"Lasst uns auf die Hoffnung des Friedens setzen!"

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 435 klicks

Der Heilige Vater Franziskus zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute, am ersten Adventssonntag, beginnt für uns ein neues Kirchenjahr, das heißt, ein neuer Weg des Gottesvolks mit Jesus Christus, unserem Hirten, der uns in der Geschichte zur Erfüllung des Reiches Gottes führt. Deshalb hat dieser Tag eine besondere Faszination, denn er gibt uns ein tiefes Empfinden für den Sinn der Geschichte. Wir entdecken die Schönheit wieder, alle zusammen unterwegs zu sein: die Kirche, mit ihrer Berufung und Mission, und die gesamte Menschheit, mit allen Völker und Kulturen; wir alle sind unterwegs auf dem Weg durch die Zeit.

Doch wohin führt dieser Weg? Gibt es ein gemeinsames Ziel? Und welches Ziel? Der Herr beantwortet diese Frage mit den Worten des Propheten Jesaja: „Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Völker. Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen“ (Jes 2,2-3). Das sagt Jesaja uns über das Ziel unseres Weges. Es ist eine universale Wallfahrt zu einem gemeinsamen Ziel, das im Alten Testament mit Jerusalem gleichgesetzt wird, wo der Tempel des Herrn steht, denn von dort, von Jerusalem, ist die Offenbarung des Antlitzes und des Gesetzes Gottes gekommen. Diese Offenbarung hat in Jesus Christus ihre Vollendung gefunden; der „Tempel des Herrn“ ist jetzt er selber, das menschgewordene Wort; er ist das Ziel dieser Wallfahrt des Gottesvolkes und zugleich derjenige, der sie führt; in seinem Licht können auch die anderen Völker den Weg zum Reich des Friedens und der Gerechtigkeit gehen. Der Prophet sagt weiter: „Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg“ (Jes 2,4). Ich will diese Worte des Propheten noch einmal wiederholen, hört gut zu: „Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.“ Wann wird das endlich geschehen? Welch ein schöner Tag wird das sein, an dem die Waffen vernichtet werden, um Werkzeuge für die Arbeit daraus zu fertigen! Es ist möglich! Lasst uns auf die Hoffnung setzen, auf die Hoffnung des Friedens, und es wird möglich sein!

Dieser Weg geht nie zu Ende. Genau wie im Leben des Einzelnen immer das Bedürfnis herrscht, neu zu starten, sich wieder aufzurichten, den Sinn für das Ziel des eigenen Lebens neu zu entdecken, so ist es auch für die große Menschheitsfamilie notwendig, ihren gemeinsamen Horizont, auf den wir alle zustreben, immer wieder neu zu finden. Den Horizont der Hoffnung! Das ist der richtige Horizont für einen guten Weg. Die Adventszeit, die heute beginnt, gibt uns den Horizont der Hoffnung zurück; einer Hoffnung, die nicht enttäuscht, weil sie auf dem Wort Gottes gründet. Eine Hoffnung, die uns nicht enttäuschen wird, ganz einfach weil der Herr nie enttäuscht! Er ist treu! Er enttäuscht nie! Lasst uns über die Schönheit dieser Tatsache nachdenken.

Das Vorbild dieser Geisteshaltung, dieser Art, durchs Leben zu wandern, ist die Jungfrau Maria. Ein einfaches Dorfmädchen, das in ihrem Herzen alle Hoffnung Gottes trägt! In ihrem Schoß hat die Hoffnung Gottes einen Leib angenommen, ist Mensch geworden, ist in die Geschichte eingetreten: Sie ist Jesus Christus geworden. Marias „Magnificat“ ist das Loblied des Gottesvolkes, das sich auf dem Weg befindet, das Lied aller Männer und Frauen, die auf Gott und seine Barmherzigkeit hoffen. Lassen wir uns von ihr führen, denn sie ist eine Mutter und weiß, wie sie uns führen muss. Lassen wir uns von ihr in dieser Zeit der Erwartung und der tätigen Wachsamkeit führen!

[Nach dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern,

Heute ist der Welt-AIDS-Tag. Wir wollen allen, die an dieser Krankheit leiden, unsere Nähe aussprechen, ganz besonders den Kindern. Diese Nähe ist durch die stille Arbeit zahlreicher Missionare und Freiwilliger sehr konkret. Lasst uns für alle beten, auch für die Ärzte und Wissenschaftler. Jeder Kranke, ohne Ausnahmen, soll Zugang zur medizinischen Hilfe bekommen, die er braucht.

Ich grüße herzlich alle anwesenden Pilger: die Familien, Pfarreien und Vereine. Besonders grüße ich die Gläubigen aus Madrid, den Chor „Florilège“ aus Belgien, die Gruppe „Famiglie Insieme“ aus Solofra und den Verein der Kunsthandwerker von Rom.

Ich grüße die Gläubigen aus Bari, Sant’Elpidio a Mare, Pollenza und Grumo Nevano.

Allen wünsche ich einen schönen ersten Advent. Auf Wiedersehen und gesegnete Mahlzeit!