Kritik an Beschneidungsverbot

Gefährdung der Religionsfreiheit

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KAUFERING, 28. Juni 2012 (ZENIT.org). – Das Urteil des Kölner Landgerichts, die religiös begründete Beschneidung eines Jungen als Körperverletzung zu werten, hat nicht nur unter den jüdischen und islamischen Verbänden Kritik ausgelöst. Auch die katholische und evangelische Kirche bewerten das Urteil kritisch. Der religionspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Stefan Ruppert, betonte, das Urteil schaffe mehr Rechtsunsicherheit als Rechtssicherheit. Die Beschneidung gehöre zum religiösen Selbstbestimmungsrecht. Das Urteil greife zu sehr in die Religionsfreiheit und das elterliche Erziehungsrecht ein.

Gefährdungen der Religionsfreiheit durch die Rechtssprechung nachgeordneter Gerichte sieht auch das „Forum Deutscher Katholiken“:

Die Vereinigung bezieht sich auf den Fall einer in lesbischer Lebensgemeinschaft stehenden Erzieherin in Neu-Ulm und die Kriminalisierung der bei Juden und Muslimen vorgeschriebenen Beschneidung männlicher Säuglinge. Wenn die katholische Kirche gezwungen werden soll, in ihren Einrichtungen Kinder der Erziehung durch eine Frau auszusetzen, die im Gegensatz zur kirchlichen Grundordnung steht, so greift damit der Staat in den Kernbereich kirchlichen Auftrages ein.

Und auch Christen seien von der Entscheidung des Landgerichts Köln zur Beschneidung betroffen. Denn das Landgericht habe in der Urteilsbegründung ausgeführt, die Beschneidung sei deshalb kriminell, weil sie in das Selbstbestimmungsrecht des Kindes eingreife, das später selbst entscheiden können müsse, welche Religion es annehme oder nicht. Dann werde wohl die Kindertaufe entsprechend unter Strafe gestellt.

„Körperverletzung werde es wohl nicht sein, aber Juristen werden schon irgendeine Strafvorschrift finden, unter die sie die Taufe eines Kindes subsumieren können“, meinte der Sprecher des Forums. Er zeigt sich nicht nur verwundert darüber, wie das bislang unbestrittene Selbstbestimmungsrecht der Kirchen und Religionsgemeinschaften, das immerhin in Artikel 140 des Grundgesetzes verankert sei, nun angefochten werde.

Prof. Dr. Hubert Gindert,
Vorsitzender des Forums Deutscher Katholiken