Kranke Kinder geistlich betreuen: Enorme Herausforderungen, erschütternde Zahlen & Fakten

Kurienkardinal Lozano Barragán stellte internationale Vatikan-Konferenz zum Thema vor

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ROM, 11. November 2008 (ZENIT.org).- Am heutigen Vormittag wurde im Presseamt des Vatikans die 23. internationale Konferenz über Gesundheitspastoral vorgestellt. Die Konferenz wird vom 13. bis zum 15. November unter der Schirmherrschaft des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst im Vatikan stattfinden. Sie widmet sich auf Wunsch Benedikts XVI. dem Thema „Die Seelsorge bei der Behandlung von kranken Kindern“. An der heutigen Vorstellung der Konferenz nahmen unter anderen der Präsident des Rates, Kardinal Javier Lozano Barragán, und der Sekretär desselben Dikasteriums, Bischof José L. Redrado OH, teil.



Der Kardinal zeichnete ein tragisches und Besorgnis erregendes Bild von der aktuellen Lage der Kinder in der Welt. Er erinnerte die Anwesenden daran, dass über 4,3 Millionen Kinder an AIDS gestorben seien und dass sich jeden Tag allein in Afrika 7.000 Kinder mit dem Virus infizierten. 14 Millionen Waisen habe die Immunschwäche bereits hervorgebracht. Zu diesen kämen jene 6 Millionen Kinder hinzu, die aufgrund von Kriegen an permanenter Invalidität leiden müssten. 300.000 Kinder seien in der jüngsten Vergangenheit als Soldaten angeheuert worden. Die pastorale Aufgabe bestehe nun darin, mit den Sakramenten und dem Gebet all diesen kranken Kindern geistlich beizustehen.

Angesichts dieser enormen Zahlen betonte der Kardinal, dass die Armut die erste Ursache für die Erkrankungen der Kinder bleibe. 1.200 Millionen Menschen lebten mit weniger als einem Dollar pro Tag, erklärte er. Und sogar in den reichen Ländern lebe ein Sechstel der Kinder unter der Armutsgrenze. Zudem habe sich das Drogenproblem sich in alarmierender Weise auch auf die Zentren der Schulausbildung der Kinder ausgeweitet. „30 Prozent der Kinder unter fünf Jahren leiden an Hunger oder sind unterernährt“, so der Kardinal. 50 Prozent der Bevölkerung der afrikanischen Subsahara hätten keinen Zugang zu Trinkwasser.

250 Millionen Kinder unter 15 Jahren gehen nach Worten des Kurienkardinals einer Arbeit nach, unter 60 Millionen davon arbeiteten unter gefährlichen Bedingungen. Nach Statistiken der Weltarbeitsorganisation ILO, die in Genf angesiedelt ist, gehen 120 Millionen Kinder zwischen 5 und 15 Jahren einer Vollzeitarbeit nach - viele von ihnen sechs Tage pro Woche, einige sogar sieben. Sie sähen sich oft gezwungen, an abgeschlossenen Orten mit schlechter Lüftung und unter ungenügenden Lichtverhältnissen zu arbeiten, während bewaffnete Wachen dafür sorgten, dass sie nicht fliehen könnten.

Viele Kinder und Jugendliche würden darüber hinaus sich selbst und ihren Instinkten überlassen werden. Ihre Lebenswelt werde von Internet und Fernsehen beherrscht. Kardinal Lozano Baraggán zitierte statistische Erhebungen, nach denen in zahlreichen Ländern ein Kind im Schulalter 15.000 Stunden vor dem Fernseher verbracht haben wird und somit in einem von Gewalt, Drogen und Sex durchdrungenen Ambiente bei 18.000 Morden „dabei gewesen sein wird“. Viele Familien verzichteten auf die Ausübung ihrer Erziehungspflicht, kritisierte der Kardinal.

Unter solchen Bedingungen sei die Frage nach der Art der Seelsorge bei der Behandlung kranker Kinder anregend. Die Konferenz sehe es trotz der Komplexität des Themas als ihre Aufgabe an, eine Antwort zu finden und die Problematik zu vertiefen, indem sie sich auf die Krankheiten dieser Kinder konzentriere und Fragen im Licht des Wortes Gottes stelle. Das Grundschema, nach dem man arbeiten werde, orientiere sich nach dem Dreischritt „Situation – Reflexion – Aktion“, der bei ähnlichen Konferenzen ebenfalls zum Einsatz komme.

Bischof José L. Redrado, der den Barmherzigen Brüdern angehört, bekräftigte die Ansicht des Rates, dass die Seelsorge in der „Kind-Eltern“-Beziehung und vor allem im „Kind-Mutter“-Beziehung eine wichtige Rolle spielen müsse, um die Erfordernisse, Notsituationen und Schwierigkeiten tatsächlich zu erkennen. Die beste Form der Seelsorge bestehe in einer ständigen, diskreten und unaufdringlichen Gegenwart. Im Mittelpunkt müsse das kranke Kind stehen, um das sich die Eltern und das Gesundheitspersonal scharten.

Die heutige Vorstellung der Konferenz hatte Kardinal Lozano Barragán die Gelegenheit gegeben, die Ablehnung der embryonalen Stammzellenforschung seitens der Kirche neuerlich zu bekräftigen. „Bisher nützen die embryonalen Stammzellen nichts“, so der Präsident des Rates, „und bisher haben sie zu keiner Heilung von Krankheiten geführt“. Positiv hingegen sei die Forschung mit adulten Stammzellen sowie jenen Zellen zu bewerten, die der Nabelschnur entnommen werden.

Während der Pressekonferenz wurde auch der „Dekalog“ der ganzheitlichen Hilfe für das kranke Kind veröffentlicht. Der Dekalog unterstreicht als hauptsächliche und erste Pflicht die ganzheitliche Behandlung und Pflege des Kindes. Die menschliche Liebe und unsere Ansichten müssten sich der wissenschaftlichen Wahrheit unterordnen, heißt es in dem Dekalog. „Vor dem kranken Kind gibt es keine Beeinflussung aufgrund von Rasse, Nationalität oder Religion.“

Bischof Redrado betonte, dass es notwendig sei, in den Kinderkrankenhäusern eine neue Evangelisierung zu fördern und sich nicht von den „Krankheiten des Leibes“ besiegen zu lassen, die den Enthusiasmus bei der Verbreitung des Evangeliums vermindern könnten. Dasselbe gelte für die „Krankheiten des Geistes“.