Letzter Brief des ermordeten irakischen Priesters Ragheed Ganni

| 1028 klicks

MOSUL, 5. Juni 2007 (ZENIT.org).- Vier Tage vor seinem gewaltsamen Tod am Dreifaltigkeitssonntag in Mosul (Nordirak) ließ Pfarrer Ragheed Gianni dem internationalen pastoralen Hilfswerk „Kirche in Not“ einen Brief zukommen, in dem er seine Freude an der Arbeit für das Reich Gottes zum Ausdruck bringt.



Der Priester, der mit drei Diakonen einem Attentat zum Opfer fiel, hatte dank der Unterstützung des Hilfswerks von 1996 bis 2003 an der Päpstlichen Universität Angelicum in Rom studiert. „Ich möchte Sie nur wissen lassen, dass ich stets für Sie bete, damit der Herr Sie vor allem Bösen bewahre“, heißt es in dem Schreiben.

P. Ganni versichert darin, dass es für ihn ein „Privileg“ sei, jederzeit aufzuzeigen, dass „sich die göttliche Vorsehung durch bescheidene Leute offenbart, die einzig und allein das Ziel haben, dem Beispiel Jesu folgend für das Reich Gottes zu arbeiten“.

Marie-Ange Siebrecht, Verantwortliche für den Bereich Irak bei „Kirche in Not“, kannte den ermordeten Priester persönlich. Sie betone, dass junge Priester wie Pfarrer Gianni für die Kirche im Irak ein „Zeichen der Hoffnung“ darstellten, weil sie bereit seien, sich für ihr Land einzusetzen.

Jetzt habe Pfarrer Ganni sogar sein Leben hingeben müssen, aber es sei nicht vergeblich gewesen, versicherte Siebrecht, die mit Worten des Kirchenvaters Tertullian darauf hinwies, dass das Blut der Märtyrer der „Samen des Christentums“ sei.

Der Tod des Geistlichen habe sie allerdings zutiefst erschüttert. Angesichts der dramatischen Situation, in der sich nun auch der Nordirak befindet, forderte sie: „Wir müssen uns mit den irakischen Christen solidarisch zeigen!“

P. Ganni informierte „Kirche in Not“ in seinem Brief über den zunehmenden Mangel an Priestern: Viele Priester hätten das Land aufgrund der schwierigen Umstände beziehungsweise zur Unterstützung der irakischen Flüchtlinge verlassen. Die häufigen Entführungen und die Misshandlungen, die die christliche Minderheit in diesem Land erleide, treffe in erster Linie die Angehörigen des Klerus.

In dem Schreiben bezeichnet es der ermordete Pfarrer als Segen, den Gründer von „Kirche in Not“, den Prämonstratenserpater Werenfried van Straaten, persönlich kennen gelernt zu haben: „Das Treffen mit diesem heiligen Mann war für mich ein unvergesslicher Moment.“

P. Werenfried van Straaten habe sein 1947 gegründete Werk nicht an erster Stelle als Hilfsorganisation betrachtet, da er seine Hauptaufgabe darin gesehen habe, „ ein Martyriologium der modernen Zeiten zu schreiben“ - allerdings „nicht von einem Büro aus, sondern als Augenzeuge und folglich mit größten Mitleid und Mitgefühl“.

Der Gründer von „Kirche in Not“ pflegte zu sagen: „Das Leiden der Märtyrer ist für uns alle nützlich. Deshalb gilt auch: im Namen Jesu zu leiden, mit dem Jesus, der leidet, vereint zu werden und an seinem Erlösungswerk teilzuhaben, ist eine große Ehre.“