Lampedusa: Fels und Leuchtturm für die Kirche, Italien und Europa

Die Grußworte des Erzbischofs von Agrigento, Msgr. Francesco Montenegro

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 507 klicks

Im Folgenden veröffentlichen wir in einer eigenen Übersetzung die vom Erzbischof von Agrigento, Msgr. Francesco Montenegro im Rahmen der Eucharistiefeier auf dem Sportplatz „Arena“ in Lampedusa vorgebrachte Begrüßung von Papst Franziskus.

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„Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“ Geliebter Vater, den Worten der Jungfrau vertraue ich das in mir und uns lebendige Gefühl der Freude über das Geschenk Ihrer Gegenwart unter uns an. Mit meinem Gruß überbringe ich Ihnen die Umarmung und Zuneigung aller Brüder und Schwestern in Lampedusa und Linosa sowie der gesamten Diözese von Agrigento. Seien Sie unter uns willkommen! Wir spüren, dass mit Ihnen heute „der Herr sein Volk besucht.“

In den letzten Jahren wurde diese Insel zu einem Synonym für folgende Begriffe: Landung, illegale Einwanderer, Immigranten, Ausnahmezustand, Tod und Hoffnung. Ihre Gegenwart fordert uns heute zu einer tieferen Betrachtung dieser Phänomene auf. Wir spüren, dass der Herr die Geschichte auf seine Art und Weise schreiben möchte. Auf dieser Insel werden die Seiten zum Exodus erneut lebendig: die Versklavung, die Fahrt über das Meer, die Wüstenwanderung, das verheißene Land, der Traum von der Freiheit.

Wie aus ihrem Namen hervorgeht, ist diese Insel zugleich ein Fels und ein Leuchtturm. Sie ist ein Fels, an den sich die letzten der Geschichte in der Hoffnung auf ein besseres Leben verzweifelt klammern. Leider hat er sich für viele als Grab erwiesen. Lampedusa ist jedoch auch ein Leuchtturm, ein hell leuchtender Schein für die gesamte Kirche, Italien und Europa. Die Insel erinnert alle daran, dass Gerechtigkeit und Würde Bedürfnisse sind, die nicht unterdrückt werden können. Diese Insel ist ein Warnsignal dafür, dass nicht mehr unter dem Gesichtspunkt des Ausnahmezustandes und der bloßen Aufnahme   die die Einwohner von Lampedusa und Linosa edelmütig bezeugten – zu handeln ist, sondern Maßnahmen im Hinblick auf Gerechtigkeit und Achtung jedes menschlichen Lebens zu ergreifen sind.

Die oftmals beobachtete verzweifelte Umarmung auf einem Boot oder am Hafen zwischen einem Ankömmling aus Afrika und dem ihn in diesem Moment aufnehmenden Menschen ist Ausdruck einer größeren Umarmung, die die Distanz zwischen der sich selbst als wohlhabend bezeichnenden Welt und jener, die im Laufe von Jahrhunderten eine Verarmung erfuhr, nur mit Mühe überbrückt.

Heiliger Vater, in Ihrer Umarmung fühlen wir uns alle geborgen; sie umschließt auch die Leidenden und die nach Gerechtigkeit hungernden und dürstenden Friedensstifter. Ihre Gegenwart und Ihre Worte sine eine Stütze sowohl für unsere eingewanderten Brüder als auch für die Gemeinden von Lampedusa und Linosa, die durch die Annahme schwieriger Situationen und deren Bewältigung mit immerwährender Großzügigkeit und Liebe oftmals eine zu schwere Last getragen haben.

Ich erweise Ihnen erneut meinen Dank, Heiliger Vater! Wir haben unser „Danke“ in die von uns erlebte große Danksagung eingepflanzt. Wir werden uns um das Gebet für Sie und Ihr Amt im Dienst der Weltkirche bemühen. Wir vertrauen Sie der hier unter dem Titel „sicherer Hafen“ verehrten Jungfrau an. Wir erbitten für Sie, Heiliger Vater, die Kraft für die Führung der Herde Christi in den sicheren Hafen des Heils.

Wir bitten Sie, uns weiterhin mit Ihrem Gebet und Ihrer Zuneigung zu stützen, auf dass die Diözese von Agrigento und die Gemeinden Lampedusa und Linosa immer mehr in der Strebsamkeit des Glaubens, im Bemühen um die Barmherzigkeit und in der festen Hoffnung auf Christus wachsen. Danke.