Kurzgeschichte der Bischofssynoden (Teil 2)

Von der weltweiten Stärkung der christlichen Familien bis zur Evangelisierung in Amerika

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ROM, 4. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Anlässlich der bevorstehenden 12. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode zum Thema „Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“ veröffentlichen wir heute, Freitag, den zweiten Teil eines dreiteiligen Überblicks über die Geschichte der Synodalversammlungen. Teil 1 (Von der Stärkung des Glaubens in der Weltkirche bis zur Seelsorge in den Niederlanden, 1967-1980) wurde am 2. Oktober veröffentlicht.

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7. Fünfte Ordentliche Generalversammlung (26. September - 25. Oktober 1980)

Synodenväter: 216

Thema: „Die christliche Familie“

Im Mittelpunkt dieser Synode stand der von der Kirche gelehrte Grundsatz der Unauflösbarkeit der Ehe und die Inhalte der Enzyklika „Humanae vitae“. Die Bischöfe verfassten eine Botschaft mit dem Titel „Eine Botschaft für christliche Familien in der modernen Welt“ und schlugen eine „Charta für die Rechte der Familie“ vor. Die Ergebnisse der Versammlung zum Thema Familie veröffentlichte Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben „Familiaris consortio“ am 22. November 1981.

8. Sechste Ordentliche Generalversammlung (29. September - 29. Oktober 1983)

Synodenväter: 221

Thema: „Versöhnung und Buße im Sendungsauftrag der Kirche“

Das Thema dieser Bischofssynode stand in Einklang mit dem „außerordentlichen“ Heiligen Jahr, das der Heilige Vater ausgerufen hatte, um den 1950. Jahrestag der Erlösung der Menschheit durch den Tod Christi feierlich zu begehen. Die Bischöfe betonten, dass es nötig sei, die Früchte der Erlösung Christi auf das Leben jedes Einzelnen und folglich auch auf die ganze Gesellschaft zu übertragen. In einer Verlautbarung, die von der Versammlung herausgegeben wurde, riefen sie die Welt zur „Versöhnung“ auf und verkündeten „die Kirche als ein Sakrament der Versöhnung und als Zeichen der Gnade Gottes für den Sünder“.

Die Arbeitsergebnisse dienten als Grundlage für das Apostolische Schreiben „Reconciliatio et Paenitentia“, das zum ersten Mal als „postsynodales“ Dokument herausgegeben wurde.

9. Zweite Außerordentliche Generalversammlung (24. November - 8. Dezember 1985)

Synodenväter: 165

Thema: „20. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils“

Diese von Papst Johannes Paul II einberufene Sonderversammlung, wollte des 20. Jahrestages des Konzils gedenken und feststellen, in welchem Ausmaß eine Erneuerung der Kirche stattgefunden hatte. Gemäß Statut versammelte die Synode alle Vorsitzenden der mehr als 100 Bischofskonferenzen in aller Welt und weitere Personen. Im Mittelpunkt der Unterredungen stand die Verwirklichung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die Bischöfe verfassten einen Schlussbericht („Relatio finalis“), der zusammen mit einer „Botschaft für das Volk Gottes“ bei der letzten Sitzung veröffentlicht wurde.

Als Antwort auf einen Vorschlag der Synodenväter bewilligte der Heilige Vater die Erarbeitung und Veröffentlichung des Katechismus der katholischen Kirche, der im Jahr 1992 veröffentlicht wurde.

10. Siebte Ordentliche Generalversammlung (1. - 30. Oktober 1987)

Synodenväter: 232

Thema: „Berufung und Sendung der Laien in der Kirche und in der Welt 20 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil“

Nach einer Betrachtung über den zweifachen Aspekt der Berufung („sein“) und der Sendung („tun“) der Kirche und jedes Gläubigen, bemühten sich die Bischöfe darum, die Rolle der gläubigen Laien im Leben der Kirche und ihre Arbeit der Evangelisierung inmitten der Welt hervorzuheben. Aufgrund des Themas waren besonders viele Laien als Auditoren anwesend. Einige von ihnen wurden gebeten, vor der Generalversammlung zu sprechen und in den kleinen Arbeitsgruppen („circuli minori“) ihre Meinung zu äußern. Zum ersten Mal übten zwei Laien, ein Mann und eine Frau, die Ämter zweier zusätzlicher Sondersekretäre aus.

Die Ergebnisse dieser Synode, insbesondere die 54 Vorschläge der Generalversammlung, wurden im postsynodalen Apostolischen Schreiben „Cristifideles Laici“ am 30. Dezember 1988 veröffentlicht.

11. Achte Ordentliche Generalversammlung (30. September - 28. Oktober 1990)

Synodenväter: 238

Thema: „Die Priesterbildung unter den derzeitigen Verhältnissen“

Unter Berücksichtigung der Arbeiten der Zweiten Ordentlichen Generalversammlung der Synode (1971) hatte diese Synode einen besonderen pastoralen Charakter und konzentrierte sich hauptsächlich auf die Priesterbildung sowie auf die „Person“ des Priesters selbst. Am Ende der Synode legten die Bischöfe dem Heiligen Vater 41 Vorschläge vor. Sie führten zum postsynodalen Apostolischen Schreiben „Pastores dabo vobis“ vom 25 März 1992.

12. Erste Sonderversammlung für Europa (28. November - 14. Dezember 1991)

Synodenväter: 137

Thema: „Seien wir Zeugen Christi, der uns befreit hat“

Am 22. April 1990 sprach der Heilige Vater während eines Pastoralbesuchs in der damaligen Tschechoslowakei den Wunsch aus, eine Bischofssynode für Europa einzuberufen, um die neue Situation nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und dem Fall der Berliner Mauer zu analysieren und ihr besser zu begegnen. Die besondere Natur die Synode und die kurze Zeit, in der sie vorbereitet wurde, erforderte verschiedene Änderungen in den Statuten. Beispielsweise wurde statt der Dokumente „Lineamenta“ („Richtlinien“) und „Instrumentum Laboris“ („Arbeitspapier“) eine kurze Anleitung für die Überlegungen („Itinerarium“) sowie eine Zusammenfassung („Summarium“) vorbereitet. Um eine zahlenmäßig stärkere Vertretung von Bischöfen aus Zentral- und Osteuropa zu garantieren, wurden außerdem Sonderkriterien für die delegierten Bischöfe eingeführt.

Eines der wichtigsten Ereignisse bei der Vorbereitung der Synode war die Einführung eines vorsynodalen Symposiums, das vom Päpstlichen Rat für die Kultur organisiert wurde. Bei dieser Gelegenheit versammelten sich Intellektuelle aus Ost- und Westeuropa zu einer gemeinsamen Betrachtung über das Synodenthema. Zur gleichen Zeit wurden die Vertreter der orthodoxen Kirche und der anderen christlichen Gemeinschaften in Europa im ökumenischen Geist aufgefordert, zum ersten Mal an einer Synodenversammlung als „delegierte Brüder“ teilzunehmen.

Die Arbeit der Sonderversammlung wurde mit der Veröffentlichung einer Erklärung beendet, in der die Synodenväter ein Programm für die Neuevangelisierung Europas vorlegten und einen Appell an alle Europäer richteten, die universale Solidarität zu unterstützen. Danach wurde eine Gruppe von Teilnehmern der Sonderversammlung beauftragt, den bestmöglichen Weg zu finden, um der Erklärung durch eine Verstärkung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen CCEE („Concilium Conferentiarum Episcopalium Europae“) Nachdruck zu verleihen.

13. Sonderversammlung für Afrika (10. April - 8. Mai 1994)

Synodenväter: 242

Thema: „Die Kirche in Afrika und ihre missionarische Sendung hinsichtlich des Jahres 2000: 'Ihr werdet meine Zeugen sein' (Apg 1,8)“

Am 6. Januar 1989 gab der Heilige Vater seine Absicht bekannt, diese Sonderversammlung einzuberufen, und rief eine entsprechende Vorbereitungskommission ins Leben, die vor allem von afrikanischen Bischöfen gebildet wurde. Im Juni desselben Jahres wurde diese Gruppe um den Rat des Generalsekretariats erweitert. Im Juni 1990 wurden während des Treffens der Vertreter der afrikanischen Bischofskonferenzen in Lomé (Togo) die Richtlinien („Lineamenta“) veröffentlicht. Die darauf gegebenen Antworten der Ortskirchen flossen in die Formulierung des Arbeitsdokuments der Sonderversammlung („Instrumentum Laboris“) ein. Die Synodenväter benutzten dieses Dokument als Ausgangspunkt während der Synode und behandelten folgende Punkte: Bekanntmachung der Frohen Botschaft, Inkulturation; Dialog; Gerechtigkeit und Frieden sowie soziale Kommunikationsmittel.

Unter den verschiedenen von der Sonderversammlung veröffentlichten Dokumente fand sich eine lange Botschaft an das Volk Gottes, die am Ende der Sonderversammlung verteilt wurde. Die Ergebnisse wurden im postsynodalen Apostolischen Schreiben „Ecclesia in Africa“ festgehalten, das anlässlich des Papstesbesuches in Afrika vom 14.- 20. September 1995 im Rahmen einer Feier untergezeichnet und veröffentlicht wurde.

Ein postsynodaler Rat, der von der Sonderversammlung gewählt worden war, stand dem Generalsekretariat ständig zur Verfügung. Seine Aufgabe war und ist es, die Auswirkungen des postsynodalen Apostolischen Schreibens zu analysieren und zu bewerten.

Am 13. November 2004, während der Bischofsversammlung für Afrika und Europa, die in Rom stattfand, erklärte Papst Johannes Paul II, dass die zweite Sonderversammlung für Afrika als Antwort auf die „Erwartungen der Seelenhirten in Afrika“ stattfinden werde.

In der Generalkongregation, die am 22. Juni 2005 stattfand, bestätigte Papst Benedikt XVI. diesen Beschluss „von meinem verehrten Vorgänger“. Am 28. Juni 2007 gab der Heilige Stuhl dann bekannt, dass die Versammlung vom 4. bis zum 25. Oktober 2009 im Vatikan stattfinden werde.

Die entsprechenden „Lineamenta“ zur Sonderversammlung über „Die Kirche in Afrika im Dienst der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens. ‚Ihr seid das Salz der Erde (...), ihr seid das Licht der Welt’ (Mt 5,13.14)“ waren bereits im Jahr 2006 in Rom vorgestellt worden.

Im ersten Kapitel der fünf Kapitel wird die Lage des heutigen „Afrika zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ erörtert. Das zweite Kapitel hat als Hauptargument Jesus Christus, der als Retter und Versöhner der afrikanischen Völker präsentiert wird. Im dritten Kapitel „Die Kirche als Sakrament der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens in Afrika“ wird der Einfluss der Kirche in der Gesellschaft beleuchtet. Das vierte Kapitel handelt von der Bedeutung und den Aufgaben der kirchlichen Hierarchie sowie von der Notwendigkeit einer fundierten religiösen Bildung auch für die Laien, und das letzte Kapitel beschäftigt sich mit den Herausforderungen der Zukunft: Der Kirche komme die entscheidende Aufgabe zu, ihre spirituellen Ressourcen für die Förderung der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens in Afrika einzusetzen. Alle Gläubigen und im Letzten alle Menschen seien dazu berufen, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein.

14. Neunte Ordentliche Generalversammlung (2.- 29. Oktober 1994)

Synodenväter: 245

Thema: „Das gottgeweihte Leben und seine Sendung in Kirche und Welt“

Am 30. Dezember 1991 rief der Heilige Vater eine Synodenversammlung über das Thema des gottgeweihten Lebens zusammen. Die Zeit des Gebetes und des Nachdenkens, die der Synodenversammlung voranging, gab die Möglichkeit zu einem intensiven Gedankenaustausch nicht nur innerhalb der Institute des gottgeweihten Lebens und des apostolischen Lebens, sondern vor allem auch innerhalb der verschiedenen Dikasterien der römischen Kurie.

Am 25. März 1996 wurde das postsynodale Apostolische Schreiben „Vita consecrata“ veröffentlicht, in dem die Ergebnisse der Synode dargelegt werden.

15. Sonderversammlung für den Libanon (26. November - 14. Dezember 1995)

Synodenväter: 69

Thema: „Christus ist unsere Hoffnung, erneuert durch seinen Geist, bezeugen wir einig seine Liebe“

Der Heilige Vater hat aufgrund eines langen Krieges und den damit verbundenen besonderen Bedürfnissen der Kirche im Libanon am 6. Juni 1991 seine Absicht bekannt gegeben, eine Sonderversammlung der Bischofssynode für den Libanon einzuberufen.

Die „Lineamenta“ dieser Sonderversammlung wurden am 13. März 1993 veröffentlich. Am 10. Mai 1997 wurde das postsynodale Apostolische Schreiben „Neue Hoffnung für den Libanon“ anlässlich eines Papstbesuchs im Libanon veröffentlicht.

1998 wurde eine arabische Version des Dokuments, das von der Patriachen- und der Bischofsversammlung im Libanon übersetzt wurde, veröffentlicht. Der Postsynodale Rat, der aus dieser Sonderversammlung hervorging, kam vom 9. bis 11. September 1998 zu seinem vierten Treffen zusammen, um die Auswirkung der Arbeitsergebnisse auf das Leben der Kirche im Libanon zu beurteilen.

16. Sonderversammlung für Amerika (16. November - 12 Dezember 1997)

Synodenvater: 233

Thema: „Treffen mit dem lebendigen Jesus Christus. Der Weg zu Bekehrung und Kommunion und die Solidarität in Amerika“

Der Heilige Vater sprach sich in seinem Apostolischen Schreiben „Tertio millenio adveniente“ dafür aus, die Reihe der Synoden, die mit der Sonderversammlung für Europa (1991) und für Afrika (1994) begonnen hatte, auch für die übrigen Kontinente fortzusetzen.

Am 3. September 1996 wurden die „Lineamenta“, am 10. September 1997 das „Instrumentum laboris“ der Bischofssynode für Amerika veröffentlicht.

Die Synodenväter untersuchten während dieser Versammlung die verschiedenen Aspekte des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens auf dem amerikanischen Kontinent und versuchten, die besten Wege und Mittel zu finden, um dem amerikanischen Volk die Begegnung mit Jesus Christus zu ermöglichen.

Ein postsynodaler Rat hielt sein viertes Treffen am 23. und 24. März 1999 ab, um die Situation der Kirche in Amerika zu analysieren. Er hatte den Heiligen Vater bei der Ausarbeitung des postsynodalen Apostolischen Schreibens unterstützt, das am 23. Januar veröffentlicht wurde. Am darauf folgenden Tag nahmen die zahlreichen Delegierten aus den verschiedensten Teilen des amerikanischen Kontinents bei der Eucharistiefeier in der Wahlfahrtskirche Unserer Lieben Frau von Guadalupe in Mexiko-Stadt teil.