Kulturelles und administratives Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und Taiwan

Wichtige Anerkennung katholischer Hochschulen im asiatischen Raum mit Auswirkungen auch auf Kontinentalchina

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ROM, 18. Dezember 2012 (ZENIT.org). - Am Montag, dem 17. Dezember, wurden im Vatikan und in Taipei die Verbalnoten ausgetauscht, mit denen das vatikanische Staatssekretariat und das Außenministerium der Republik China (Taiwan) das Inkrafttreten eines Abkommens bekannt gaben, das unter dem Namen „Agreement between the Congregation for Catholic Education of the Holy See and the Ministry of Education of the Republic of China on Collaboration in the Field of Higher Education and on the Recognition of Studies, Qualifications, Diplomas and Degrees“ läuft.

Dieses Abkommen, das aus 23 Artikeln besteht und ganz in englischer Sprache verfasst ist, war bereits am 2. Dezember 2011 in Taipei unterzeichnet worden, wobei für den Heiligen Stuhl Seine Eminenz Zenon Kardinal Grocholewski, Präfekt der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, und für die Republik China Dr. Wu Ching-ji, Erziehungsminister der Republik China, Pate standen. Am vergangenen 20. November hatte das Parlament („Legislative Yuan“) der Republik China das Abkommen dann einstimmig approbiert.

Wie im letzten Artikel des Abkommens ausdrücklich gesagt wird, handelt es sich hierbei um ein „kulturelles und administratives Abkommen“, das im Rahmen einer regionalen UNESCO-Konvention für Asien und den Pazifischen Raum unterzeichnet wurde, die sich das Ziel setzt, Diplome und andere höhere Studientitel in der gesamten Region zu vereinheitlichen. Die UNESCO-Konvention war am 26. November 2011 in Tokyo unterzeichnet worden, unter anderem auch von der Volksrepublik China und vom Heiligen Stuhl.

Das Abkommen hat im Wesentlichen zwei Folgen. Auf der akademisch-administrativen Ebene regelt es die gegenseitige Anerkennung von Diplomen und sonstigen schulischen und akademischen Titeln. Hinsichtlich einer internationalen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der höheren Ausbildung sieht es eine stärkere Präsenz der katholischen Kirche an den Universitäten im chinesischen Sprachraum vor.

Mit diesem Abkommen verpflichtet sich die Republik China, alle kirchlichen Studientitel und Grade anzuerkennen, die weltweit vergeben werden, die Statute und Regelungen aller kirchlichen Hochschulen und Fakultäten für Theologie in ganz Taiwan zu achten sowie die Möglichkeit einzuräumen, christliche Werte an den Universitäten auch außerhalb der theologischen Fakultäten ins Lehrangebot aufzunehmen. Diese Anerkennung setzt die Achtung der kanonischen akademischen Regeln und den Erhalt des katholischen Charakters der kirchlichen Hochschulen voraus und räumt dem Heiligen Stuhl die alleinige Zuständigkeit für die Inhalte der Studienprogramme und die Ernennung des Lehr- und Verwaltungspersonals ein. Außerdem sieht das Abkommen vor, dass sowohl Lehr- als auch Verwaltungspersonal der kirchlichen Hochschulen sich schriftlich zu einer Lebensführung verpflichten müssen, die mit der katholischen Lehre und Moral vereinbar ist. Der Rest des Abkommens regelt im Wesentlichen die technischen und bürokratischen Aspekte der Anerkennung von Studientiteln, im Einklang mit der regionalen UNESCO-Konvention.

Das Abkommen hat damit Vorteile auch für Priester, Seminaristen und Ordensleute aus Kontinentalchina, die an der Katholischen Fu-Jen-Universität in Taipei studieren wollen.

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]