Kurienkardinal Walter Kasper würdigt das Engagement von Frère Roger für die Ökumene

Aus Anlass des dritten Jahrestages des Heimgangs des Gründers der Brüdergemeinschaft von Taizé

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ROM, 20. August 2008 (ZENIT.org).- Aus Anlass des dritten Jahrestages der Ermordung des Gründers der Communauté de Taizé, Prior Frère Roger Schutz, hat der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, das Engagement von Frère Roger für die Ökumene, die Armen und seine Verbindung von Gebet und sozialem Engagement gewürdigt.

Bei der Messe für den Verstorbenen, die der Kurienkardinal im Auftrag von Papst Benedikt XVI. für den im Alter von 90 Jahren verstorbenen Schweizer geleitet hatte, hatte er Roger Schutz einen „geistlichen Vater“ der Gegenwart genannt. Tausende Menschen, darunter zahlreiche weltliche und kirchliche Würdenträger, hatten damals den bekannten und beliebten protestantischen Theologen geehrt.

Gegenüber dem „Osservatore Romano“ hob der Kurienkardinal nun die Bedeutung von Frère Roger für den ökumenischen Dialog hervor; außerdem verwies er auf dessen beispielhaftes Leben und die besondere Spiritualität, die ihn auszeichnete.

„Sein Tod – er wurde während einer liturgischen Andacht von der Hand einer geistig umnachteten Frau getötet – erinnerte mich an diese Worte des Propheten Jesaja (...): 'Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf' (Jes 53,7).“

Sein ganzes Leben lang sei Frère Roger „den Weg des Lammes gegangen – „mit seinem Sanftmut und seiner Bescheidenheit; mit der Zurückweisung jeglichen Aktes von Größe; mit seiner Entscheidung, niemals schlecht von anderen zu sprechen; mit seinem Wunsch, die Schmerzen und Hoffnungen der Menschheit in seinem Herzen zu tragen“.

Im Gespräch mit der Zeitung des Vatikans erinnerte sich Kardinal Kasper auch an seine Prioritäten in der Jugendpastoral als Bischof von Rottenburg-Stuttgart. Damals hatte er als Oberhirte seiner Diözese die Jugendlichen ausdrücklich dazu ermutigt, an den Taizé-Treffen teilzunehmen.

„In einer turbulenten Zeit für die Kirche und den christlichen Glauben war Frère Roger eine Quelle der Hoffnung, die von vielen, auch von mir, als solche erkannt wurde. Ich sah, wie ihnen dieser Aufenthalt half, das Wort Gottes besser kennen zu lernen und zu leben, in Freude und Einfachheit.“

Die starken Impulse, die Frère Roger und die von ihm gegründete ökumenische Brüdergemeinschaft im Hinblick auf den ökumenischen Dialog gegeben haben, und ihr bleibender Verdienst ist nach Worten des Kardinals die spirituelle Haltung im Blick auf das Miteinander.

Roger Schutz sei es nämlich nicht so sehr um den schnellen Fortschritt der ökumenischen Bewegung gegangen, sondern vielmehr um deren Tiefgang. „Er war davon überzeugt, dass nur ein vom Wort Gottes, von der Feier der Eucharistie, vom Gebet und von der Betrachtung genährter Ökumenismus in der Lage sei, die Christen in der Einheit zu vereinen, die Jesus gewollt hat.“

Der 1949 gegründeten Communauté de Taizé gehören heute rund hundert Brüder aus über 25 Nationen an. Rund zwei Drittel der Brüder der Gemeinschaft sind nicht katholisch. Es ist die erste ökumenische Bruderschaft der Kirchengeschichte. Hunderttausende Menschen aus ganz Europa pilgern jedes Jahr nach Taizé.

Für seinen Einsatz beim Aufbau Europas und für den Frieden erhielt Frère Roger 1974 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 1988 den Unesco-Preis für Friedenserziehung und 1989 den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen.

Im Jahre 1980 erklärte Roger Schutz öffentlich während des Europäischen Jugendtreffens in Rom in Gegenwart Papst Johannes Pauls II. im Petersdom: „Ich habe meine Identität als Christ darin gefunden, meinen ursprünglichen Glauben mit dem Geheimnis des katholischen Glaubens zu versöhnen, ohne dabei mit wem auch immer zu brechen."

Bekannt ist die Communauté auch für ihre Lieder, die in vielfacher Wiederholung gesungen werden: einstrophig, kurz, oft vierstimmig oder kanonisch. Die Liedtexte basieren meist auf einer Bibelstelle und sind auf Latein oder in den verschiedenen Sprachen verfasst, die in Europa gesprochen werden.