Lateinischer Patriarch über Papstreise ins Heilige Land

Hoffnung auf Veränderung

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 366 klicks

Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, sagte in einer Bilanz über die Reise von Papst Franziskus ins Heilige Land gegenüber Radio Vatikan, er hoffe, dass das Friedensgebet  mit den Präsidenten Israels und Palästinas im Vatikan die Bemühungen um Frieden voranbringen könne. Man führe seit 66 Jahren Friedensgespräche, habe aber bisher noch nichts bewegt.

„Gebet ist sicherlich nichts Neues: Franziskus hat immer um Gebet ersucht, und dasselbe haben wir getan. Da dieses Treffen weder in Jerusalem noch in Bethlehem stattfinden konnte, hat der Heilige Vater sein Haus angeboten: Sein Haus im Vatikan. Wir hoffen! Es ist eine Initiative, die klar den guten Willen des Papstes zeigt, zu Frieden zu kommen.“

Gestern wurde bekannt, dass das Friedensgebet im Vatikan am 9. Juni stattfinden soll. Der Patriarch sagte gegenüber Radio Vatikan, die Reaktionen auf die Papstreise seien sowohl aus israelischer wie auch aus palästinensischer Sicht positiv gewesen. Allein in Jerusalem habe man von Seiten der Christen die Enttäuschung darüber gespürt, dass sie den Papst nicht haben sehen können. Er sagte:

„Jerusalem war abgeriegelt. Andererseits war in Jerusalem auch kein großer öffentlicher Akt vorgesehen. Immerhin, der Papst hat gesagt, er hoffe eines Tages nach Galiläa gehen zu können, nach Nazareth. Bald findet ja im Vatikan die Bischofssynode zum Thema Familie statt, und da Nazareth der Ort der Heiligen Familie ist, hoffen und beten wir, dass er aus diesem Anlass noch einmal kommt.“

Besonders habe Twal an der Reise gefallen, dass Papst Franziskus ein Chef sei, der sich nicht als Chef gebe, da er es als seine Aufgabe ansehe, zu dienen.

„Ich sehe in der Person des Heiligen Vaters selbst eine Botschaft für uns Religionsführer: eine Botschaft von Einfachheit und Demut. Er ist ein Chef, der sich nicht als Chef gibt. Er ist da, dienend. Ich war bei diesem Mittagessen mit den fünf Palästinenserfamilien dabei, die so viel Schlimmes erlebt haben. Alle haben ihre Geschichten erzählt. Kurz vor dem Schluss des Essens hat Reisemarschall Gasbarri den Papst gefragt, ob er sich eine Viertelstunde zurückziehen möchte, um sich auszuruhen. Da sagte der Papst: ,Diese Leute leiden, ich kann sie nicht alleine lassen.‘ Und er ist bis zum Schluss geblieben. Er ist sich darüber im Klaren, wie schwierig unsere Lage ist.“

Abschließend betonte Twal, dass sich die Christen im Heiligen Land darüber im Klaren seien, das allein durch den Besuch des Papstes im Heiligen Land keine schnellen Veränderungen möglich seien. Jedoch habe Papst Franziskus gesät.

„Er hat das Beste von sich selbst gegeben; seine Zeit und auch seine Gesundheit. Er war unheimlich müde. Aber er hat gesät! Gesät. Wir hoffen so sehr, dass das, was er gesät hat, Früchte trägt, wenn wir der Vorsehung genug Zeit lassen – sowohl für die Lage der Einheit der Christen als auch für die politische Lage hier, die der ganzen Welt zu Leibe rückt.“