Leonhard (6. Jahrhundert)

Abt und Klostergründer

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 294 klicks

Der älteste und wichtigste Wallfahrtsort für die Verehrung des heiligen Leonhard in Deutschland ist Inchenhofen bei Aichach-Friedberg in Schwaben. Bis ins 13. Jahrhundert zurück lassen sich Pilgerfahrten in den bayerischen Ort zurückverfolgen. Die ursprüngliche Kapelle wich bald einer Wallfahrtskirche, die im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Umbaumaßnahmen erfuhr. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ist die Kirche St. Leonhard mit einer Ausstattung im Stile des Rokoko versehen, dessen Hauptwerk der Hochaltar mit dem Gnadenbild des heiligen Leonhard (um 500-559), vermutlich nach einem Entwurf von Egid Quirin Asam (1692-1750), ist. Auch der Kircheninnenraum ist mit Szenen aus dem Leben des Heiligen ausgestattet. Die Fresken schuf der aus Inchenhofen stammende Künstler Ignaz Baldauf (1715-1795).

Das Leben des Heiligen ist in nur Legenden überliefert. Man vermutet, dass er aus einer adeligen Familie stammte und von Bischof Remigius getauft worden sei, wie es auch das Deckenfresko über dem Altarraum wiedergibt. Zur Kindheit und Jugend Leonhards finden sich keine Überlieferungen. Der Legende nach soll sich der Heilige sich zu Beginn des 6. Jahrhunderts in eine Einsiedelei in Nobiliacum, dem heutigen St. Léonard-de-Noblat in der Nähe von Limoges, begeben haben. Die Übernahme eines Bistums hatte Leonhard verweigert, wie im Fresko über dem Triumphbogen dargestellt ist. Die Legende erzählt, viele Menschen hätten die Einsiedelei des Heiligen aufgesucht, um Rat und Hilfe zu erbitten. Besonders setzte sich Leonhard, so die Überlieferung, für die Gefangenen ein. Vielfach habe er sich bei König Chlodwig für ihre Freilassung eingesetzt. Es heißt sogar, dass die Fesseln der Gefangenen zersprungen seien, wenn die Inhaftierten den Namen des Heiligen gerufen hätten.

Weitere Episoden aus dem Leben des Heiligen erzählen die im Langhaus angebrachten Fresken: König und Königin waren reitend im Wald unterwegs, als die Königin von Wehen überrascht wurde. Der heilige Leonhard, zu Hilfe geeilt, betete für die Königin, die einen gesunden Knaben zur Welt brachte. Der König wollte daraufhin den Heiligen reichlich mit Gold und Silber belohnen, doch dieser lehnte ab. Leonhard bat, so viel Land zu erhalten, wie er an einem Tag mit einem Esel abreiten könne. So geschah es, und der Heilige gründete das Kloster von Noblat, wo er bis zu seinem Tod am 6. November 559 blieb.

Am Gedenktag des Heiligen, dem 6. November, wird in Inchenhofen seit dem 15. Jahrhundert ein 125 Kilogramm schwerer Nagel, der sogenannte „Leonhards-Nagel“, als Bußakt um die Kirche getragen. Am „Leonhardifest“ wird außerdem eine Prozession veranstaltet, bei der eine Eisenfigur des heiligen Leonhard mitgeführt wird, die sonst in der Kirche von Inchenhofen aufgestellt ist. Ein weiterer, weit verbreiteter Brauch ist der sog. „Leonhardsritt“. Dreimal reitet man auf geschmückten Pferden um die Kirche, die anschließend mit einem Stück Brot, dem sog. „Leonhardibrot“, gefüttert werden.