Kreativität, Freude, Geduld und offener Dialog

Papst Franziskus beantwortet Fragen Geistlicher in Caserta

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 293 klicks

Nach einer kurzen Begrüßung durch Msgr. D’Alise, Bischof von Caserta, ergriff Papst Franziskus das Wort, der die Fragen einiger Geistlicher während des Treffens in der Cappella Palatina beantwortete.

Als erster wandte sich der Generalvikar von Caserta, Don Pasquariello, an den Heiligen Vater. Er ersuchte um eine Lösung des Problems, dass in der 900 Jahre alten Diözese einige Kommunen geteilt seien und zum Gebiet der Diözese von Capua oder Acerra gehörten, was die Bewältigung der Aufgaben oft erschwere. Bereits vor 47 Jahren sei ein erster Versuch in diese Richtung gestartet worden. Es bedürfe jedoch des Einverständnisses der Bischöfe.

Papst Franziskus erinnerte daraufhin an Episoden aus den ersten Konzilen, bei denen die Bischöfe sogar handgreiflich gegeneinander geworden seien, sich aber dann hätten einigen können. Bischöfe dürften untereinander nicht schlecht voneinander reden, sondern müssten einen offenen Dialog führen. Für die Einheit der Kirche sei die Einheit der Bischöfe erforderlich. Der Papst wünschte dem Generalvikar, dass der Konflikt bald beigelegt werde.

Pater Angelo Piscopo, Pfarrer von San Pietro Apostolo und San Pietro in Cattedra, bat um einen Rat zur Pastorale. Auf der einen Seite begrüße der Papst in „Evangelii Gaudium“ die Volksfrömigkeit, auf der anderen Seite warne er vor einem individuellen und sentimentalen Christentum. Er fragte deshalb den Heiligen Vater, wie in der Pastorale Volksfrömmigkeit und die Lehren des Evangeliums miteinander vereinbar seien?

Der Papst antwortete dem Pfarrer, die Strömungen und Bewegungen, von denen dieser spreche, erinnerten ihn etwas an „New Age“. Es herrsche eine gewisse Religiosität, doch sei diese paganer Natur oder sogar häretisch. Gnostizismus sei häretisch. Auch heute noch gälten die Werte der Volksfrömmigkeit, wie sie Paul VI. in „Evangelii Nuntiandi“ beschrieben habe. Die Volksfrömmigkeit sei ein Mittel der Evangelisation und lebendig. Auch in den Heiligtümern sei dies zu vernehmen, sie seien ein Ort der Beichte, der Spiritualität und zeichneten sich durch die Nähe zum Volk aus.

Der nächste Fragesteller war ebenfalls ein Pfarrer. Der Jesuit nannte den Papst Pater Franziskus und wies auf die Krise der Pfarrer hin, den richtigen Weg, einen kreativen Weg, zur Verbreitung des Glaubens zu finden.

In seiner Antwort griff der Papst sofort das Wort „Kreativität“ auf. Es sei ein Gebot Gottes an Adam gewesen, kreativ zu sein. Für Kreativität im Geist Jesu Christi bedürfe es des Gebets. Ohne Gebet werde die Kirche eine gemeinnützige Stiftung. Er verwies auf den seligen Antonio Rosmini. Kreativität, die im Gebet wachse, habe eine anthropologische und transzendentale Dimension. Man müsse sich Gott und dem Nächsten öffnen. Dialog sei ein fundamentales Element. Dazu seien das Wissen um die eigene Identität und Mitgefühl mit den anderen erforderlich. Die Kirche wachse nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehung, erklärte der Papst Benedikt XVI. zitierend.

Die folgende Frage setzte sich mit dem Thema auseinander, wie das spirituelle Fundament eines Diözesanpfarrers beschaffen sein müsse, kontemplativ oder nicht.

Papst Franziskus erklärte, ein Pfarrer benötige eine kontemplative Seite. Das Zentrum seines Handelns liege in der Diözese. Die Spiritualität eines Geistlichen bestehe darin, sich Gott und den Mitgliedern der Gemeinschaft zu öffnen. Der Pfarrer hingegen müsse sich der Diözese öffnen. Das bedeute, ein gutes Verhältnis zum Bischof und zu den anderen Pfarrern aufzubauen. Ein offener und ehrlicher Dialog sei wichtig, heimliches Gerede schade nur. Ein weiteres Problem sei die Verbitterung, die bei einigen Geistlichen feststellbar sei. Man frage sich, ob sie Essig zum Frühstück tränken. Zorn und Verbitterung gehörten nicht zum Herrn, zur Kirche, sondern Freude. Mitgefühl, Verständnis und Geduld seien gefragt, so der Papst.

Papst Franziskus bat abschließend darum, für ihn zu beten. Auch er habe Schwierigkeiten wie jeder Bischof, auch er müsse jeden Tag den Weg der Bekehrung erneut aufnehmen. Das Gebet füreinander helfe.