Lectio divina - vier Schritte zum Beten mit der Bibel

Brasilianischer Kardinal über die durchbetete Lesung der Heiligen Schrift

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SÃO PAULO, Brasilien, 16. September 2009 (ZENIT.org).- Die katholische Kirche in Brasilien feiert in diesem September den Monat der Bibel. Zu diesem Anlass empfiehlt sie allen eine „kinderleichte“ Methode, um Gottes Wort betend zu verinnerlichen. Für Kardinal Odilo Scherer, den Oberhirten der Erzdiözese São Paulo, ist die Lectio divina, eine Form der Bibellesung aus der frühen Kirche, die geeignete Hilfe dazu.

In einem Interview mit der Wochenzeitung der Erzdiözese „O São Paulo", erinnert Kardinal Odilo Scherer an die besondere Empfehlung der Bischofssynode über das Wort Gottes im Oktober letzten Jahres, die „mit Freude feststellte, dass in der ganzen Welt die betende Lektüre der Bibel - lectio divina - angenommen wird und sich ausbreitet“.

Es handle sich um etwas Einfaches, „das jedermann verstehen kann; auch die Einfachsten", so der Kardinal. Es gehe darum, das Wort Gottes „im Kontext des Gebetes" zu hören und anzunehmen, so wie es die Kirche empfehle.

Durch die Lectio divina, so Kardinal Scherer, werde ein „Dialog des Glaubens" in Gang gesetzt, der helfe, „auf Gott zu hören, der zu uns spricht. Wir antworten ihm im Gebet und versuchen, unser Leben mit dem Gehörten in Einklang zu bringen." Dafür seien nur vier Schritte notwendig.

Der erste Schritt besteht schlicht in der Lektüre der ausgewählten Schriftstelle. „Mit diesem ersten Schritt versucht man, den Text genau so zu verstehen, wie er geschrieben steht, ohne sofort Ideen zu formulieren und Schlussfolgerungen zu ziehen", so Scherer.

Der zweite Schritt ist die Meditation des Textes. Sie schenke uns die Antwort auf die Frage: „Was will Gott mir oder uns durch diesen Text sagen? Nun versuchen wir wirklich, auf Gott zu hören, der zu uns spricht, und wir hören auf seine Stimme."

Der dritte Schritt ist das Gebet. „In diesem dritten Schritt reagieren wir auf die Frage: Was bringe ich von diesem Text bewegt vor Gott?"

Nach Worten des Kardinals sollte man sich immer vor Augen halten, dass „eine gute Bibellesung eigentlich nur im Dialog des Glaubens stattfindet: Gott spricht, wir hören und bejahen, was er sagt, und reagieren auf Gott und sprechen zu ihm". Der jeweilige Text könne zu verschiedenen Formen von Gebet Anlass geben: „Lob, Bekenntnis, Danksagung, Anbetung, Bitte um Vergebung,..."

Der vierte und letzte Schritt der „Lectio divina“ ist die Kontemplation. Mit diesem Schritt „betrachten wir das Wort sowie unser Verständnis des Geheimnisses Gottes und seines Planes der Liebe und des Heils. Gleichzeitig üben wir uns in den Haltungen, die uns helfen, in unserem konkreten Leben das zu akzeptieren, was uns das Wort lehrt. Wir erneuen unsere guten Absichten und den Glaubensgehorsam."

Mit diesen vier Schritten, so lehre die Erfahrung, sei die Praxis der Lectio divina nicht schwierig. „Es reicht, einfach damit zu beginnen. Die Übung macht den Meister", bekräftigte der Kardinal. „Die Kostbarkeit des Wortes Gottes und seine Bedeutung für das christliche Leben sind es wert, dass wir uns ein wenig bemühen."