Leidenschaft für die Wahrheit

Eine Neuerscheinung dokumentiert die wichtigsten Augustinus-Texte aus dem Pontifikat Benedikts XVI.

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Von Guntram Matthias Förster



WÜRZBURG, 17. September 2009 (Die Tagespost.de/ZENIT.org).- Eine seiner ersten Pastoralreisen innerhalb Italiens führte Papst Benedikt XVI. in die altehrwürdige Universitätsstadt Pavia. In der dortigen Kirche San Pietro in Ciel dOro hat der heilige Augustinus von Hippo seine letzte irdische Ruhestätte gefunden. Mit diesem Pilgerbesuch im April 2007 brachte Benedikt XVI. seine ganz persönliche Verehrung und Dankbarkeit gegenüber jenem Kirchenvater zum Ausdruck, der „so sehr teil hatte an meinem Leben als Theologe und als Hirte - aber davor noch, so würde ich sagen, als Mensch und als Priester".

Mit einer Doktorarbeit über die Ekklesiologie des nordafrikanischen Kirchenvaters („Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche") hatte Joseph Ratzinger als Dreiundzwanzigjähriger seine akademische Laufbahn begonnen. Diese Dissertation bedeutete den Eintritt in ein Gespräch mit dem Kirchenvater, aus dem Ratzinger zeit seines Wirkens als Professor, Konzilstheologe, Bischof und Kurienkardinal entscheidende Impulse empfing und das auch seinen Pontifikat als Papst Benedikt XVI. prägt.

Der Augsburger Sankt Ulrich Verlag hat nun die bedeutendsten Augustinus gewidmeten Verlautbarungen aus der bisherigen Amtszeit Papst Benedikts XVI. in einem ansprechend gestalteten Bändchen versammelt. Der Titel „Augustinus - Leidenschaft für die Wahrheit" ist trefflich gewählt, bringt er doch das Augustinus und seinen Schüler auf dem Stuhl Petri verbindende Lebensthema auf den Punkt. Die enthaltenen Texte, die höchst unterschiedlichen Genres entstammen, sind in zwei Abschnitte gegliedert. Im ersten Teil: „Papst Benedikt XVI. spricht über Augustinus" sind Texte nachzulesen, mit denen der Papst den Gläubigen die Person des Kirchenvaters empfiehlt. Darunter befinden sich, neben den Papstworten beim eingangs genannten Besuch am Grab des Heiligen, eine sonntägliche Angelus-Ansprache am Fest der heiligen Monika über Augustinus und seine Mutter sowie fünf Augustinus-Katechesen, die bei der traditionellen Mittwochsaudienz auf dem Petersplatz gehalten wurden und den Kernbestand des vorliegenden Büchleins bilden. Diese fünf Ansprachen bieten einen hervorragenden ersten Zugang zur Person und den theologischen wie spirituellen Grundanliegen des Bischofs von Hippo, und zwar in jener verständlichen Sprache, die seit jeher ein Markenzeichen Ratzingers darstellt.

Wie der gegenwärtige Papst theologische Themen aus dem Dialog mit seinem Lieblingskirchenvater entwickelt, zeigen exemplarisch Texte, die im zweiten Teil („Papst Benedikt XVI. denkt mit Augustinus") angeführt werden. Zuvörderst sind hier längere Passagen aus der Enzyklika „Spe salvi" zu nennen. Zwei Homilien zeigen eindrucksvoll, wie der Papst den Gläubigen den spirituellen Reichtum augustinischer Schriftauslegung zu erschließen vermag. Das Büchlein schließt mit der Ansprache, die Benedikt bei der großen Vigilfeier des Weltjugendtags in Sydney 2008 gehalten hat. Der Papst findet darin sehr persönliche Worte über seinen eigenen Glaubensweg und bringt, ausgehend von den Schriften Augustins, seinen 300 000 jugendlichen Hörern aus aller Welt die Lehre über den Heiligen Geist nahe.

Die vorliegende Sammlung zeigt Papst Benedikt XVI. als existenziellen Denker aus der Schule des heiligen Augustinus, und sie bedeutet zugleich die denkbar beste Einladung, sich mit dem Werk des Kirchenvaters selbst zu beschäftigen: „Wenn ich die Schriften des heiligen Augustinus lese, habe ich nicht den Eindruck, dass es sich um einen Mann handelt, der vor mehr oder weniger 1 600 Jahren gestorben ist, sondern ich spüre ihn wie einen Menschen von heute: einen Freund, einen Zeitgenossen, der zu mir spricht, der mit seinem frischen und aktuellen Glauben zu uns spricht."

[Benedikt XVI.: Augustinus. Leidenschaft für die Wahrheit. Sankt Ulrich Verlag, Augsburg, 2009, gebunden, 142 Seiten, EUR 12,90; © Die Tagespost vom 15. September 2009]