"Lassen Sie uns einen Augenblick innehalten in der Stille, in unserem Zimmer oder in einer Kirche"

Ansprache vor dem Angelus zum Evangelium des 3. Fastensonntags, Lesejahr A

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ROM, 28. März 2011 (ZENIT.org).- "Die Allmacht der Liebe respektiert stets die Freiheit des Menschen; sie klopft an sein Herz und wartet geduldig auf seine Antwort", so die Worte von Papst Benedikt XVI. vor dem sonntäglichen Angelusgebet.

 

Wir veröffentlichen die Ansprache in einer eigenen deutschen Übersetzung:

 

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Liebe Brüder und Schwestern!

Der dritte Sonntag der Fastenzeit ist von dem berühmten Dialog zwischen Jesus und der Samariterin geprägt, den der Evangelist Johannes erzählt. Die Frau machte sich täglich auf, um Wasser aus einem alten Brunnen zu schöpfen, der vom Erzvater Jakob stammte. An diesem Tag fand sie Jesus, der sich dort „müde von der Reise", niedergelassen hatte (Joh 4,6). Augustinus erklärte: "Nicht umsonst ist Jesus müde ... Die Kraft Christi hat dich geschaffen, die Schwäche Christi hat dich neu geschaffen ... Mit seiner Stärke hat er uns geschaffen, mit seiner Schwäche kam er, um uns zu suchen" (In Ioh. Ev., 15, 2).

Die Müdigkeit Jesu ist ein Zeichen seiner wahren Menschheit. Man kann sie als ein Vorspiel für die Passion sehen, durch die er das Werk unserer Erlösung vollendet hat. Insbesondere die Begegnung mit der Samariterin am Brunnen taucht dort mit dem Thema des "Durstes" auf, den Christus verspürt und der seinen Höhepunkt in den Schrei am Kreuz findet: "Mich dürstet" (Joh 19,28). Sicherlich hat dieser Durst wie seine Müdigkeit eine körperliche Ursache. Aber Jesus hat eigentlich, so erklärt es uns Augustinus, "Durst nach dem Glauben dieser Frau" (In Ioh. Ev. 15, 11), so wie er sich auch nach unserem Glauben sehnt. Gott der Vater schickte ihn, um unseren Durst nach dem ewigen Leben zu stillen. Er schenkte uns seine Liebe, aber hier macht uns Jesus das Geschenk des Glaubens. Die Allmacht der Liebe respektiert stets die Freiheit des Menschen; sie klopft an sein Herz und wartet geduldig auf seine Antwort.

In der Begegnung mit der Samariterin steht das Symbol des Wassers im Vordergrund, das eindeutig eine Anspielung auf das Sakrament der Taufe ist, aus dem das neue Leben durch den Glauben an Gottes Gnade hervorsprudelt. Dieses Evangelium ist in der Tat ein Teil des Vorbereitungsweges der Urkirche. Ich habe in meiner Katechese am Aschermittwoch erklärt, wie die Katechumenen in das Christentums eingeführt wurden, was in der großen Vigil der Osternacht seinen Abschluss fand.

"Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde", sagt Jesus, „wird nie mehr Durst haben. Denn das Wasser. Das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, die aufsprudelt zum ewigen Leben." (Joh 4,14) . Dieses Wasser ist der Heilige Geist. Er ist das erstrangige "Geschenk", das Jesus von Gott dem Vater zu bringen kam. Wer aus dem Wasser und dem Heiligen Geist in der Taufe wiedergeboren wird, der tritt in eine wahre Beziehung zu Gott ein. Es ist eine Beziehung der Kindschaft, durch die wir ihn "in Geist und Wahrheit" (Joh 4,23.24) anbeten können, wie Jesus der Samariterin offenbarte.

Dank der Begegnung mit Jesus Christus und der Gabe des Heiligen Geistes kommt der Glaube in jedem Menschen zu seiner Erfüllung. Dies ist die Wirkung der Fülle der Offenbarung Gottes.

Jeder von uns kann sich mit der Samariterin identifizieren. Jesus wartet auf uns, besonders in dieser Fastenzeit, um zu unseren Herzen zu sprechen. Lassen sie uns einen Augenblick innehalten in der Stille, in unserem Zimmer oder in einer Kirche oder an einem abgelegenen Ort. Hören wir auf seine Stimme, die uns sagt: "Wenn du wüsstest, was die Gabe Gottes ist."

Möge uns die Jungfrau Maria helfen, diese Begegnung nicht zu versäumen, von der unser wahres Glück abhängt.

[Übersetzung des italienischen Originals von Jan Bentz © Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana]