Lebendige Steine: Papst Benedikt XVI. erklärt, was Kirche ist

Ansprache zum Angelusgebet am Festtag der Weihe der Lateranbasilika

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ROM, 10. November 2008 (ZENIT.org).- Die Kirche aus Stein ist das Symbol für die Kirche aus den lebendigen Steinen, die die Christen sind. Mit dieser Aussage erklärte Papst Benedikt XVI. gestern, Sonntag, allen, die sich zum traditionellen Angelusgebet mit dem Heiligen Vater auf dem Petersplatz versammelt hatten, den Sinn des Festtages der Weihe der Lateranbasilika.



Die Kirche von Rom führe in der Weltkirche den „Vorsitz in der Liebe“, so Papst Benedikt. Gott habe sich einen geistlichen Bau errichtet, der sein Haus sei.

Die Basilika vom heiligen Johannes im Lateran ist die Kathedrale des Bischofs von Rom und als solche aufgrund ihrer Würde „Mutter und Haupt aller Kirche der Stadt Rom und des Erdkreises“. Benedikt XVI. stellte diesbezüglich fest, dass die Lateranbasilika die erste gewesen sei, die nach dem Edikt des Kaisers Konstantin gebaut worden war. Dieser hatte den Christen im Jahr 313 die Freiheit zugestanden, ihre Religion auszuüben. Kaiser Konstantin habe, so Benedikt XVI., Papst Miltiades das Anwesen der Familie Laterani geschenkt und dort die Basilika, das Baptisterium und das „Patriarchium“, das heißt die Residenz des Bischofs von Rom, errichten lassen. 324 habe Papst Sylvester die Kirche auf den Titel des allerheiligsten Erlösers geweiht.

Im sechsten Jahrhundert seien die Titel des heiligen Johannes des Täufers und des heiligen Evangelisten Johannes hinzugefügt worden. Seit dem Jahr 1565 sei der Weihetag der römischen Kathedrale ein Festtag, der in jeder Ortskirche begangen werde. Auf diese Weise brächten sie ihre Zuneigung zur römischen Kirche zum Ausdruck.

Unter Bezugnahme auf die Lesungen vom Festtag wies Benedikt XVI. darauf hin, dass der Tempel aus Stein das „Symbol der lebendigen Kirche“ ist. Die Kirche sei ein „geistliches Gebäude“ aus „lebendigen Steinen“, das auf dem einen Fundament errichtet worden sei: Jesus Christus, dem „Eckstein“.

Die Schönheit und Harmonie der Kirchen lade auch heute noch sündige Menschen mit all ihren Schwächen und Begrenzungen zur Umkehr ein, um „in inniger Gemeinschaft mit Jesus, der das wahre Allerheiligste ist“, einen „Kosmos“ zu bilden, das heißt „einen wohlgeordneten Bau“.

Der Höhepunkt dieser Gemeinschaft sei die eucharistische Liturgie, so Papst Benedikt. Um den Tisch des Wortes und den Tisch der Eucharistie herum werde „in der Wahrheit und in der Liebe“ die Kirche aus lebendigen Steinen errichtet, deren Inneres vom Heiligen Geist geformt werde. Wenn die Kirche in aufrichtiger und brüderlicher Einheit lebe, werde sie selbst „gottgefälliges geistliches Opfer“.

Abschließend betonte der Papst dass der Weihetag der Lateranbasilika auch an die Bedeutung von materiellen Gebäuden erinnere, in denen die Gemeinden sich versammelten, um Gottes Lobpreis zu feiern. Daher habe jede Gemeinde die Pflicht, ihre heiligen Stätten sorgfältig zu pflegen. Diese bildeten ein wertvolles religiöses und historisches Erbe.