Kritik des Heiligen Stuhls an der 60. Sitzung der UN-Vollversammlung

Vorrangige Aufgaben Armutsbekämpfung und Förderung des Gemeinwohls

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NEW YORK, 26. September 2005 (ZENIT.org).- Der Heilige Stuhl begrüßte am Freitag die meisten Entscheidungen der letzten UN-Vollversammlung in New York, übte zugleich aber heftig Kritik an der Tatsache, dass es zu keiner Übereinstimmung im Bereich der Waffenkontrolle gekommen ist, und daran, dass der schwammige Begriff "reproduktive Gesundheit" nach wie vor verwendet wird.



Am Ende der siebentägigen Sitzung, bei der Repräsentanten aus mehr als 175 Ländern das Wort ergriffen hatten, ging Erzbischof Celestino Migliore, ständiger Beobachter des Heiligen Stuhles bei den Vereinten Nationen, am Freitag auf die positiven und negativen Aspekte des Versammlung ein, die aus Anlass des 60. Jahrestages des Bestehens der Vereinten Nationen stattgefunden hatte.

In seiner Ansprache kritisierte der offizielle Vertreter des Heiligen Stuhls die "Schwächen des Systems der Nichtverbreitung" von Waffen. Nukleare Abschreckung bedrohe die Existenz ganzer Völker und könne zum Vorwand für den Aufbau von Atomwaffen-Arsenalen dienen. Das Völkerrecht brauche eine starke Organisation, die den Abbau und die Vernichtung von Atomwaffen in aller Welt durchsetze, so der Erzbischof.

Militärausgaben höher als eine Trillion Dollar

"Das Schweigen über die Abrüstung und die Nichtverbreitung von Waffen im Abschlussdokument ist Besorgnis erregend", erklärte Erzbischof Migliore. Die internationale Staatengemeinschaft hatte sich nicht auf ein gemeinsames Dokument zur Waffenkontrolle einigen können. "Kernwaffen sind für alle Völker und die ganze Umwelt einfach verheerend; sie zerstören Menschenleben und die Basis einer funktionierenden Wirtschaft. Wir müssen folglich auf dem Bann jeglicher Verbreitung von Atomwaffen beharren. Wir wollen es an keiner Bemühung fehlen lassen, um nicht nur die Produktion von Kernwaffen zu stoppen, sondern auch jeglichen Handel mit entsprechenden Materialien einzudämmen."

Als ähnlich beunruhigend bezeichnete der Erzbischof "die Tatsache, dass die geschätzten weltweiten Kosten für Militärausgaben im Jahr 2004 die 1 Trillion-Dollar-Marke überstiegen hat". Und diese Summe werde höchstwahrscheinlich in diesem Jahr überschritten werden. Kaum Augenmerk werde dagegen auf die hohe Todesrate gelegt, die durch unerlaubten Handel mit kleinen und leichten Waffen verursacht worden sei. "Dass mehr Geld und Intelligenz für den Tod als für das Leben aufgewendet wird, ist ein Skandal, der alle Völker höchst nachdenklich machen sollte."

Ganzheitliches Gesundheitskonzept des Heiligen Stuhls

Der Vertreter des Heiligen Vaters verwies außerdem auf das ganzheitliche Lebensschutz-Konzept des Heiligen Stuhls und erklärte, dass seine Delegation die gleichen Vorbehalte hinsichtlich der Bezeichnung "reproduktive Gesundheit" einbringe wie bei der UNO-Entwicklungskonferenz in Kairo und der UNO-Frauenkonferenz in Peking. Der Heilige Stuhl verwende diesen Begriff in Zusammenhang mit einem ganzheitlichen Gesundheitskonzept, in dem die Abtreibung nicht vorkomme. Einige Delegationen begriffen scheinbar die Bezeichnung "reproduktive Gesundheit" als eine Reihe von Dienstleistungen, die unter anderem auch Abtreibung umfasse, merkte Erzbischof Migliore an.

Beim UN-Weltgipfel der Staats- und Regierungschefs, der dem Treffen vorangegangen war, hatte Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano vorgeschlagen, auf den Begriff 'reproduktive Gesundheit' zu verzichten und stattdessen von der "Gesundheit der Frauen und Kinder" zu sprechen.

Drei vorrangige Aufgaben

In seiner Ansprache ging Erzbischof Migliore unter anderem auch auf die Rolle der Vereinten Nationen ein. In diesem Zusammenhang nannte er "drei konkrete Bereiche", die man vorrangig angehen müsse: "Solidarität mit den Armen, Förderung des Gemeinwohls und nachhaltige Entwicklung".

Der Erzbischof sprach sich für die Reform zur Verbesserung der Menschenrechtskommission aus und betonte, dass die Menschenrechte nicht etwas Relatives seien und von kulturellen oder sonstigen Umständen abhingen. Vielmehr handle es sich um unveräußerliche Rechte, die unantastbar seien und deshalb "ihrem Wesen nach weltweit anerkannt werden müssen".

Gott als Bezugspunkt

Schließlich betonter der offizielle Vertreter der Heiligen Stuhls, dass man alle "Initiativen im Bereich der interreligiösen Zusammenarbeit und des interkulturellen Dialogs insbesondere dann unterstützt, wenn sie von einem Geist getragen werden, in dem Gott als Bezugspunkt und die Abhängigkeit von ihm anerkannt wird, und auf diese Weise die Gewissen geformt, die gemeinsamen moralischen Werte gefördert und das interkulturelle Verständnis sowie konkrete Maßnahmen erzielt werden können."