Lateinischer Patriarch von Jerusalem ruft zur Einheit auf

Erster Hirtenbrief von Erzbischof Fouad Twal

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ROM, 3. Juli 2009 (ZENIT.org).- „Einheit in der Verschiedenheit“: dies ist der Titel, den der lateinische Patriarch von Jerusalem Fouad Twal seinem ersten Hirtenbrief gegeben hat. Das Patriarchat von Jerusalem umfasst Israel, die Palästinensergebiete, Jordanien und Zypern.



Der Patriarch hält in seinem Schreiben fest, dass die aktuellen Spaltungen unter den Christen als Folge der Erbsünde und der Leidenschaften anzusehen seien. Sie hätten nichts mit einem „Pluralismus“ zu tun. „Wir müssen versuchen, die Einheit wiederherzustellen, die durch Spaltungen und Schismen zerrissen worden ist, die Einheit, deren einziger Grund der eine Glaube und der eine Herr ist.“

Die Einheit der Kirche, so hebt der Patriarch hervor, „ist die Einheit in der Lehre. Ihre Unterschiedlichkeit besteht in den Formen des christlichen Lebens, die trotz ihrer Verschiedenheit ein einziges Ziel haben.“

In der Unterschiedlichkeit der Ämter und der Verantwortlichkeiten verwirkliche sich die Einheit vor allem durch die Liebe, die Achtung des anderen, die Zusammenarbeit und die Verantwortung für die Welt entsprechend dem natürlichen Sittengesetz.

In seinem Hirtenbrief erinnert der Patriarch auch an den jüngsten Angriff seitens Israel auf den Gaza-Streifen, der den Tod von 1.500 Menschen und die Zerstörung von zahlreichen Gebäuden mit sich gebracht hate. Der Sinn dieser Feindseligkeit könne nur im Geheimnis und im Licht des Kreuzes verstanden werden, schreibt der Patriarch. Der Konflikt habe auf tragische Weise die Leiden der Christen vermehrt, die mittlerweile zu „Fremden im Land Christi“ geworden seien.

Patriarch Twal hebt hervor, dass das palästinensische Volk einen „legitimen Wunsch nach Freiheit und Souveränität“ habe. „Wie das Volk von Israel wünscht es Stabilität und Sicherheit. Der Friede kann nicht ohne Gerechtigkeit gefestigt werden.“ Deshalb bekräftigt er das Engagement der Kirche von Jerusalem, die liebevoll auf all ihre Kinder und Ortsgemeinden blicke: auf Araber, Juden, Zyprioten und die Christen aus allen anderen Nationen.

„Die Kirche geht über die Unterschiede in Rasse und Kultur hinaus“, so heißt es in dem Schreiben, „da sie katholisch, das heißt universal ist. Sie will über die politischen Grenzen hinausgehen, um alle ihre Kinder in der Liebe Christi zu umarmen. Auf diese Weise legt sie Zeugnis für die Liebe ab.“

Der Patriarch geht in seinem Hirtenbrief auch auf das Phänomen der Auswanderung ein, durch das die Christen seiner Diözese dezimiert worden seien. Die Auswanderung sei eine Folge der politischen Instabilität, der wirtschaftlichen Probleme sowie der unsicheren Zukunft.

Zum jüngsten Besuch Benedikts XVI. im Heiligen Land erklärt Patriarch Twal, dass der Papst den Glauben der Christen gestärkt habe. „Ebenso hat er sein Herz den Christen anderer Konfessionen sowie den Nichtchristen, vor allem den Monotheisten, geöffnet.“

Abschließend ermutigt der Patriarch die Gläubigen dazu, „Erbauer der Einheit unter den Bewohnern dieses Landes“ zu sein und die Frohe Botschaft zu verkünden, um in den Herzen der Menschen Liebe und Frieden zu säen.