Leihmütter im Visier

US-Bischofskonferenz hat in März eindeutig gegen das Verfahren Position bezogen

Rom, (ZENIT.org) Dr. Edith Breburda | 604 klicks

Im Bundestaat Wisconsin im mittleren Westen der USA wurde vergangenen Freitag die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe gesetzlich eingeführt. Noch am selben Nachmittag ließen sich die ersten Paare ihre Union bestätigen, in der Sorge, dass das Urteil wieder aufgehoben werden könnte.

Das neue Gesetz wurde auch von einigen Pfarrern der reformierten protestantischen Kirche begrüßt. So traute Eric Koepnick von der Vereinigten Kirche Christi in der eigenen Gemeinde in Milwaukee Paare. Der 42-jährige Pastor Warner der Plymouth Kirche in Milwaukee hatte schon vor 14 Jahren seinen Partner „kirchlich“ geheiratet. Sie haben zwei Kinder adoptiert.

Der Katholische Bischof von Madison, Robert Morlino, zeigte sich enttäuscht, dass das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe im Bundesstaat Wisconsin aufgehoben wurde. Er gab zu bedenken, dass die Freigabe der gleichgeschlechtlichen Ehe andere gesellschaftliche Probleme hervorrufen werde. So wie bei einem Domino-Effekt. „Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber unseren Nachfahren“, betonte der Bischof in einem Interview mit dem Wisconsin State Journal.

2013 hat ein Senator von Louisiana, der zwei eigene Kinder von verschiedenen Leihmüttern hat, ein neues Gesetz vorgeschlagen, das homosexuellen Paaren mithilfe einer Leihmutter eigene Kinder ermöglicht. Für sie stellt die In-Vitro-Fertilisation den einzigen Weg dar, um eigene Kinder zu bekommen. Nach einer heterogenen Insemination wird der Embryo in die Gebärmutter einer Leihmutter eingesetzt. Ohne künstliche Befruchtung gäbe es keine Leihmutter-Schwangerschaften, tiefgefrorene Embryos, Donorkinder mit unzähligen Halbgeschwistern, Stammzellforschung und Pränataldiagnostik (PID).

Gouverneur Bobby Jindal aus Louisiana hatte sich jüngst gegen Leihmütterschaft ausgesprochen. Diese seien Ausdruck von einem Respektverlusts vor dem Leben. Der Präsident des Familien-Forums in Louisiana, Gene Mills, gab zu bedenken, dass durch die Techniken der In-Vitro-Fertilisation unweigerlich Embryonen zerstört werden. Dies sei das eigentliche ethische und moralische Dilemma. Auch würden Leihmütter den Begriff und die Institution der Familie neu definieren.

Die US-Bischofskonferenz hat am 28. März 2014 eindeutig gegen das sogenannte Leihmütterverfahren Position bezogen. Sie verurteilt die Kommerzialisierung und die utilitaristische Absicht, die hinter einer Leihmutterschaft steht und damit die Frau degradiert. In dem Dokument „Donum Vitae“ heißt es, dass man weder den Mutterschoß wie einen Brutkasten vermieten noch das werdende Kind zur Ware degradieren kann. Eine Leihmutter sei nicht im Einklang mit der Würde der Frau, ihr Wert würde auf eine Dienstleistung heruntergefahren.

Die amerikanischen Bischöfe heben auch hervor, dass durch die Option einer Leihmutterschaft das entstehende Leben nicht geschützt würde. Davon abgesehen sei das Schicksal der überzähligen Embryos, die bei der künstlichen Befruchtung entstehen, ungewiss, weil man ihnen nicht ihre menschliche Würde zugesteht und sie oft „entsorgt“ werden.

Die moderne Medizin spricht zwar davon, die künstliche Befruchtung „sicherer zu machen“. Doch die Wissenschaftler verstehen in erster Linie darunter, ein vollkommen gesundes, „fehlerfreies“ Kind herzustellen.

Ein Bericht in Science Magazin vom 3. Juni 2014 („U.K. report says proposed IVF technique is likely safe“) beschreibt eine ganz neue Methode, um Erbkrankheiten auszuschalten. Man bezieht sich auf die „mitochondrial-DNA replacement therapy“. Mitochondrien, die als das Kraftwerk der Zelle bezeichnet werden, befinden sich im Zellplasma. Sie besitzen ihr eigenes Erbgut, ihre eigene DNA. Mitochondrien versorgen die ganze Zelle mit der nötigen Energie. Mitochondrien stammen von der mütterlichen Eizelle. Die Mitochondrien der Spermien dringen bei der Befruchtung nicht in die Eizelle ein. Sie werden von Enzymen abgebaut. Bei Spermienzellen bleibt nur die DNA des Zellkerns erhalten und sorgt für die Rekombination des Erbgutes, das heißt, alle Kinder erhalten nur die Mitochondrien-DNA der Mutter, der Mann kann seine Mitochondrien nicht weitervererben. So konnte man die DNA zurückverfolgen bis zu einer Ursprungsfrau, die man die „Mitochondriale Eva“ nennt. Sie lebte vor etwa 200.000 Jahren in Afrika.

Mitochondrien-Eiweiße und Kerneiweiße müssen miteinander harmonieren. Sowohl der Zellkern als auch die Mitochondrien im Zellplasma verfügen über Erbinformationen. Die Mitochondrien  haben ihre eignen Gene und stellen rund ein Dutzend eigener Eiweiße her. Die meisten anderen Proteine, die sie zum Arbeiten brauchen, werden ihnen von den Genen des Zellkerns geliefert. Es gibt Berichte über Antikörper, die gegen die Kerneiweiße gerichtet sind und so zum Zelltod führen können. Mitochondrien-Gene können krebserregend sein und zum septischen Schock beitragen. 

Um mitochondriale Erbkrankheiten auszuschalten, versuchen Wissenschaftler das genetische Material einer Eizelle mit defekten Mitochondrien in eine Spendereizelle mit gesunden Mitochondrien zu transferieren. Der entstehende Embryo besitzt die mütterliche und väterliche Kernzell-DNA und die mitochondriale DNA von einer Eizellspenderin. Im elterlichen Erbgut werden somit Mitochondrien eines Dritten implantiert. Das Kind hätte also gentechnisch gesehen drei Eltern.

Somit könnte eine Mutter, die „defekte“ Mitochondrien hat, ein gesundes Kind gebären. Momentan ist ein derartiges Verfahren in Großbritannien noch verboten, da das gesamte genetische Material aller Nachfahren der so entstandenen Menschen verändert würde. Auch könnten aus Versehen dennoch kranke Mitochondrien bei einem Transfer „verschleppt“ werden und damit die Gesundheit des so entstandenen Menschen beeinträchtigen.

In Großbritannien bemüht sich die „Human Fertilisation and Embryology Authority“ um die Genehmigung der „mitochondrial DNA replacement therapy“ durch das Parlament. Die Regierung hat vorerst mehr Versuchsreihen verlangt, um das Verfahren „sicher“ zu machen. So will man mehr Embryos herstellen, die durch die „drei mitwirkenden Eltern“ entstanden sind. Die Embryos sollen nicht implantiert werden. Man benötigt sie zum Vergleich mit Kontrollembryos und ihren Stammzellen. Nur durch solche Studien könne man ein „Placet“ für das neue Verfahren beschleunigen, heißt es in dem Artikel von Gretchen Vogel im Science Magazin.

Die Autorin ist als Biomedizinexpertin in Madison, der Metropole der US-Stammzellenforschung, tätig. Im deutschen Sprachraum veröffentlichte sie neben der Autorentätigkeit für die Lebensschutzorganisation ALfA unter anderem das Buch:
Edith Breburda: 
Die Verheißungen der neuesten Biotechnologien, Stein am Rhein, Christiania Verlag 2010.