Laos: Gemeinsames Gebet von Christen in Privatwohnungen verboten

Verstöße gegen die gesetzlich verankerte Religionsfreiheit nehmen zu

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ROM, 17. Mai 2012 (ZENIT.org). - Das gemeinsame Gebet in Privatwohnungen und das Aufhängen von Kreuzen an den Außenwänden der Häuser haben die Behörden der Distriktverwaltung Phin in der Provinz Savannakhet verboten. In dieser Provinz kam es auch in Vergangenheit immer wieder zur Unterdrückung von Christen und Verstöße gegen die Religionsfreiheit, wie der Fidesdienst berichtet.

Am vergangenen 11. Mai wurden zwei christliche Religionsvertreter, die Pastoren Bounlerd und Adang, von den Behörden vorgeladen und mehrere Stunden lang verhört. Wie die Nichtregierungsorganisation „Human Rights Watch for Lao Religious Freedom“ (HRWLRF) in einem Bericht betont, der dem Fidesdienst vorliegt, stellt dieser Vorfall unter Beweis „dass die Einschränkungen der Religionsfreiheit für Christen in der Provinz Savannakhet zunehmen.“

Bereits vor acht Monaten waren im Distrikt Saybuli in derselben Provinz mehrere historische christliche Kirchen geschlossen worden. Die beiden Pastoren wurden im Rahmen des Verhörs darauf hingewiesen, dass Privatwohnungen nicht als so genannte „Hauskirchen“ benutzt werden dürfen, wo sich Gläubige zur Bibellektüre und zum gemeinsamen Gebet versammeln. Dies sei von den Behörden nicht genehmigt. Außerdem dürfe man an den Außenwänden christlicher Wohnungen keine Kreuze aufhängen. Zudem solle die christliche Botschaft in Laos künftig nicht weiter verbreitet werden. Die beiden Pastoren wurden nach dem mehrstündigen Verhör wieder freigelassen.

Die Behörden der Provinz Khammaouan hatten im Januar diesen Jahres zwei protestantische Pastoren nach einem Jahr aus der Haft entlassen, während andere Christen verhaftet und Weihnachtsgottesdienste als „illegal“ bezeichnet wurden. Dies hatte die Nichtregierungsorganisation „Human Rights Watch for Lao Religious Freedom“ (HRWLRF) mit Sitz in den Vereinigten Staaten, der im Ausland lebende Laoten angehören, dem Fidesdienst mitgeteilt.  Die beiden Pastoren waren zusammen mit neuen weiteren Christen (die kurz danach wieder freigelassen wurden) festgenommen worden, nachdem sie vor einem Jahr Weihnachtsgottesdienste veranstaltet hatten, die die Behörden als „Geheimtreffen“ bezeichnen. Auch in der vergangenen Weihnachtszeit wurden nach Angaben von HRWLRF weitere acht christliche Religionsvertreter im Dorf Boukham festgenommen, da sie ohne vorherige Genehmigung der zuständigen Stellen über 200 Christen zu einer Weihnachtsfeier versammelt hatten.

Wie die Nichtregierungsorganisation weiter berichtet, wurden im Dorf Huey in der Provinz Savannakhet christliche Gläubige von Regierungsbeamten dran gehindert, eine Frau nach christlichem Brauch zu begraben. Die Regierungsbeamten verlangten von den acht christlichen Familien der Dorfgemeinschaft, die Frau, die an Weihnachten gestorben war, am 26. Dezember nach buddhistischem Ritus beizusetzen.  Der buddhistische Mönch des Dorfes weigerte sich jedoch, die Zeremonie zu halten, da es sich bei der Verstorbenen um eine Christin handelte. Da die Beamten ein christliches Begräbnis nicht erlauben wollten, sahen sich die Angehörigen der Verstorbenen gezwungen, die Frau ohne christliche Beisetzungsfeier und ohne Kreuz auf dem Grab auf einem zivilen Friedhof des Dorfes zu beerdigen.

Im Januar dieses Jahres wurden im Dorf Hueysell (Provinz Lunag Prabang), in dem 14 christliche Familien (rund 80 Personen) leben, zwei Sprecher der christlichen Gemeinde vorgeladen und dazu aufgefordert, die Christen sollten von ihrem Glauben abschwören, da man sie andernfalls bestrafen oder des Landes verweisen würde. Die Gläubigen gingen auf die Einschüchterung nicht ein, die Behörden machten die angedrohte Ausweisung bisher nicht wahr.

Im März dieses Jahres hatte die Polizei zehn christliche Familien (insgesamt 65 Gläubige) aus dem Dorf Hueygong im Distrikt Pakoo (Provinz Luang Prabang) vertrieben. Sie sollen bis zum kommenden 18. März ihrem Glauben abschwören, ansonsten sollen sie des Landes verwiesen werden. Die Distriktregierung in Pakoo will Christen im eigenen Territorium nicht tolerieren, obschon es im Verwaltungsbezirk acht christliche Kirchen gibt. Die Beamten erklären, dass für das Bekenntnis zum christlichen Glauben die Billigung des Büros für religiöse Angelegenheiten notwendig sei.

Unter den insgesamt rund 6,4 Millionen mehrheitlich buddhistischen Einwohnern sind 200.000 Christen.

Das Recht auf Religionsfreiheit ist in der laotischen Verfassung verankert.