Leichtathletik-WM: Auch der Glaube braucht Trainingseinheiten

Ökumenischer Gottesdienst im Berliner Dom

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BERLIN, 17. August 2009 (ZENIT.org).- Zum Auftakt der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin, bei der der Jamaikaner Usain Bolt mit 9,58 Sekunden einen neuen 100-Meter-Sprint-Weltrekord aufgestellt hat, feierten die Christen am Donnerstag, dem 13. August, im Berliner Dom einen ökumenischen Gottesdienst.



Der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters, der innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz für den DJK-Sportverband zuständig ist, betonte in seinen einführenden Worten, dass die WM als größtes Sportereignis des Jahres einen Beitrag zur „Globalisierung des Verantwortungsbewusstseins“ leisten könne. Technischer Forschritt und ökonomischer Nutzen dürften nicht tonangebend sein.

Die Würde jedes Menschen sei ein Geschenk Gottes. „Wir brauchen sie nicht zu erkämpfen, nicht in Konkurrenz und Wettkampf verteidigen“, so Bischof Peters. „Wir sind nicht Gott, nicht die Größten, schon gar nicht allmächtig. Aber wir sind seine Geschöpfe, von ihm gewollt, geliebt, ins Leben gerufen. Das macht unsere Würde aus. Und deshalb brauchen wir niemanden sonst, der uns diese Würde zuspricht.“

Der Sport, eine wunderbare Ausdrucksform für die Freude am Leben, führe Menschen zusammen, und genau dasselbe, jedoch auf eine tiefere Weise, tue die Religion – jene „menschliche Suchbewegung nach Sinn, der den Alltag trägt und überhaupt nur erträglich macht“. Im Letzten könne nur Gott die Sehnsucht des menschlichen Herzens stillen.

Zwischenmenschliche Mauern einreißen, unvergänglichen Siegeskranz suchen

Bischof Wolfgang Huber, der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, sagte in seiner Predigt mit Blick auf den 48. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer, dass es bei der Leichtathletik-WM nicht nur um den Wettkampf gehe, sondern auch um die Begegnung von Menschen aus vielen Nationen.

„Hier begegnen sich Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen, Religionen, Herkünften, Sitten und Bräuchen. Sie teilen sich gegenseitig mit und helfen dazu, dass das gegenseitige Verstehen wächst.“ Auch die Berliner Leichtathletik-Weltmeisterschaft berge in sich die Chance, „Mauern zwischen Menschen einzureißen“, betonte der Bischof.

Angesichts des intensiven Trainings der Spitzensportler erklärte Huber, dass jeder, der einmal Leistungssport getrieben habe, zunächst „für den Sieg gegen sich selbst“ habe kämpfen müsse. „Bevor nur ein Gegner auftritt, ist die eigene Trägheit, die eigene Schwäche zu überwinden. Der Kampf gegen sich selbst, ist die beste Voraussetzung den Kampf auch gegen andere zu gewinnen.“

Huber kam ausführlich auf den unvergänglichen Siegeskranz zu sprechen, dem der Apostel Paulus nachjagte (vgl. 1 Kor 9,24-27), und gab allen Anwesenden den Rat, Formen zu entdecken, „in denen wir uns bewusst halten, was uns trägt – im Leben und auch im Sterben“.

Auch für das Leben im Glauben seien „Trainingseinheiten“ erforderlich, sprich „Zeiten der Besinnung und der Selbstprüfung, Zeiten der Freude und des Glücks, Zeiten der Liebe und der Hingabe an Menschen, die uns brauchen“, so Bischof Huber. „Wer die Einheit mit Gott erleben will, braucht Zeiten, in denen er sich für Gott öffnet.“

Während der Leichtathletik-WM bemühten sich die Kirchen deshalb ganz bewusst darum, Räume für Gott zu erschließen. „Es ist notwendig, dass Sportlerinnen und Sportler in den Sportlerhotels und im Stadion die Möglichkeiten erhalten sich im Gebet an Gott zu wenden und sich im Gespräch im Glauben auszutauschen.“

Der unvergängliche Siegespreis, den man aus eigener Kraft nicht erringen könne, sei ein Geschenk Gottes und in der Taufe grundgelegt. „Deshalb bestimmt Dankbarkeit unser Leben. Aber auch Dankbarkeit hat ihre Folgen. Es gibt auch eine Disziplin des Glaubens.“