Lebensbild des neuen seligen Franz Jägerstätter (Petitio)

„Als Zeuge der Seligpreisungen gibt er dem Evangelium, der Gottes- und Nächstenliebe ein Gesicht“

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LINZ, 26. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Petitio, mit der Postulator Bischof Manfred Scheuer (Innsbruck) während der Heiligen Messe zur Seligsprechung von Franz Jägerstätter den Vertreter des Heiligen Vaters gebeten hat, den oberösterreichischen NS-Märtyrer zur Ehre der Altäre zu erheben.



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Franz Jägerstätter wurde am 20. Mai 1907 geboren und am folgenden Tag in der Pfarrkirche von St. Radegund getauft. Als Zwanzigjähriger ging er zum Arbeiten in die Steiermark. Nach wenigen Jahren kehrte er nach Hause zurück. 1933 wurde er Vater seiner Tochter Hildegard. 1936 heiratete er Franziska Schwaninger; gemeinsam konnten sie sich über drei Töchter freuen. Franziska regte ihren Mann zur Bibellektüre und zum gemeinsamen Beten an. Seit der Hochzeit ging Franz häufig zur Kommunion.

Franz Jägerstätter berichtete mehrmals, dass er 1938 durch einen Traum vor dem Nationalsozialismus gewarnt worden sei. Nach der Machtübernahme in Österreich lehnte er jede Zusammenarbeit mit dem NS-Staat und jeden Vorteil durch ihn ab. Er erfuhr von den Gräueltaten des Nationalsozialismus, dessen gott- und menschenverachtende Politik ihn zum Widerstand bewegte.

1940/41 diente Franz als Kraftfahrer bei der Deutschen Wehrmacht. Mit einem weiteren Soldaten wurde er am 8. Dezember 1940 in Enns in den Dritten Orden des hl. Franziskus eingekleidet. Auf Betreiben seiner Heimatgemeinde St. Radegund wurde er zweimal für unabkömmlich erklärt, um am Bauernhof zu arbeiten.

Obwohl der Druck von seinen Freunden und Bekannten, auch Priestern, groß war, entschied er sich für einen konsequenten Weg des Widerstandes. Er betete und fastete, meditierte die Hl. Schrift und kam zum Schluss: „Keiner irdischen Macht steht es zu, die Gewissen zu knechten.“ Die Kraft zur Gewissensentscheidung verspürte er zusehends mehr als Gnade, für die er dankbar war. Täglich besuchte er die heilige Messe. In dieser Zeit übernahm er auch den Mesnerdienst.

1943 wurde er neuerlich einberufen, woraufhin er sich weigerte, für Hitler in den Krieg zu ziehen, und wurde in das Gefängnis in Linz überstellt. Zwei Monate Haft, Folter und Schikanen folgten. Als er sich von der Kraft des Glaubens verlassen fühlte, erinnerte er sich an das erfahrene Glück in der Ehe mit seiner Frau Franziska und deutete dieses Glück als einen bleibenden Hinweis auf die Gegenwart Gottes. Anfang Mai 1943 wurde Franz Jägerstätter nach Berlin/Tegel überstellt. Sein Antrag auf Sanitätsdienst wurde abgelehnt. Am 6. Juli verurteilte man ihn zum Tod. Gefängnisseelsorger berichteten ihm von weiteren Blutzeugen, unter anderem vom Pallottinerpater Franz Reinisch; dies gab ihm Halt und Trost.

Er und seine Frau Franziska fühlten sich verbunden mit dem leidenden Jesus, der ihnen Kraft gab. In der Gefängniszelle vertraute Franz darauf, dass „Christus nicht nur die leidende Knechtsgestalt des Karfreitags ist, sondern auch der Todesüberwinder des Ostermorgens“. So erwartete er gefasst die Begegnung mit dem Gott der Liebe, dem er versöhnt gegenübertreten wollte. Am 9. August 1943 wurde Franz Jägerstätter von Berlin nach Brandenburg an der Havel gebracht und dort um 16 Uhr am Schafott enthauptet. Der Priester Albert Jochmann, der ihn begleitete, bekannte unmittelbar nach seiner Hinrichtung: „Ich bin heute dem einzigen Heiligen in meinem Leben begegnet.“

Franz Jägerstätter ist durch seine entschiedene Lebenshaltung und durch sein Martyrium ein Prophet mit Weitblick und Durchblick. Er ist Vorbild in der Treue zum Gewissensanspruch, ein Anwalt der Gewaltlosigkeit und des Friedens, ein Warner vor zerstörerischen Ideologien. Mit gebildetem und großmütigem Gewissen sprach er das entschiedene Nein zur Idolatrie des Nationalsozialismus. Als Zeuge der Seligpreisungen gibt er dem Evangelium, der Gottes- und Nächstenliebe ein Gesicht.

Daher bittet der Bischof von Linz den Heiligen Vater, den Diener Gottes Franz Jägerstätter in die Schar der Seligen aufzunehmen.

[Von der Diözese Linz veröffentlichtes Original]