Leiden als Weg zu Gott

Internationales Symposium in Rom zur Theologie des Leibes zu Ende gegangen

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von Carlo Climati

ROM, 14. November 2011 (ZENIT.org).- Vom 9. bis 11. November 2011 fand in Rom am Päpstlichen Athenaeum „Regina Apostolorum“ ein internationales Symposium zum Thema Theologie des Leibes statt.

Am Treffen nahmen Experten aus verschiedenen Ländern teil, die die Thematik aus interdisziplinärer Sichtweise beleuchteten: unter bioethischen, philosophischen, juristischen, biblischen, humanistischen, theologischen, pastoralen sowie unter künstlerischen und kommunikationsbezogenen Aspekten.

Eröffnet wurde das Treffen mit einem Beitrag von Pater Pedro Barrajón LC, Rektor des Päpstlichen Athenaeums Regina Apostolorum, der unterstrich, welch wichtigen Anteil die Theologie des Leibes nach dem sel. Johannes Paul II. zur zeitgenössischen Kultur leiste.

„Die Theologie des Leibes ermöglicht auf bereichernde Art und Weise, Vernunft und Glauben miteinander zu verknüpfen. Das Wort Gottes zu hören und darüber nachzusinnen, indem man sich methodologisch erprobter Mittel bedient, wie von Johannes Paul II. vorgemacht, ist für ein besseres Verständnis der Gottesoffenbarung  von großer Hilfe und fördert das Ergründen der Endbedeutungdes Wortes Gottes“, erklärte P. Barrajón.

Laut dem Rektor stellt die Theologie des Leibes „den menschlichen Körper in einen angemessenen anthropologischen Rahmen, indem er ihn nicht losgelöst von seiner wahrhaften Spiritualität betrachtet und er ihm einen personalistischenund zutiefst menschlichen Charakter zuspricht.“ Die Theologie des Leibes vermöge es, dem Leib das ihm gebührende Gewicht zu geben, „und betont zugleich dessen wesenseigene Begrenztheit, die jedoch im Moment der Auferstehung durch das Wunder der Erlösung überwunden wird.“

Unter den zahlreichen Beiträgen der Tagung ist der Beitrag von Msgr. Zygmunt Zimowski, Vorsitzender des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst, zum Thema Körper und Leiden hervor zu heben. Dieser zitierte aus dem Apostolischen Brief „Salvifici doloris“, in dem Johannes Paul II. erklärt, inwiefern Leiden dem Menschen die Möglichkeit gebe, mit Gott ins Gespräch zu treten.„Was bezüglich des leidenden Leibes aufgezeigt wird, ist seine Öffnung zur Welt in Form seiner Verletzlichkeit. Diese Öffnung führt uns zur Solidarität mit unseren Mitmenschen: Der Leib wird durch das Empfinden von Mitleid zum Symbol der Gemeinsamkeit“, erläuterte Msgr. Zimowski. „Johannes Paul II. betrachtet den Gehalt der körperlichen Erfahrung unter Berücksichtigung des erlösenden Wirkens Christi. Zunächst findet man die Möglichkeit des Leidens als Öffnung gegenüber den anderen vor: ‚Wenn ein Mensch an den Leiden Christi teilhat, dann deshalb, weil Christus sein Leiden dem Menschen geöffnet hat; weil er in seinem Erlöserleiden gewissermaßen selbst an allen menschlichen Leiden teilhat. Wenn der Mensch im Glauben das Erlöserleiden Christi entdeckt, findet er darin zugleich seine eigenen Leiden; im Glauben sieht er sie nun bereichert durch einen neuen Inhalt und eine neue Bedeutung’ (Salvifici Doloris 20). Die konkrete Erfahrung des Leibes, durch die enge Pforte des Leidens schreitend, ermöglicht uns die Verbindung mit dem Menschen sowie mit der Transzendenz Gottes.“

Mit dem Thema des Leidens hat sich auch Pater Paolo Scarafoni LC, Rektor des Europäsichen Universität Roms, auseinandergesetzt, der in seinem Exposé „Leib, Tod und ewiges Leben” eine starke Botschaft der Hoffnung wiedergegeben hat.

P. Scarafoni erinnerte daran, dass „es der Leib ist, der den Weg der Hoffnung auf Auferstehung  eröffnet, uns Christus als unsere Hoffnung aufzeigt und so den Glauben in ihn als das Fundament der Hoffnung bestärkt (vgl. Spe salvi). Die Verkündigung Christi erschallt durch Jahrhunderte hindurch (Osterpredigt 2009 von Benedikt XVI.), die Verkündigung seiner Auferstehung schenke Hoffnung. Darin bestehe das Christentum, der ganze christliche Glauben.

Der Leib scheint diesem Glauben und dieser Hoffnung zu widersprechen. Wir befinden uns in der Situation, erlöst, aber zugleich unfrei zu sein, da unser Leib noch nicht auferstanden ist, er kein seliger Leib ist, noch nicht das ewige Leben erlangt hat. Wir sterben und sehen nicht, wie die Toten auferstehen. Aber eben darum können wir glauben, dass die Auferstehung Eintritt in eine neue Dimension bedeutet und nicht etwa die Rückkehr des Leibes zum gegenwärtigen Leben. Christus gestattet uns nicht, so zu denken, weil er unseren Leib nicht auf diese Weise auferstehen lässt.

Zu behaupten, bereits die Auferstehung zu sehen, die Schwächen des Körpers und auch des Geistes jetzt schon zu besiegen, bedeutet, dass man die Auferstehung auf unsere Dimension herabwürdigt, auch wenn dies vielleicht gemäß unserer Vorstellungskraft die beste Dimension ist, die wir uns vorstellen können. So ist es aber nicht. Die Auferstehung Christi inspiriert und trägt schon jetzt Früchte eines neuen Lebens, aber sie lässt sich nicht auf unseren gegenwärtigen Zustand herabsetzen. Die Auferstehung läutet eine neue Dimension des menschlichen Lebens ein. Das betrifft die ganze Menschheit, die ein neues und zwar göttliches Leben erlangt. Doch geschieht dies einzig und vollkommen in Christus, und uns bleibt, solange wir auf dieser Welt wandeln, nichts als Warten darauf, eingelassen zu werden.“

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen]