Krieg in Gaza: Eindringlicher Friedensappell der christlichen Hirten Jerusalems

Warnung vor mehr Hass und größerer Feindseligkeit; die Vereinten Nationen sind gefordert

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JERUSALEM, 6. Januar 2009 (ZENIT.org).- Am vergangenen Sonntag, dem 4. Januar, wurde in vielen Teilen der Welt für ein Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen im Heiligen Land gebetet. In einem gemeinsamen Aufruf hatten die christlichen Hirten von Jerusalem im Hinblick auf die Kämpfe in Gaza einen besonderen „Tag für Gerechtigkeit und Frieden“ ausgerufen.



Der Lateinische Patriarch, Erzbischof Fuad Twal, der Franziskaner-Kustos, P. Pier Battista Pizzaballa OFM, und die übrigen Unterzeichner bringen in dem Schreiben ihre „tiefe Trauer über die neu entfachte Spirale der Gewalt“ zum Ausdruck. Die Kämpfe im Gaza-Streifen verfolgen sie „mit großer Sorge, tiefem Bedauern und unter Schock“. Und sie sind davon überzeugt, „dass die Fortsetzung dieses Blutvergießens und dieser Gewalt nicht zu Frieden und Gerechtigkeit, sondern nur zu noch mehr Hass und Feindseligkeit führen wird – und somit zu weiteren Konfrontationen zwischen den beiden Völkern“.

Die Hirten appellieren deshalb an die Konfliktparteien, „wieder zur Besinnung zu kommen und von allen Gewalttätigkeiten, die nur Zerstörung und Tragödie bringen, Abstand zu nehmen“. Beide Seiten sollten sich von neuem darum bemühen, ihre Meinungsverschiedenheiten „mit Hilfe von friedlichen und gewaltlosen Mitteln“ auszuräumen.

Die christlichen Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe von Jerusalem rufen auch die Palästinenser selbst zur Einheit auf. Jetzt sei die Zeit gekommen, um sich auszusöhnen, betonen sie. Die Interessen der ganzen Bevölkerung müssten endlich über die Interessen von Einzelpersonen oder Parteien gestellt werden.

Die internationale Gemeinschaft wird in dem Aufruf dazu aufgefordert, „ihre Verantwortung wahrzunehmen und unverzüglich einzugreifen“. Sie müsse sich aktiv für ein Ende des Blutvergießens stark machen und „allen Formen von Auseinandersetzung“ einen Riegel vorschieben. In einem zweiten Schritt seien die Ursachen für den Konflikt aus der Welt zu schaffen, um schließlich eine Lösung herbeizuführen, die gerecht und dauerhaft ist und auf internationalen Verträgen beruht.

Zum Schluss des eindringlichen Friedensappells der christlichen Hirten in Jerusalem wird – genauso wie zu Beginn des Schreibens – auf die Geburt des „Königs der Liebe und des Friedens“ Bezug genommen, auf Weihnachen:

„Wir tragen unsere Gebete vor das Kind in der Krippe, damit die Verantwortlichen und Entscheidungsträger beider Seiten, Israelis und Palästinenser, sich dafür begeistert lassen, unverzüglich zu handeln, um der aktuellen tragischen Lage im Gaza-Streifen ein Ende zu setzen.

Wir beten für die Opfer, die Verwundeten und die Verzweifelten. Möge unser Herr, der allmächtige Gott, all denen Trost und Geduld schenken, die liebe Menschen verloren haben. Wir beten für alle, die unter Panik und Angst leben müssen; Gott möge sie mit Gelassenheit, Ruhe und wahrem Frieden segnen.“

Papst Benedikt XVI. hat sich die Friedensinitiative der christlichen Hirten von Jerusalem zu Eigen gemacht und bereits mehrmals zur Beendigung der Kampfeshandlungen aufgerufen. Am 4. Januar wies er im Anschluss an das Angelus-Gebet von neuem darauf hin, dass Krieg und Hass nicht die Lösung von Problemen seien. Die dramatischen Nachrichten aus Gaza zeigten vielmehr aufs Neue, „wie Dialogverweigerung zu Situationen führt, die die Völker, die erneut Opfer von Hass und Krieg geworden sind, unsagbar belasten“.