Krieg, Frieden und die Medien

Medienwissenschaftler schlägt Frühwarnsystem vor, um Gewalteskalation vorzubeugen

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AMSTERDAM, 8. Januar 2003 (ZENIT.org).- Helfen die Medien, Frieden zu verbreiten - oder Gewalt?



Der niederländische Medienwissenschaftler Cees Hamelink meint, dass die Medien sich auf Konflikte konzentrieren, weil es das ist, was die Konsumenten wollen. Der Professor an der Universität Amsterdam, Autor von "Perspectives of Public Communication: A Study of the Churches" und von "The Ethics of Cyberspace", ist überzeugt, dass die Medien sich nur dann ändern werden, wenn die Bürger es verlangen werden.

Hamelink, früher Präsident des internationalen Medienforschungsverbands (International Association of Media Communication Research) sprach mit ZENIT über Medien.

FRAGE: Glauben Sie, dass wir viel über Medien und Frieden sprechen, während die Medien häufig Krieg fördern?

CEES HAMELINK: Ich glaube, dass Medien in den meisten Fällen Gewaltkonflikte eher verstärken und anfächern, als dass sie Frieden stiften. Während sich die technischen Fähigkeiten für interkulturellen Austausch schnell verbessern, müssen wir enorme Defizite in der Kommunikation zwischen ethnischen Gemeinschaften feststellen.

Ein internationales Medienfrühwarnsystem ist nötig, das die Medieninhalte in Konfliktgebieten überwacht. Dieses System sollte eine "Frühwarnung" loslassen, wo und wann Medien das Klima für Verbrechen gegen die Menschlichkeit anheizen und beginnen, Menschen zu motivieren, andere zu töten.

Eher als der Komplizenschaft durch Schweigen bezichtigt zu werden, sollte unsere Gemeinschaft von Medienwissenschaftlern es als unsere grundlegende moralische Verantwortung betrachten, vorbeugend einzugreifen, wenn das Leben von Menschen in Gefahr ist.

FRAGE: Sollten wir die Macht der Medien fürchten?

CEES HAMELINK: Da so viele Menschen auf der Welt über die Lage der Welt hauptsächlich über die Medien informiert sind, da unser Wissen über fast alles, was in der Welt passiert, durch die Medien vermittelt wird, da die Medien uns informieren, desinformieren und einfach nicht informieren können - daher stellen sie in der Tat eine der mächtigsten Kräfte in der modernen Gesellschaft dar.

FRAGE: Ist die Medienstruktur hauptsächlich dunkel, machtvoll und gefährlich?

CEES HAMELINK: Die Medienstrukturen sind nicht notwendigerweise dunkel, aber sicherlich stark und gefährlich. Weltweit gibt es nur eine kleine Anzahl Medien, die wirklich zählen: Diese sind Megakonglomerate, die von industriellen und Werbungsinteressen gesteuert werden.

Der globale Medienmarkt ist durch Konglomeratbildung, Konzentration und Kommerzialisierung geprägt, und dies ist eine gesellschaftlich und politisch höchst unglückliche Lage.

FRAGE: Sind Medien unschuldige Werkzeuge, die einfach gut oder schlecht eingesetzt werden können?

CEES HAMELINK: Keine Technologie ist neutral. Technologien, einschließlich der Medien sind stets dazu da, gewisse Funktionen zu erfüllen. Dies könnte sich nun mit der Einführung von Netzwerktechnologien ändern - Internet zum Beispiel - doch bislang sind Medientechnologien am besten darin, wozu sie ursprünglich entwickelt wurden: Werbung und Propaganda.

FRAGE: Friedliche Storys scheinen Herausgeber und Redakteure wenig zu interessieren, sie ziehen Konflikte vor. Wie kann man diesen Trend umkehren?

CEES HAMELINK: Ein Wechsel kann nur von den Kunden der Medien kommen. Nur wenn Bürger, die Medien nutzen, ihre öffentliche Verantwortung auf sich nehmen und nach anderen Medien verlangen, werden sich die Medien verändern.

FRAGE: Sind Medien, von einem christlichen Kommunikationsblickwinkel aus gesehen, immer noch ein Geschenk Gottes?

CEES HAMELINK: Jawohl, und wie mit so vielen von Gottes Gaben, versagen wir in der guten Führung. Hier haben wir alle eine schreckliche Verantwortung.