Kriegsgefahr im Sudan

| 882 klicks

JUBA/MÜNCHEN, 2. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Der Sudan steht vor einem neuen Krieg zwischen Nord und Süd. Das befürchtet eine gewöhnlich gut informierte katholische Persönlichkeit aus der südsudanesischen Stadt Juba. Der neue Krieg könnte nach Auffassung des Informanten des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ noch verheerender werden als der 2005 zu Ende gegangene 23-jährige Bürgerkrieg.



Juba sei eine „Zeitbombe, die mit Auswirkungen auf das gesamte Land jederzeit explodieren“ könne, betonte der Informant, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben will. Alles könne als Vorwand dienen, um diesen Krieg zu beginnen. Bereits im letzten Krieg habe sich erwiesen, dass die Sudanesische Volksbefreiungsarmee des christlich-animistischen Südens in jeder Hinsicht mit den überwiegend muslimischen Truppen der Regierung vergleichbar sei. Die Soldaten seien an das „Gesetz des Dschungels“ gewöhnt und könnten sehr gewalttätig werden.

Am vergangenen Wochenende sei es in Juba bereits zu militärischen Aktionen gekommen: Anwohner hätten ihre Häuser nicht verlassen dürfen. Personen, die zur Arbeit gehen wollten, seien auf der Straße willkürlich angehalten und auf Waffen hin durchsucht worden. Die Geschäfte seien geschlossen worden.

Einige Tage zuvor sei bereits ein Journalist festgenommen und seines Aufnahmegerätes beraubt worden. Die Miliz habe eine weitere Journalistin festgehalten, als sie die Universität der Stadt fotografierte, und ihre Kamera beschlagnahmt.

Juba hat nach Angaben des Informanten von „Kirche in Not“ nie aufgehört, eine Garnisonsstadt zu sein. Überall seien Milizen, und „Verdächtigungen liegen in der Luft“. Vor zwei Wochen seien Gerüchte aufgekommen, der Präsident des südlichen Teils des Sudans, Salva Kirr, sei getötet worden. Die Menschen in Khartum seien zu Ausschreitungen bereit gewesen, und auch in Juba habe es „auf dem Markt einige Verwirrung“ gegeben. Der Präsident sei gebeten worden, sich der Bevölkerung zu zeigen, um zu beweisen, dass er noch am Leben sei. Er habe daraufhin an der sonntäglichen Heiligen Messe in der Kathedrale teilgenommen und anschließend die Menschen dazu aufgerufen, „mit solchen Gerüchten Schluss zu machen“, da sie „leicht zu einem Krieg führen können“. Wer diese Art von Situationen auslöse, sei ein „Feind des Friedens“.

„Kirche in Not“ ruft die Katholiken in aller Welt dazu auf, für den Frieden im Sudan zu beten.