Kriterien zur Bibelübersetzung

Erklärung der Österreichischen Bischofskonferenz

| 447 klicks

WIEN, 17. März 2007 (ZENIT.org).- Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn, Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, stellte am Freitagvormittag in Wien eine bischöfliche Erklärung vor, die Hinweise zur Übersetzung der Bibel enthält.



Zur „Bibel in gerechter Sprache“ wies er im Namen des österreichischen Episkopats fest, dass diese Übersetzung „für den Gebrauch in der Liturgie, Katechese und im Religionsunterricht nicht geeignet ist… Auch für den persönlichen Gebrauch ist zu beachten, dass die Formulierungen der ‚Bibel in gerechter Sprache‘ in die Gefahr ‚heilloser Verwirrungen‘ führt, wie es der deutsche Theologe Thomas Söding formuliert.“

* * *



Derzeit wird an einer Revision der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, des Gebet- und Gesangbuches „Gotteslob“ und der liturgischen Bücher gearbeitet. Hier stellt sich überall die Frage der theologisch und spirituell richtigen und verantwortbaren Übersetzung der biblischen Texte. In diesem Zusammenhang haben sich die österreichischen Bischöfe auch mit der „Bibel in gerechter Sprache“ (herausgegeben von Ulrike Bail, Frank Crüsemann, Marlene Crüsemann u.a.) befasst.

Die Bischöfe machen sich die kritischen Stellungnahmen katholischer und auch evangelischer Bibelwissenschaftler zu eigen, in denen betont wird, dass die Bibel nicht als „Experimentierfeld zur Selbstdarstellung von Interessengruppen“ geeignet ist. Das wichtigste Kriterium ist und bleibt die Treue zum Urtext.

Da eine Bibelübersetzung immer auch Auslegung ist, erinnern die Bischöfe an die vom Zweiten Vatikanischen Konzil genannten Kriterien:

- - Sorgfältig auf „den Inhalt und die Einheit der ganzen Heiligen Schrift“ achten,
- - die Heilige Schrift „in der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche“ lesen und
- - auf die „Analogie des Glaubens“ achten (darunter ist gemäß dem „Katechismus der Katholischen Kirche“ der Zusammenhang der Glaubenswahrheiten untereinander und im Gesamtplan der Offenbarung“ zu verstehen).

Dadurch will das Konzil den Zugang zur Heiligen Schrift von einengenden Ideologien freihalten.

Die Bischöfe stellen daher fest, dass die „Bibel in gerechter Sprache“ für den Gebrauch in der Liturgie, Katechese und im Religionsunterricht nicht geeignet ist. Auch für die Bibelarbeit kann diese Übersetzung nur bedingt herangezogen werden – und dies nur im Vergleich mit anderen authentischen Bibelübersetzungen. Auch für den persönlichen Gebrauch ist zu beachten, dass die Formulierungen der „Bibel in gerechter Sprache“ in die Gefahr „heilloser Verwirrungen“ führt, wie es der deutsche Theologe Thomas Söding formuliert.

[Von der Österreichischen Bischofskonferenz veröffentlichtes Original]