Lasst uns den Heiligen Geist nicht zähmen!

Aufruf des Papstes im Rahmen der hl. Messe im päpstlichen Gästehaus

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 754 klicks

„Heute ist der Geburtstag von Benedikt XVI; ihm widmen wir diesen Gottesdienst. Möge der Herr bei ihm sein, ihn stärken und ihm viel Trost spenden.“ Am Anfang der Predigt des Heiligen Vaters Franziskus während der hl. Messe in der Kapelle Santa Marta vom Vormittag des 16. April 2013 stand das Gebet des Papstes für den Papst. Unter den Anwesenden befanden sich die Angestellten des Governatorats der Vatikanstadt in Begleitung des Präsidenten und Kardinal Giuseppe Bertello, der die Messe gemeinsam mit dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fouad Twal, konzelebrierte.

Nachdem der Pontifex seinem Vorgänger persönlich zu dessen 86. Geburtstag gratuliert hatte, kommentierte er die Texte der Tagesliturgie, und wie an jedem anderen Tag überreichte er einen seiner kostbaren Gedanken als Geschenk.

Das Thema dieser Predigt waren der Heilige Geist und die Früchte, die jeder Windstoß von ihm hervorbringe, unter anderem das Zweite Vatikanische Konzil. Diese Früchte verweigerten die Menschen jedoch oft, oder sie leisteten Widerstand dagegen, weil sie radikale und folglich unangenehme Veränderungen für uns bedeuteten, so der Papst.

Der Heilige Vater Franziskus begann mit den starken Worten des Stephanus aus der ersten Lesung. Diese Worte hatte der Heilige an jene gerichtet, die ihn nach seiner Ankündigung der Auferstehung Christi steinigen wollten: „Ihr Halsstarrigen, ihr, die ihr euch mit Herz und Ohr immerzu dem Heiligen Geist widersetzt.“

Der erste Märtyrer habe an all jene erinnert, die die Propheten verfolgt hätten und sie erst, nachdem sie sie umgebracht und ihnen „ein schönes Grab“ gebaut hätten, verehrten. Diese Ermahnung knüpfe an jene an, die Jesus den Jüngern von Emmaus erteilt habe, als er sagte: „O ihr Toren, zu töricht seid ihr, all dem zu glauben, was die Propheten gesagt haben!“

Der Pontifex wies darauf hin, dass immer und auch unter uns „dieser Wiederstand gegen den Heiligen Geist“ vorhanden sei. Er präzisierte: „Um es ganz deutlich zu sagen, der Heilige Geist stört uns, denn er bewegt uns, er treibt uns an, er drängt die Kirche dazu, voranzuschreiten. Und wir sagen wie Petrus bei der Verklärung: ‚Ah, wie schön es ist es doch, so zu sein, alle zusammen!‘ … nur stören darf er uns nicht.“

„Wir möchten, dass der Heilige Geist uns in Ruhe lässt“, fuhr Papst Franziskus fort, „wir wollen den Heiligen Geist zähmen, und das geht nicht! Weil er Gott ist. Er ist der Wind, der kommt und geht, und man weiß nicht, woher er stammt; er ist die Kraft Gottes; von ihm empfangenen wir den Trost und die Kraft, um voranschreiten zu können.“

Mit einem Seufzen bemerkte der Papst, dass das Voranschreiten nicht gewünscht werde und die Behaglichkeit viel schöner sei. Diesen Umstand bezeichnete er als Versuchung, die heute noch tief im Herzen des Menschen verwurzelt sei. Der Heilige Vater äußerte folgende Feststellung: „Wir alle scheinen heute mit der Gegenwart des Heiligen Geistes zufrieden zu sein, doch das stimmt nicht.“

Als Beispiel dafür nannte er das Zweite Vatikanische Konzil: „Das Konzil war ein schönes Werk des Heiligen Geistes“, und Papst Johannes war „dem Heiligen Geist gegenüber gehorsam und hat es einberufen.“ An dieser Stelle fragte der Pontifex, was die Gläubigen daraus gemacht hätten: „Haben wir nach 50 Jahren alles getan, was uns der Heilige Geist im Konzil gesagt hat? In jener Kontinuität des Wachstums der Kirche, die das Konzil gewesen ist?“

Nein: Höchstens „feiern wir diesen Jahrestag, schaffen ein Denkmal, aber stören soll es uns nicht. Wir wollen nichts verändern.“ Mehr noch: „Es gibt Stimmen, die rückwärtsgehen möchten.“ Und das bedeute, fügte der Papst ganz offen hinzu, „halsstarrig zu sein; es bedeutet, den Heiligen Geist zähmen zu wollen; es bedeutet, töricht und langsamen Herzens zu werden.“

Diese negative Haltung breite sich auch in unserem eigenen Leben aus, wenn „der Heilige Geist uns dazu drängt, einen dem Evangelium mehr entsprechenden Weg einzuschlagen“, doch wir leisteten Widerstand dagegen.

Kurz vor dem Ende der Predigt ermahnte Papst Franziskus: „Lasst uns dem Heiligen Geist nicht mit Widerstand begegnen. Das ist die Gnade, die wir alle heute vom Herrn erbitten sollen: die Fügsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist; jenem Geist, der zu uns kommt und uns auf dem Weg der Heiligkeit fortschreiten lässt, jener so schönen Heiligkeit der Kirche.“