Leserbrief

Leserbrief* zum Leserbrief von Norbert Stillfried ZENIT 24.4.2012

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ROM, 25. April 2012 (ZENIT.org). -

Herr Stillfried spricht in seinem Dank an Bischof Algermissen von der „Unhaltbarkeit des Hirntod-Konzeptes der Transplantationsmedizin“ und führt dafür auch einige ganz zutreffende Argumente an. Er schreibt auch ganz zutreffend, dass die Organentnahme bei Sterbenden im Widerspruch zum 5. Gebot steht. Umso unverständlicher ist es, dass er schließlich doch die Organentnahme bei Sterbenden gutheißt, sie sogar mit einem Jesuswort moralisch zu überhöhen sucht.

Heiligt also der Zweck – einem anderen das Leben zu verlängern – die Mittel, d. h. die Tötung? Es ist ja die Einwilligung, dass Ärzte und das ihnen zuarbeitende medizinische Personal, gegen das 5. Gebot verstoßen, also schwer sündigen. Es ist die Einwilligung, dass die Organempfänger ihr Gewissen belasten, weil ein anderer getötet wurde, um ihr leibliches Leben eine Zeitlang zu verlängern. Und darf wirklich der „Organspender“ sich ohne Sünde töten lassen – ist ER also Herr über sein Leben – und nicht Gott?

Ist mit dieser Logik nicht auch der (angebliche) Wunsch schwerkranker oder alter Menschen nach „Sterbehilfe“, Euthanasie, also Tötung oder assistierter Selbsttötung, gutzuheißen? Denn sie ersparen ja ihren Angehörigen die womöglich langwierige Pflege, sie helfen den Krankenkassen und der Gesellschaft sparen usw.!

Papst Johannes Paul II. schrieb in der Enzyklika „Evangelium vitae“: „Das Töten eines Menschen, in dem das Bild Gottes gegenwärtig ist, ist eine besonders schwere Sünde. Gott allein ist Herr des Lebens!“ (Nr. 55) und er bekräftigt in faktisch unfehlbarer Weise: „Mit der Petrus und seinen Nachfolgern von Christus verliehenen Autorität bestätigte ich …, dass die direkte und freiwillige Tötung eines unschuldigen Menschen immer ein schweres sittliches Vergehen ist“ (Nr. 57). Er sagt nicht (und kann auch nicht sagen), dass diese direkte und freiwillige Tötung dann kein schweres sittliches Vergehen sei, wenn der Betroffene das selber aus einem gut scheinenden Motiv heraus wolle. Im Gegenteil, auch die Euthanasie und den Selbstmord charakterisiert der Papst in gleicher Weise als „schwere Verletzung des göttlichen Gesetzes“ (Nr. 65, vgl. 66). Und Papst Benedikt XVI. betonte in seiner Ansprache im November 2008 ausdrücklich, dass eine Organentnahme allein erlaubt ist „aus einer Leiche (‚ex cadavere‘), deren Tod sicher festgestellt ist“.

Das Wort Jesu von der „größeren Liebe“ hebt nicht das 5. Gebot auf. Und auch Sein Kreuzesopfer lässt sich hier in keiner Weise zum Vergleich oder Vorbild heranziehen, denn er hat weder dem Hohen Rat noch Pilatus gesagt: Ihr dürft, ja sollt mich töten – denn damit rette ich die Menschheit. Man beachte Lk 23, 34: „Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Wieso „vergeben“, wenn es doch die Ausführung einer „höchsten Respekt“ verdienenden Entscheidung wäre?

P. Manfred Amann, 79809 Weilheim

[*Leserbriefe stellen nicht die Meinung der Redaktion dar. Kürzungen vorbehalten.]