Kustos des Heiligen Landes: Christen im Nahen Osten werden nicht verschwinden

Papstbesuch wird großen Einfluss auf die arabische Welt haben

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ROM, 12. September 2012 (ZENIT.org/KIN). -  Einen möglicherweise großen Einfluss des bevorstehenden Papst-Besuchs im Libanon auf die öffentliche Meinung und die Medien in der arabischen Welt erwartet der Kustos des Heiligen Landes, Pierbattista Pizzaballa. Gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ sagte der Franziskaner in Jerusalem: „Der Besuch könnte dazu beitragen, eine positive Haltung gegenüber den Christen und der Kirche im Nahen Osten zu schaffen.“

Der Kustos rechnet allerdings nicht mit einem Einfluss der Visite auf die politische Dynamik der Region. Papst Benedikt XVI. wird im Libanon unter anderem ein Apostolisches Schreiben veröffentlichen, mit dem die Ergebnisse der römischen Bischofssynode über den Nahen Osten vorgestellt werden. Die Synode habe bereits einige Veränderungen gebracht. Pizzaballa verwies auf Impulse für den ökumenischen Dialog, die Ausbildung der Priester und das katholische Bildungswesen.

Der Kustos wies zudem Kritik zurück, der Kirche im Nahen Osten fehle es an einer Vision, den Exodus der Christen aufzuhalten. „Was immer wir tun, wird nie genug sein.“ Die Kirche könne nicht mehr tun, als sich um Ausbildung und gute Beziehungen zu bemühen. „Das ist der einzige Weg, um die christliche Präsenz zu sichern.“ Die orientalischen Christen müssten versuchen, integraler Bestandteil beim Aufbau einer neuen Gesellschaft zu sein, wie etwa in Ägypten.

Auf die Frage, ob es in fünfzig Jahren noch Christen in der Region geben werde, sagte Pizzaballa: „Wenn man die Interviews liest, die Prälaten vor fünfzig Jahren gegeben haben, dann wird man auf dieselbe Befürchtung stoßen, dass Christen aus dem Heiligen Land verschwinden werden“. Der Kustos räumte zwar ein, dass die christlichen Gemeinschaften kleiner würden, was auch mit dem im Verhältnis größeren Wachstum der anderen Gemeinschaften zusammenhänge: „Aber wir werden nicht verschwinden!“