angegliedert wird, fast wie ein echtes Körperteil, und dadurch in die Gemeinschaft der Gläubigen eintritt (vgl. Summa Theologiae, III, q. 69, art. 5; q. 70, art. 1), das heißt, in das Volk Gottes. In der Sprache des Zweiten Vatikanischen Konzils sagen wir heute, dass die Taufe uns zu Mitgliedern des Gottesvolks macht, zu Angehörigen eines Volkes, das sich auf Wanderschaft befindet, das durch die Geschichte wandert.

So, wie das Leben von Generation zu Generation weitergegeben wird, wird durch die Wiedergeburt aus dem Taufbecken auch die Gnade von Generation zu Generation weitergegeben. Mit dieser Gnade wandert das christliche Volk durch die Zeit, wie ein Fluss, der die Erde bewässert und in der Welt den Segen Gottes verbreitet. Seit dem Zeitpunkt, als Jesus die Worte sprach, die wir im Evangelium gehört haben, sind die Jünger aufgebrochen, um zu taufen; und seit jener Zeit bis heute gibt es eine ununterbrochen Kette der Weitergabe des Glaubens durch die Taufe. Jeder von uns ist ein Glied dieser Kette, ein weiterer Schritt, wie ein Fluss, der Wasser bringt. So ist die Gnade Gottes, und so ist unser Glaube, den wir an unsere Kinder weitergeben müssen, damit sie, wenn sie zu Erwachsenen werden, ihn ihrerseits an ihre Kinder weitergeben können. Das ist die Taufe. Warum? Weil die Taufe uns zu Mitgliedern dieses Gottesvolks macht, das den Glauben trägt. Das ist sehr wichtig. Ein Volk Gottes, das sich voran bewegt und den Glauben weitergibt.

Kraft der Taufe werden wir zu Jüngern und Missionaren, dazu berufen, das Evangelium in die Welt zu tragen (vgl. Apostolisches Schreiben „Evangelii gaudium“, 120). „Jeder Getaufte ist, unabhängig von seiner Funktion in der Kirche und dem Bildungsniveau seines Glaubens, aktiver Träger der Evangelisierung […] Die neue Evangelisierung muss ein neues Verständnis der tragenden Rolle eines jeden Getauften einschließen“ (ebd.); ein neues Verständnis der tragenden Rolle aller, des gesamten Gottesvolks. Das Gottesvolk ist ein Volk von Jüngern, weil es den Glauben empfängt, und von Missionaren, weil es den Glauben weitergibt. Und das bewirkt die Taufe in uns. Sie schenkt uns die Gnade und zündet den Glauben in uns. In der Kirche sind wir alle Jünger und bleiben es unser Leben lang; wir alle sind aber auch Missionare, jeder auf dem Posten, den der Herr ihm zugewiesen hat. Alle: Auch der Kleinste ist ein Missionar, und der, der der Größte zu sein scheint, ist auch ein Jünger. Vielleicht denkt ihr: „Die Bischöfe sind doch keine Jünger, die Bischöfe wissen alles! Der Papst weiß alles und ist doch kein Jünger!“ Doch nein, auch die Bischöfe und der Papst müssen Jünger sein, denn wenn sie keine Jünger sind, können sie nicht Gutes tun, können sie keine Missionare sein, können sie den Glauben nicht weitergeben. Wir alle sind Jünger und Missionare zugleich.

Es gibt ein unauflösliches Band zwischen der mystischen und der missionarischen Dimension der christlichen Berufung, die beide in der Taufe wurzeln. „Mit dem Glauben und der Taufe empfangen wir Christen auch den Heiligen Geist, der uns befähigt, Jesus als Sohn Gottes zu bekennen und Gott ‚Abba‘ (Vater) zu nennen. Als getaufte Männer und Frauen […] sind wir alle dazu berufen, die Gemeinschaft mit der Dreifaltigkeit zu leben und weiterzugeben, denn die Evangelisierung ist ein Aufruf zur Teilhabe an der dreifaltigen Gemeinschaft“ (Schlussdokument von Aparecida, Nr. 157).

Keiner erlöst sich allein. Wir sind eine Gemeinschaft von Gläubigen, wir sind das Volk Gottes, und als Gemeinschaft erfahren wir die Schönheit, an einer Liebe teilzuhaben, die älter ist als wir alle, uns aber gleichzeitig dazu einlädt, füreinander zu „Kanälen der Gnade“ zu werden, trotz unserer Grenzen und unserer Sünden. Die gemeinschaftliche Dimension ist für das christliche Leben nicht nur ein Rahmen, ein Zusatz, sie ist vielmehr fester Bestandteil unseres Zeugnisses und der Evangelisierung. Der christliche Glaube entsteht und lebt in der Kirche, und in der Taufe feiern die Familien und Pfarreien, dass ein neues Glied zum Leibe Christi, der Kirche, hinzugefügt wird (vgl. ebd., Nr. 175b).

Beispielhaft dafür, wie wichtig die Taufe für das Gottesvolk ist, ist die Geschichte der christlichen Gemeinde Japans. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erlitt diese Gemeinde eine brutale Verfolgung. Es gab zahlreiche Märtyrer; die Mitglieder des Klerus wurden aus dem Land vertrieben, und Tausende von Gläubigen wurden getötet. Kein einziger Priester blieb in Japan zurück; alle wurden ausgewiesen. Deshalb zog die Gemeinde sich in den Untergrund zurück und praktizierte ihren Glauben und das Gebet im Verborgenen. Und wenn ein Kind zur Welt kam, wurde es von seinem Vater oder seiner Mutter getauft, denn jeder Gläubige darf unter bestimmten Umständen die Taufe spenden. Als nach etwa zweieinhalb Jahrhunderten, 250 Jahre später, die Missionare nach Japan zurückkehrten, gaben sich Tausende von Christen, die im Verborgenen gelebt hatten, zu erkennen, und die Kirche konnte neu erblühen. Die Gnade ihrer Taufe hatte sie überleben lassen! Das ist großartig: Das Gottesvolk gibt den Glauben weiter, tauft seine Kinder und setzt seinen Weg fort. Trotz ihres Lebens im Verborgenen hatten die japanischen Christen einen starken Sinn für die Gemeinschaft behalten, denn durch die Taufe waren sie Glieder des Leibes Christi geworden. Sie waren abgespalten und versteckt, doch waren sie immer Glieder des Gottesvolks, Mitglieder der Kirche. Aus dieser Geschichte können wir viel lernen!

[Aus dem Italienischen übersetzt von Alexander Wagensommer]