Kunst rettet Kunst: heilige Musik zur Verherrlichung Gottes

11. Internationales Festival für Musik und Sakrale Kunst

| 1288 klicks

ROM, 8. November 2012 (ZENIT.org). – „Kunst rettet Kunst“: Dieses Jahr erlebt das „Festival Internazionale di Musica e Arte Sacra“ (Internationales Festival für Musik und Sakrale Kunst) in der ewigen Stadt seine elfte Edition, ausgerichtet von der „Fondazione pro Musica e Arte Sacra“ (Stiftung für Musik und Sakrale Kunst). Diese hat sich zum Ziel gesetzt, „die große Bedeutung der sakralen Kunst wieder ins Bewusstsein zu bringen“ und fähige Männer und Frauen zu gewinnen, die andere zur konkreten Umsetzung dieser Tradition durch ihr Mäzenatentum bewegen, damit „Kunst die Kunst retten“ kann: Die Stiftung kümmert sich unter anderem um die Restaurierungsarbeiten der vier päpstlichen Basiliken Roms.

Veranstaltungen wie Konzerte, Kirchenmusik, Wettbewerbe und Tagungen erlauben es der gemeinnützigen Körperschaft der Stiftung mit Hilfe von Spenden, Erbschaften, Schenkungen und Vermächtnissen, Restaurierungsarbeiten zu unterstützen oder in die Wege zu leiten. Zwei Aspekte kommen dabei zum Tragen: die Großartigkeit der aufgeführten Werke und die Großzügigkeit der Mäzene.

Dreizehn große Restaurierungsprojekte wurden bereits umgesetzt: von der Vatikanischen Nekropole bis zur deutschen Kapelle im „Päpstlichen Heiligtum des Heiligen Hauses in Loreto“ bei Ancona; von der Kuppel der „Cappella di Sisto V“ in der Basilika Santa Maria Maggiore bis zur Tamburini-Orgel in der Basilika Sant’Ignazio di Loyola in Rom.

Der Kulturtourismus, der mit den letzten Herbsttagen abklingt und an Weihnachten wieder zu neuen Höhen ansteigen wird, profitiert dadurch in hohem Maße von den Arbeiten der Stiftung.

Gründer und Generalpräsident der Stiftung ist Sen. Dr. h.c. mult. Hans-Albert Courtial. Er sieht seine Ziele als wahre „Mission“, und ihre Umsetzung beseelt Rom seit der Gründung der Stiftung im Jahre 2002. Zum Stiftungsrat gehören neben Dr. Courtial Msgr. Pablo Colino und Msgr. Valentino Miserachs Grau. Ehrenpräsident ist Angelo Kardinal Comastri. Zum Ehrenkomitee zählen zahlreiche hochrangige Kardinäle sowie der Dirigent Prof. Nikolaus Harnoncourt. Der derzeitige Bürgermeister von Rom, Gianni Alemanno, zählt die Veranstaltungen zu den bedeutendsten Kulturereignissen der Heiligen Stadt: „Die außergewöhnlichen musikalischen Erlebnisse überwinden die geographischen und sprachlichen Grenzen und berühren die Herzen und den Geist der Menschen, woher auch immer sie kommen mögen.“

Das Festival dieses Jahres steht besonders im Zeichen des „Jahrs des Glaubens“, das Papst Benedikt XVI. am 11. Oktober ausgerufen hat, denn christlicher Glaube und Musica Sacra gehören untrennbar zusammen, wie die Veranstalter betonen: „Geistliche Musik ist nicht ein bloßer Ohrenschmaus für einen exklusiven Kreis von Liebhabern. Musica Sacra erklingt als heilige Musik zur Verherrlichung Gottes.“

Diese besondere Verbundenheit mit dem Papst wird diesmal auch durch die Teilnahme des Päpstlichen Chores, der „Capella Sistina“, ausgedrückt.

Drei Restaurierungsprojekte sind in diesem Jahr teils abgeschlossen, teils geplant: die Restaurierung des „Burbera-Brunnens“ in 40 Meter Höhe auf der nördlichen Dachterrasse des Petersdoms; die Restaurierung der Hauptorgel in der Kirche „San Francesco Saverio“ in Rom. Die Orgel ist Werk einer berühmten römischen Orgelbauerdynastie, der „Prioren“. Sie stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Werkstatt von Conrad Woerle und wurde in der Übergangszeit des Barock zum Neo-Klassizismus und Vor-Romantizismus gefertigt.

Das dritte Projekt ist die Restaurierung der Westseite des Petersdoms selber. Diese Restaurierung ist aufgrund von äußeren Witterungsbedingungen und Rissen dringend notwendig, um eventuellen Schäden an der Innenseite der Basilika vorzubeugen, wie beispielsweise der Loslösung von Stuck oder Verzierungen. Die zu restaurierende Fläche beträgt 7600 Quadratmeter und soll in drei Jahren wiederaufbereitet werden.

Nicht nur die Herkunft der Musikliebhaber umfasst viele Nationalitäten, auch die Musiker selber entstammen den renommiertesten Musikzentren aus der ganzen Welt. Dieses Jahr durfte das Publikum bereits das Römische Symphonieorchester unter Ulrich Walddörfer und das Orchester des Theaters der Oper Roms unter Leitung des Kölner Generalmusikdirektors Markus Stenz erleben. Am kommenden Sonntag folgt  in einem Privatkonzert ausschließlich für Förderer in der Sixtinischen Kapelle der Chor der Päpstlichen „Capella Sistina“, am Abend dann das Johann-Rosenmüller-Ensemble und der Bach-Chor Siegen unter Ulrich Stötzel. Am Montag der Westminster Cathedral Choir unter Martin Baker und die „Capella Sistina“ und als krönender Abschluss die Wiener Philharmoniker mit der Sopranistin Chen Reiss.

Das private Konzert in der Sixtinischen Kapelle, deren Deckenfresken von Michelangelo dieses Jahr ihr 500. Jubiläum feierten, gehört sicher zu den Höhepunkten der diesjährigen Konzertreihe. Die vatikanische Erstaufführung der „Missa L’Anno Santo“ („Messe für das Heilige Jahr“) des Bruders des Papstes wird- neben Palestrinas „Tu es Petrus“ und „Sicut Cervus“- durch die Päpstliche „Capella Sistina“ unter Leitung von Massimo Paombella zur Aufführung kommen. Prälat Prof. Dr. Georg Ratzinger, Ehrenpreisträger der Stiftung des Jahres 2010, habe seine musikalische Tätigkeit einmal folgendermaßen treffend zusammengefasst, so der Generalpräsident der Stiftung: „Ich habe meine Tätigkeit im musikalischen Bereich immer auch als Seelsorge verstanden, denn wir wollten mit allem, was wir gesungen haben, den Menschen etwas von der Größe Gottes vermitteln.“

***

Das Programm dieses Jahres brilliert wie gewohnt durch seine Auswahl der Musikwerke und der prachtvollen Aufführungsorte.

Neben den beiden vergangenen Konzerten in der Kirche „Sant’Ignazio“ der Jesuiten in Rom folgt am Sonntag die „Vespro della Beata Vergine Maria“ („Vesper der Seligen Jungfrau Maria“) von Claudio Monteverdi in der Basilika Santa Maria in Aracoeli auf dem Kapitolhügel Roms. Das Johann-Rosenmüller-Ensemble wird hier zusammen mit dem „Collegium vocale“ des Bach-Chors Siegen unter der Leitung Ulrich Stötzel den Raum des in Rom so genannten „Himmelsaltars“ mit Klängen füllen. Die Entstehung der Basilika geht auf eine legendäre Vision des Kaisers Augustus zurück, der eine Frau im Strahlenkranz sah; also spiegelt die Musik einmal mehr den tiefen Sinn des Ortes ihrer Aufführung wider.

Am Montag, dem 12. November, wird in der Päpstlichen Basilika Santa Maria Maggiore die Päpstliche „Capella Sistina“ neben dem Westminster Cathedral Choir ein „Concerto di polifonia sacra“ (Konzert sakraler Polyphonie) abhalten. Massimo Palombella wird den päpstlichen Chor, Martin Baken den englischen Chor leiten. Zur Aufführung kommen neben zeitgenössischen Kompositionen Werke von Pierluigi da Palestrina, Lorenzo Perosi, John Taverner und William Byrd.

Kardinal Angelo Comastri wird am Dienstag, dem 13. November, eine hl. Messe (Messe der hl. Maria von Nazareth) im Petersdom zelebrieren, in der der Westminster Cathedral Choir unter Martin Baker mit Gregorianik und Werken von Pierluigi da Palestrina, Tomas Luis de Victoria, Francisco Guerrero und Johann Sebastian Bach die musikalische liturgische Gestaltung übernimmt.

Mit einem ganz Wolfgang Amadeus Mozart gewidmeten Abend folgt dann am selben Tag der festliche Abschluss der Konzertreihe in der Päpstlichen Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Zur Aufführung kommen das „Adagio und Fuge in C-Moll“, das „Laudate Dominum“ aus der Sonntagsvesper, das „Exsultate, jubilate“, „Quel nocchier“ aus „La betulia liberata“ und die Symphonie in A-Dur. Die Wiener Philharmoniker konzertieren mit der Sopranistin Chen Reiss.

In allen Kirchen ist der Eintritt frei. Allerdings ist die Platzkapazität begrenzt.[jb]

Zum Konzertprogramm hier.