Laetare - Freue dich

Impuls zum vierten Fastensonntag

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 16. März 2012 (ZENIT org). - Wenn uns die Kirche an diesem vierten Sonntag in der Fastenzeit in ihrer Liturgie zur Freude auffordert, und wir uns fragen, wie komme ich an die Freude, mir ist nicht danach zumute?, dann hören wir im Evangelium als Ergänzung das Wort vom Glauben: “…..damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat” (Joh 3,14).

Habe ich mehr Freude, wenn ich an Christus glaube? Nicht Jedem ist das unmittelbar einsichtig. Es kommt ein dritter Begriff hinzu: die Wahrheit. Nicht an irgendetwas glauben, sondern an die Wahrheit.

Auch wenn viele Menschen heute bewusst oder unbewusst Opfer der Relativierungs-Ideologie geworden sind („die Wahrheit ist relativ, es gibt keine objektive Wahrheit”), so besteht in den Herzen vieler nach wie vor die Sehnsucht nach „der“ Wahrheit. Oft ist es nur ein diffuses Gefühl, und nicht immer gelingt der Schritt, der tatsächlich viel Glauben erfordert: Die Wahrheit ist nicht ein Begriff, die Wahrheit ist eine Person, nämlich Jesus Christus. Wer ihn gefunden hat, für den ist die Ojektivität der Wahrheit unmittelbar einsichtig.

Und dann: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet”. Wieder ein Wort, das manch einen zum Widerspruch reizt: „Wer soll mich denn richten? Ich bin ein loyaler Staatsbürger, der seine Steuern bezahlt und sich nichts zuschulden kommen lässt”.

Und doch, auch hierzu hat jeder Mensch in der Tiefe seines Herzens eine Vorstellung: „Einmal muss ich doch Rechenschaft ablegen, jemand wird mich dann fragen: was hast du aus deinem Leben gemacht?”

Was wir Menschen tief in unserem Herzen mit uns führen – wie ist es zu erklären? Sind das Archetypen, wie die Psychologen sagen, Erinnerungen an eine frühere Existenz? Vielleicht ist es aber tatsächlich das, was Augustinus unübertrefflich so ausdrückt: „Auf dich hin, Herr, hast du uns geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in dir”.

Jesus Christus ist die Wahrheit, da er Gott ist. Aber immer wieder spüren wir bei seinen Worten, wie schwer es ihm fällt, von seiner eigenen Größe zu sprechen. Statt „ich komme in die Welt”, sagt er „das Licht kam in die Welt”. Es ist also so, dass die personifizierte Wahrheit auch deutlich macht, was wahre Tugend ist, denn das Wahre und das Gute und das Schöne gehören untrennbar zusammen. Daraus folgt: wir sollen also nicht nur annehmen, was Jesus sagt – die Wahrheit –, sondern ihn nachahmen, „in der Wahrheit leben”. Dazu gehört eben die Demut. Und wir sollen nicht den Weg derjenigen gehen, die „die Finsternis mehr lieben als das Licht”. Ihre Taten sind böse.

So kurz das Evangelium des heutigen Sonntags ist, so reich ist es an ausgesprochen positiven Begriffen: Wahrheit, Glaube, Licht, ewiges Leben.

Was bringt uns das nun? Die österliche Bußzeit ist halb vorbei, und es empfiehlt sich, wenn wir bisher noch nicht allzu viel daraus gemacht haben, den Rest gut zu nutzen. In Kürze geht es auf die Karwoche zu, d.h. wir werden Gelegenheit haben, im Gebet und im Gottesdienst das Leiden des Herrn zu betrachten. Lassen wir uns hineinnehmen in diesen uralten Kampf des Lichtes gegen die Finsternis. Durch Gebet, Sakramentenempfang und gute Werke können wir unmittelbar dazu beitragen, dass  das Licht sich mehrt und die Finsternis zurückgedrängt wird. Lösen wir uns ganz aus der “Diktatur des Relativismus”, von der der Hl. Vater spricht.

Am Karfreitag sieht es so aus, als ob die Finsternis das Licht ganz besiegt hätte. In Wirklichkeit war es die Stunde des größten Triumphes Jesu Christi. „Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat”. Der ans Kreuz geheftete Jesus wird auf dem Berg Golgotha buchstäblich „erhöht”. Und wir, wenn wir ihm nachfolgen, mit ihm, denn „wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht” (Joh 3,21).

Daher also aus gutem Grund: „Laetare – freue dich!”

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.