Leiden und Tod sind nicht das Ende

Katechese bei der Generalaudienz über Psalm 22

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VATIKANSTADT, 14. September 2011 (ZENIT.org). – Zum Fest Kreuzerhöhung hat Papst Benedikt XVI. bei der Katechese während der Generalaudienz, zu der er im Hubschrauber aus Castel Gandolfo angereist war, die untrennbare Verbindung von Leiden und Auferstehung, von Verzweiflung und Hoffnung, von dem scheinbar schweigenden Gott, der doch niemals abwesend sei, betont. Psalm 22 weise auf das Kreuzesleiden Christi hin und bringe den doppelten Aspekt der Passion zum Ausdruck: Erniedrigung und Verherrlichung, Tod und Leben.

„Im tiefsten Leid angesichts seiner verzweifelten Situation, angesichts von Gottes scheinbarer Abwesenheit und seinem Schweigen ruft er aus:„'Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?' Er fühlt sich verlassen“, so der Papst.

Aber der Beter gebe die Hoffnung nicht auf, dass Gott ihn erhöre und so öffne sich sein beten zum großen Lobpreis Gottes. Er sei gewiss „dass mitten im Schweigen und in der Abwesenheit Gottes seine Gegenwart da ist und sich auftun wird auf eine Weise, die er selber noch nicht sehen kann.“

Diesen Psalm habe sich Christus zu Eigen gemacht, indem er die Anfangsworte gerufen und „damit den ganzen Abgrund seines Leidens vor Gott und vor uns hingestellt hat“.

Aber diese Worte enthielten bereits die Gewissheit der Erhörung, der Auferstehung und der Bekehrung der Heiden.

„So ist darin enthalten einerseits die ganze Passion Jesu Christi, die die Passion der Menschheit vor dem schweigenden Gott auf sich nimmt, und die ganze Herrlichkeit Christi, der in der Welt mitten im Leiden der Martyrer immer wieder siegt und immer wieder Gottes Herrlichkeit und Güte zeigt“, erklärte der Papst.

Leiden und Tod seien nicht das Ende und Gottes Schweigen sei nicht das letzte.

Wir dokumentieren die offizielle deutsche Zusammenfassung.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Das Fest Kreuzerhöhung, das wir heute feiern, ist ein geeigneter Anlass, über den Psalm 22 zu sprechen, ein Gebet, das uns auf das Kreuzesleiden Christi hinweist und den doppelten Aspekt seiner Passion – Erniedrigung und Verherrlichung, Tod und Leben – zum Ausdruck bringt. Der Psalm stellt uns die Gestalt eines unschuldig Verfolgten vor Augen, den seine Bedränger töten wollen. Er aber nimmt in seiner schmerzerfüllten Klage Zuflucht zu Gott. In seinem Gebet wechseln sich die bedrängende Wirklichkeit der Gegenwart und die tröstliche Erinnerung über die Hilfe Gottes in der Vergangenheit ab. Im tiefsten Leid angesichts seiner verzweifelten Situation, angesichts von Gottes scheinbarer Abwesenheit und seinem Schweigen ruft er aus: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Er fühlt sich verlassen. Gott antwortet nicht. Und doch nennt er den Herrn „Mein Gott“; er bleibt sein Gott, er gibt die Hoffnung nicht auf, dass Gott ihn hört und erhört. In dieser Gewissheit des Glaubens öffnet sich sein Beten zum großen Lobpreis Gottes. Er weiß, dass die großen Taten Gottes nicht nur Vergangenheit sind, sondern auch Gegenwart und Zukunft, dass mitten im Schweigen und in der Abwesenheit Gottes seine Gegenwart da ist und sich auftun wird auf eine Weise, die er selber noch nicht sehen kann. Diesen Psalm hat sich Christus am Kreuz zu eigen gemacht, indem er seine Anfangsworte gerufen und damit den ganzen Abgrund seines Leidens vor Gott und vor uns hingestellt hat. Aber in den Anfangsworten zu dem schweigenden Gott ist doch auch der ganze Psalm mit seiner Gewißheit der großen Erhörung, der Auferstehung, der Bekehrung der Heiden schon anwesend. So ist darin enthalten einerseits die ganze Passion Jesu Christi, die die Passion der Menschheit vor dem schweigenden Gott auf sich nimmt, und die ganze Herrlichkeit Christi, der in der Welt mitten im Leiden der Martyrer immer wieder siegt und immer wieder Gottes Herrlichkeit und Güte zeigt. Leid und Tod sind nicht das Ende, und Gottes Schweigen ist nicht das letzte, Gott schenkt Leben und zeigt sich uns. Demgemäß sagt Jesus später zu den Emmausjüngern: »Musste nicht der Messias all dieses leiden, um so in seine Herrlichkeit einzugehen?« (Lk 24,26) und weist uns damit hin auf den für uns oft schwer fassbaren und doch wesentlichen Zusammenhang von Leid, Abwesenheit Gottes und neuer Herrlichkeit des Herrn. Wir wollen darum bitten, dass wir im Schweigen Gottes nicht verzagen. Wir wollen ihn bitten, dass er sich uns hörbar macht, dass wir mitten in den Nöten dieser Zeit auch seine Herrlichkeit und Güte erkennen dürfen.

Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:

Ganz herzlich grüße ich die deutschsprachigen Pilger und Besucher. Gott verlässt uns nicht. Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht aufhören, im Gebet bei ihm anzuklopfen, ja zu ihm hin zu schreien, wie der Herr es getan hat. Er wird auch in uns das Licht der Auferstehung anzünden. Gott begleite Euch alle! Herzlichen Dank.

[© Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana]