Legen wir die Waffen des Hasses und der Gewalt nieder

Flammender Appell der Generaloberin der „Missionarinnen der Nächstenliebe"

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ROM, 8. September 2008 (Zenit.org).- Das Eindämmen der jüngsten Gewaltausbrüche in Indien erfordere die Hingabe „wahrer Jünger Jesu“, erklärte Sr. Maria Nirmala Joshi, die als Nachfolgerin von Mutter Teresa Generaloberin der „Missionarinnen der Nächstenliebe" ist.

Wie Sr. Maria Nirmala am Freitag im „Osservatore Romano" feststellte, bestehe das „notwendige Zeugnis" der Christen in Indien darin, „authentische Jünger Christi" zu sein; Menschen zu sein, die Christus liebten und die Bergpredigt lebten, die er hinterlassen hat. Das sei der „einzige Weg, um die Gewalt zu besiegen, der die Christen in Indien, vor allem im Bundesstaat Orissa, derzeit ausgesetzt sind", betonte sie.

Papst Benedikt XVI. hatte am 27. August erklärt, dass er mit tiefer Trauer von den Gewaltausbrüchen gegen die christlichen Gemeinden erfahren habe, zu denen es in Folge der zu verurteilenden Ermordung des hinduistischen Anführers Swami Lakshmananda Saraswati gekommen sei. Angesichts weiterer Morde und gewalttätiger Übergriffe, angesichts der Zerstörung von Kultstätten, die der Kirche gehörten, sowie von Privatwohnungen, forderte der Papst damals eindringlich, dass das menschliche Leben stets geachtet werde.

Kardinal Varkey Vithayathil, Großerzbischof von Ernakulam-Ankamaly und Vorsitzender der Indischen Bischofskonferenz, hatte die Katholiken angesichts der Vorgänge im Bundesstaat Orissa aufgefordert, am gestrigen Sonntag einen besonderen Gebets- und Fasttag für ihre verfolgten Glaubensgeschwister in Indien zu begehen.

Bereits Ende August hatte die Generaloberin der „Missionarinnen der Nächstenliebe" in einem Appell an die Bevölkerung des Bundesstaats Orissa und von ganz Indien daran erinnert, dass „jede Gewalt im Namen der Religion einen Missbrauch der Religion darstellt".

Mutter Teresa habe immer wieder darauf hingewiesen, dass die Religion „ein Werk der Liebe" sei. Religion sei nicht dazu da, um Frieden und Einheit zu zerstören. Sr. Maria Nirmala rief insbesondere die hinduistischen Extremisten, aber auch alle anderen dazu auf, „die Waffen des Hasses und der Gewalt" niederzulegen.

„Bitten wir Mutter Teresa um ihre Fürsprache, damit wir Instrumente Gottes und seines Friedens werden, Erbauer einer ‚Kultur der Nächstenliebe'". Mutter Teresa habe eine weltweite Mission der Nächstenliebe für die „Ärmsten der Armen" ausgeübt, „jenseits aller Schranken von Kaste, Religion, Nationalität oder Kultur".

Im Gespräch mit „Radio Vatikan" wiederholte Sr. Maria Nirmala am Wochenende ihren Appell: „Im Namen Gottes, im Namen unserer Menschlichkeit und im Namen unseres Landes, seines edlen Erbes, im Namen der Armen, der Leidenden, der Opfer dieser sinnlosen Gewalt und Zerstörung: Beten wir! Öffnen wir unseren Geist und unser Herz für das Licht und die Liebe Gottes! Legen wir die Waffen des Hasses und der Gewalt nieder, und vergeben wir einander gegenseitig."

Die Bewohner Indiens seien sehr stolz auf Mutter Teresa. Ihr Leben sei eine „Quelle der Inspiration" für viele. Ihr Name öffne auch heute die Herzen und Türen, und ihre Fürsprache sei „ein machtvolles Werkzeug für Frieden und Einheit unter allen Menschen in Orissa“, aber auch überall sonst.

Die „große Liebe" auch so vieler Nichtkatholiken zu Mutter Teresa sei darauf zurückzuführen, dass sie die Menschen durch Wort und Tat gelehrt habe, „wie jede Wohltat für die Geringsten gleichsam Gott selbst gilt", betonte der Generaloberin der Missionarinnen der Nächstenliebe.