Kroatien: die Reise des Papstes unter dem Zeichen der Familie in Europa

Dritter Besuch des Balkanlandes, zum ersten Mal als Papst

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von Anita Sanchez-Bourdin

VATIKANSTADT, Mittwoch, 1. Juni 2011 (ZENIT.org).- Der nächste Besuch Benedikts XVI. in Kroatien wird unter dem Zeichen der Familie in Europa und der Heiligkeit stehen.

 Im Laufe dieser 19. internationalen apostolischen Reise wird sich der Papst am Samstag, dem 4. Juni, bis Sonntag, 5. Juni, nach Zagreb begeben. Zu diesem Zeitpunkt wird Kroatiens Kandidatur für die Aufnahme in die europäische Union bereits angenommen sein und die Kirche in Kroatien den nationalen Tag der Familie mit dem Thema „Gemeinsam in Christus“ feiern.

Aus diesem Grund wird der Papst nicht nur von seinem Staatssekretär, Kardinal Tarcisio Bertone, und dessen neuem Vizesekretär, Msgr. Giovanni Angelo Becciu, sondern auch vom Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Familie, Kardinal Ennio Antonelli, und dem Generalsekretär der Bischofssynode, Msgr. Nikola Eterovic, der Prälat kroatischen Ursprungs, der Benedikt XVI. am nächsten steht, begleitet.

Dies wird der dritte Besuch von Joseph Ratzinger in diesem Land sein, jedoch das erste Mal als Papst. Johannes Paul II. besuchte dieses Land dreimal (1994, 1998, 2003), öfter als jedes andere Land Osteuropas (Polen ausgenommen).

Das Land bedanke sich, unterstrich Vatikansprecher Pater Federico Lombardi letzten Dienstag in einem „briefing“ mit den Journalisten, für die schnelle Anerkennung, die es von Seiten des Vatikan erhielt, nachdem es sich im Juni des Jahres 1991 vom ehemaligen Jugoslawien abgelöst hatte.

Dieses Jahr, erklärte Pater Lombardi, jähre sich das 20. Jubiläum seiner Unabhängigkeit, darum werde es in der Rede des Papstes „sicherlich Hinweise auf die Kultur, die Tradition und die Identität des kroatischen Volkes geben sowie auch auf seine Erwartungen in Hinsicht auf die Eingliederung in die europäische Union“.

Der Papst wird am Flughafen von Zagreb vom Präsidenten Ivo Josipovic empfangen werden, den er dann in seinem Palast besuchen wird. Josipovic ist auch ein bekannter Komponist, und darum wird die Musik einen Berührungspunkt darstellen.

Zwei große Ereignisse stehen für den Papst auf dem Programm. Im kroatischen Nationaltheater von Zagreb wird er sich am Abend mit Exponenten der Zivilgesellschaft aus der politischen, akademischen, kulturellen und unternehmerischen Welt, mit dem diplomatischen Korps und den religiösen Führungspersönlichkeiten treffen. Bei Sonnenuntergang trifft der Papst  dann die Jugendlichen auf dem Platz des seligen Josip Jelačič von Zagreb. Es werden ungefähr 50.000 Personen erwartet.

Nach den Begrüßungsworten, zwei Bibellesungen und dem Zeugnis zweier Jugendlicher wird sich der Papst an die Anwesenden wenden. Der Abend wird mit der Anbetung des Allerheiligsten abgeschlossen werden: Seit dem Weltjugendtag des Jahres 2005 in Köln förderte Benedikt XVI. immer auf diese Weise das persönliche Gebetsleben der Jugendlichen.

Am Sonntagmorgen erreicht die Reise dann ihren Höhepunkt: Der Papst wird anlässlich des nationalen Tages der Familien der Messe in der Pferderennbahn von Zagreb vorstehen, die bis zu 300.000 Menschen fassen kann, vorstehen. In den ersten Nachmittagsstunden wird sich der Papst dann in die Kathedrale der Stadt begeben, um die Vesper zu feiern und sich vor dem Grab des seligen Alois Stepinac im Gebet zu sammeln. Dieser war ein Verteidiger der Glaubensfreiheit gegen die kommunistische Diktatur und war von Johannes Paul II, auf seiner apostolischen Reise im Jahre 1998 seliggesprochen worden.

Als Pater Lombardi während der gestrigen Pressekonferenz“ an die Figur des Kardinals erinnerte, führte er aus: „Als ein großer Hirte der kroatischen Kirche, Bischof und Märtyrer, ist er an den Folgen der Krankheiten gestorben, die er sich während der Gefangenschaft zugezogen hatte, gestorben und wurde deshalb als Märtyrer anerkannt“.

Die anderen großen Gestalten, die der Papst bei seinem Besuch erwähnen könnte, sind der junge Ivan Merz, der von Johannes Paul II. seliggesprochen wurde, und der Jesuit Roger Joseph Boskovich, ein wichtiger Mann der Wissenschaft.

Pater Roger Joseph Boskovich (1711-1787) war eine herausragende Figur in den Bereichen der Mathematik, der Physik, der Astronomie, der Hydrographie, der Architektur und der Philosophie. Er bereiste ganz Europa und hinterließ in vielen Ländern seine Spuren, wo er auch wegen seiner wissenschaftlichen Kompetenz mit Mitgliedschaften in verschiedenen Akademien wie Paris, Bologna, London und sogar St. Petersburg geehrt wurde.

Ivan Merz (1896-1928), den Johannes Paul II einen „Apostel der Jugend“ nannte, wurde in seiner Heimatstadt Banja Luka am 22. Juni des Jahres 2003 seliggesprochen. Dieser junge kroatische Laie wurde in eine liberale Familie hineingeboren, als Banja Luka zum Österreich-Ungarischen Reich gehörte.

Er begann seine Studien in der Militärakademie der Wiener Neustadt, die er bald wegen der Korruption, die dort herrschte, verließ, um in Wien seine Universitätsstudien zu absolvieren. Im Jahre 1916 jedoch wurde er vom Heer rekrutiert und an die Front geschickt, wo er die Jahre 1917-1918 größtenteils verbrachte.

Am Ende des ersten Weltkrieges erlebte er in Banja Luka die Geburt des neuen Jugoslawischen Staates.

In den Jahren 1919-1920 begab er sich erneut nach Wien, wo er Philosophie studierte, und später, im Jahr 1920, reiste er nach Paris, wo einige Kurse an der Sorbonne und dann am Katholischen Institut folgten und seine Doktorarbeit über „den Einfluss der Liturgie bei den französischen Schriftstellern“, vorbereitete, die er dann an der Universität von Zagreb im Jahr 1920 verteidigte. Er bestand auf Anhieb die Prüfung, was ihm erlaubte, Französisch und Deutsch sowie französische und deutsche Literatur zu unterrichten. Er wurde Lehrer im Erzbischöflichen Kollegium von Zagreb, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1928 verblieb.

„Ivan Merz kann als Vorbild für alle Bürger eines zukünftigen durch seine christlichen Wurzeln geeinten Europa dienen“, unterstrich damals der Vatikan.

Der letzte Besuch Benedikts XVI. wird dem Erzbischof von Zagreb, Josip Kardinal Bozanić, gelten, bevor er sich zu Flughafen begeben wird, um nach Rom zurückzufliegen.

Alle Reden des Papstes werden auf Italienisch gehalten werden. Allerdings wird der Papst einige Passagen direkt auf Kroatisch lesen.