Leserbrief

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ROM, 10. April 2012 (ZENIT.org). – Zu unserem Beitrag  „Ein Gott, der in die Hölle hinabsteigt“ erreichte uns folgender Leserbrief:

Als Philosoph hat mich folgende Stelle besonders beeindruckt: „Von Balthasar argumentiert bei seinen Überlegungen über die Kenosis der Menschwerdung, dass die Veräußerung Gottes in der Menschwerdung ihre „ontologische Grundlage in der ewigen Veräußerung Gottes, in seiner dreipersönlichen Hingabe“, habe. Die Kenosis ist ein Geschehen im Herzen der Dreieinigkeit und besitzt ihre Voraussetzung im „Altruismus“ der Hypostasen der Dreieinigkeit. Diese „grundlegende Kenosis“ ist schon in der Schöpfung gegenwärtig, denn „Gott nimmt seit Ewigkeit die Verantwortung für ihr Gelingen auf sich (indem er auch die Freiheit des Menschen mit einbezieht)“. In diesem Sinne teilt von Balthasar mit dem orthodoxen Theologen Sergej Bulgakov die Aussage, wonach: „Das Kreuz Christi von Anbeginn in die Schöpfung der Welt eingeschrieben ist“."(Robert Cheaib). - Das Geheimnis des Anfangs wird von dem „Ende" (Karsamstag) betrachtet. Es gibt keine „Notwendigkeit der Sünde"(Hegel). Deswegen spricht Hans Urs von Balthasar von Freiheit. Die Freiheit des Menschen ist in diesem Anfang berücksichtigt. „Davor" gab es eine „innergöttliche Hingabe", die erste und letzte Modalität der Wirklichkeit - eine Bewegung der Liebe, ein Ereignis der Liebe.  „Dann" kommt der Anfang: das Sein wird nicht nur innergöttlich, sondern auch als „endliches Sein" gewollt. In diesem Akt des Seins als Gabe ist die Möglichkeit, nicht die Notwendigkeit (aber ich gebe zu, dass ich mich hier auf einer Höhe/Tiefe des Nachdenkens bewege, wo ich ganz stark eine sicherere Hand als die meine nötig hätte, um die Linie richtig zu skizzieren) des Kreuzes von Anfang an eingeschrieben. Dieser Anfang ist das Jawort Marias - Gott hat keinen Anfang. Der Anfang ist etwas Endliches. Es gibt keinen unendlichen Anfang!. Dieses Jawort des Anfangs motiviert Gott auch, die verneinende menschliche Freiheit ernst zu nehmen. Und in der Tat: In dem Text von Genesis 3 ist die Frau, die Feindschaft mit der Schlange haben wird, kurz nach dem Anfang bedroht - aber hier hat die Sünde schon stattgefunden. Sie war keine Notwendigkeit, aber nun ist sie ein Faktum. In diesem Jawort gibt es eine Kenosisbereitschaft, das Schwert das Simeon Maria voraussagt - der Möglichkeit nach handelt es sich hier um eine „prophetia ex eventu". Durch dieses Jawort des Anfangs wird der Sohn, der sich innergöttlich schon immer  dem Vater „ausgeliefert" hat, Mensch, bereit, das angefangene Descensus bis zum Letzen zu erleben: also am Karsamstag bis zum Tod, zum Kadaver- Sein! Bis dahin kommt die Liebe, wie Robert Cheaib gut erklärt.

Roberto Graziotto

[Leserbriefe stellen nicht die Meinung der Redaktion dar. Kürzungen vorbehalten.]