Lateinamerikanische Bischöfe stellen sich der Situation der Ungerechtigkeit

Zwei Jahre nach Aparecida: Vollversammlung des CELAM gibt Rechenschaft

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MANAGUA, 18. Mai 2009 (ZENIT.org).- „Die Situationen der Ungerechtigkeit, die es in den lateinamerikanischen Ländern gibt“, gehörte zu den zentralen Anliegen der Vollversammlung des Rates der Lateinamerikanischen Bischofskonferenzen (CELAM). Die Bischöfe wüssten, „dass viele Menschen nicht unter menschenwürdigen Bedingungen leben“, bekräftigte vor kurzem der Vorsitzende des CELAM, Erzbischof Raymundo Damasceno Assis von Aparecida. „Deshalb verkünden wir das Evangelium Christi auch, um jedem Menschen ein würdiges Leben zu schenken.“

Beim jüngsten Arbeitstreffen, das erstmals in der nicaraguanischen Hauptstadt Managua stattfand, wurde vor allem der aktuelle Stand der Großen Kontinentalmission in den Blick genomen. Der Auruf zum großherzigen Einsatz, allen Amerikanern das Evangelium zu verkünden, war von der fünften Vollversammlung der Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik ausgegangen, die vom 13. bis zum 31. Mai 2007 in Aparecida, dem größten brasilianischen Wallfahrtsort, getagt hatten.

Erzbischof Raymundo Damasceno Assis erinnerte in seiner Ansprache in Managua daran, dass „Aparecida den CELAM auf einen breiten Weg gestellt hat… Und dies nicht nur zur Verbreitung des Schlussdokuments, sondern auch im Hinblick auf die lebendigen Fortsetzung durch die Kontinentale Mission.“

Im Schlussdokument der fünften Generalversammlung hatten die Vertreter der 22 Bischofskonferenzen Lateinamerikas zu einer großangelegten Missionstätigkeit aufgerufen und die „Option für die Armen“ entschieden gestärkt. Besonders waren die Rechte der indianischen und afroamerikanischen Völker herausgestellt worden.

Die kirchliche Erfahrung von Aparecida sei nicht nur als Inhalt eines Buches gedacht, und sie gelte auch nicht nur für einen beschränkten Zeitraum oder einen bestimmten Ort, betonte Erzbischof Damasceno Assis. Vielmehr wolle sie sich in eine lebendige Wirklichkeit verwandeln.

Ganz in diesem Sinn prüften die Bischöfe während ihrer Versammlung, was in den vergangenen beiden Jahren diesbezüglich geschehen ist. Besondere Sorge bereitet ihnen gegenwärtig „die Suche nach neuen Modellen für die politischen Institutionen..., die zum Teil auch dazu geführt hat, dass ideologische Projekte initiiert worden sind, die das Leben, die Familie und die Erziehungsfreiheit diskriminieren“. Dadurch sei es zu gesellschaftlichen Spannungen gekommen und zu einer Konfliktsituation, „die es schwierig macht, Lösungen zu finden“.

Erzbischof Damasceno Assis berichtete aber auch über die Fortschritte der Evangelisierung auf dem Kontinent und betonte dabei, dass die Missionstätigkeit nicht auf das Abwerben von Gläubigen abziele und auch nicht die Konfrontation mit Anhängern anderer Lehren beabsichtige. „Wir wollen unsere Anziehungskraft auf die Menschen auf der Grundlage der Botschaft des Evangeliums ausüben, das auf der Liebe zu Christus und zu den Mitmenschen basiert.“