Krönung von Marienbildern im Monat Mai

Eine aus Blumen gewirkte Krone

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 386 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage über die Weise, wie eine Maikrönung durchzuführen ist.

Frage: Ich beziehe mich auf das Rituale „Die Feier der Krönung eines Marienbildes“ und frage mich, wie eine Maikrönung durchzuführen ist. In der Einführung wird gesagt, dass der Bischof oder ein von ihm beauftragter Priester den Ritus vollzieht. Kann man diesen Ritus verwenden, um alljährlich eine Krönung durchzuführen? Darf eine Gruppe von Laien, die die Muttergottes im Monat Mai durch eine Krönung ehren möchte, diesen Ritus benutzen? Gibt es einen anderen Ritus für die Maikrönungen (selbst wenn er nur halboffiziell sein sollte)? -- M.S., Cleveland, Ohio.

P. Edward McNamara: Hier kommen wirklich zwei verschiedene Dinge zur Sprache. An die im Rituale befindlichen Anweisungen hält man sich bei der Krönung eines besonders verehrten Marienbildes mit einer kostbaren Gold- oder Silberkrone. Das wird natürlich in der Regel nur einmal getan, jedenfalls aber selten.

Wenn das Bild sich in einem Bistumsheiligtum befindet, dann vollzieht der Bischof den Ritus oder ein von ihm Beauftragter, der wiederum Bischof oder Priester (z.B. Rektor des Marienwallfahrtsorts) ist.

Zum Zeichen besonderer Verehrung werden immer wieder Marienbilder von nationaler oder internationaler Bedeutung im Namen des Papstes gekrönt. In diesem Fall erlässt der Heilige Vater ein besonderes Dekret, in dem er Anweisungen gibt, wie das Bild zu krönen ist.

Die Maikrönung hingegen ist ein Akt der Volksfrömmigkeit gegenüber der Muttergottes, den man jedes Jahr wiederholen kann. Wie es schon im Wort heißt, findet sie üblicherweise im Monat Mai statt, doch in einigen Ländern, vor allem in jenen der südlichen Halbkugel, vollzieht man sie zu anderen Zeiten, vor allem im November.

Der Brauch der Maikrönung verlor während der 1970er und 80er Jahre vielerorts an Beliebtheit. In jüngerer Zeit aber erlebt er ein Comeback, ebenso wie die eucharistische Anbetung, der Rosenkranz und viele andere traditionelle katholische Bräuche, die den Glauben und die Frömmigkeit der Gläubigen stärken.

Der Ritus einer Maikrönung ist sehr flexibel. Er kann an viele Situationen und Umstände angepasst werden, je nachdem, ob die Krönung in einer Pfarrei, einer Schule, einem Klassenzimmer oder sogar in einer Familie durchgeführt wird.

Wenn die Marienstatue sich noch an keinem festen Ort befindet, kann man sie auf ein passendes Podest stellen.

Die Örtlichkeit kann man im Vorhinein schon mit Blumen dekorieren. Diejenigen, die an der Krönung teilnehmen, können auch Blumen zum Marienbild tragen und Maria ihre Sträuße zu Füßen legen. Bei der Prozession werden passende Lieder gesungen.

Im Ritus kann man Lieder und Gebete miteinander variieren lassen und vielleicht eine Weihe an die Muttergottes einfügen.

Die Feier erreicht in dem Augenblick ihren Höhepunkt, in dem einer der Anwesenden Maria eine aus Blumen gewirkte Krone aufs Haupt setzt, wobei ein volkstümliches Marienlied gesungen wird.

Wer immer dem Ereignis vorsteht, schließt es nach der Krönung mit einem passenden Gebet ab. Sollte es sich um einen Priester oder Diakon handeln, darf dieser den Segen spenden.

Im „Direktorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie“ heißt es unter Nr. 191 in Bezug auf die harmonische Übereinstimmung, die zwischen den Anforderungen der Liturgie und der Maifeier herrschen sollte:

„Die beste Lösung wird in vielen Fällen sein, die Inhalte des „marianischen Monats“ mit der entsprechenden Zeit des liturgischen Jahres zu vereinen. So müssen zum Beispiel während des Monats Mai, der zum Großteil mit den fünfzig Tagen der Osterzeit zusammenfällt, die Andachtsübungen die Teilnahme der Jungfrau am Ostergeheimnis und am Pfingstereignis (vgl. Apg 1,14) deutlich machen (vgl. Joh 19,25-27), an dem der Weg der Kirche beginnt: ein Weg, den sie, teilhabend am neuen Leben des Auferstandenen, unter der Führung des Geistes zurücklegt. Da die ‚fünfzig Tage‘ die Zeit für Feier und Mystagogie der Sakramente der christlichen Initiation sind, können die Andachtsübungen des Monats Mai die Aufgabe der im Himmel verherrlichten Jungfrau Maria auf nützliche Weise hervorheben, die sie, ‚hier und jetzt‘ auf der Erde, in der Feier der Sakramente der Taufe, der Firmung und der Eucharistie innehat.“

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Artikel May Crownings of Mary