Letztes Motuproprio von Benedikt XVI.: Normas nonnullas

Einige Änderungen bei der Wahl eines Nachfolgers Petri

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 1593 klicks

Papst Bendikt XVI. hat mit seinem apostolischen Schreiben in Form eines Motuproprio „Normas nonnullas" vom 22. Februar einige Änderungen und Präzisierungen bei den Konklave-Bestimmungen vorgenommen.

[Wir veröffentlichen den ersten Teil des Motuproprio (inklusive der zu leistenden Eid-Formel für die wahlberechtigten Kardinäle) in einer eigenen Übersetzung:]

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Apostolisches Schreiben in Form eines Motuproprio über einige an den Normen  der Wahl des Papstes von Rom vorgenommene Änderungen

Mit dem in der Form eines „Motuproprio“ am 11. Juni 2007, im dritten Jahr meines Pontifikates in Rom veröffentlichten Apostolischen Schreibens „De aliquibus mutationibus in normis de electione Romani Pontificato“ setzte ich einige Normen fest, die jene abänderten, die in Nummer 75 der von meinem Vorgänger, dem seligen Johannes Paul II., am 22. Februar 1996 erlassenen Apostolischen Konstitution „Universi Dominici gregis“ enthalten sind und die traditionelle Norm, wonach für die gültige Wahl des Papstes von Rom stets die Zweidrittelmehrheit der Stimmen der anwesenden wahlberechtigten Kardinäle erforderlich ist, wiederhergestellt haben.

In Anbetracht der Bedeutung, den bestmöglichen Verlauf aller mit der Wahl des Papstes von Rom verbundenen, wenn auch unterschiedlich relevanter, Vorgänge zu garantieren, insbesondere eine größere Sicherheit in der Interpretation und Durchführung einiger Anordnungen, bestimme ich, dass einige Normen der Apostolischen Konstitution „Universi Dominici gregis“ und die von mir im oben genannten Apostolischen Brief verfügten Anordnungen durch nachstehende Normen ersetzt werden:

N. 35. Kein wahlberechtigter Kardinal darf von der aktiven oder passiven Wahl aus irgendeinem Grund oder Vorwand ausgeschlossen werden, unbeschadet der Vorschriften laut Nr. 40 und Nr. 75 der vorliegenden Konstitution.

Nr. 37. Ferner bestimme ich, dass ab dem Zeitpunkt des Eintritts der rechtmäßigen Vakanz des Apostolischen Stuhles und dem Beginn des Konklave fünfzehn Tage lang auf die Abwesenden gewartet wird; ich erteile dem Kardinalskollegium jedoch die Befugnis, den Beginn des Konklaves vorzuziehen, sofern die Anwesenheit sämtlicher wahlberechtigter Kardinäle gegeben ist, sowie die Befugnis, den Beginn der Wahl im Falle schwerwiegender Gründe um einige Tage zu verzögern. Nach höchstens 20 Tagen ab dem Eintritt der Sedisvakanz sind sämtliche anwesenden wahlberechtigten Kardinäle jedoch dazu verpflichtet, die Wahl durchzuführen.

Nr. 43. Ab dem festgelegten Zeitpunkt des Beginns der Wahlhandlungen bis zur öffentlichen Bekanntmachung der erfolgten Wahl des Papstes oder jedenfalls bis zu jenem Zeitpunkt, den der neue Papst festgelegt haben wird, sind die Räumlichkeiten der „Domus Sanctae Marthae“ sowie insbesondere die Sixtinische Kapelle und die für die liturgischen Feiern vorgesehenen Räume für nichtautorisierte Personen durch die Autorität des Kardinal-Camerlengo unter der äußeren Mitwirkung des Vize-Camerlengo und des Substituten des Staatssekretariates geschlossen zu halten, gemäß dem, was in den folgenden Nummern festgelegt ist. 

Das gesamte Gebiet der Vatikanstadt und auch die gewöhnliche Aktivität der Ämter, deren Sitz sich darin befindet, müssen für den genannten Zeitraum so geregelt sein, dass die Diskretion und der unabhängige Ablauf aller Vorgänge, die mit der Wahl des Papstes verbunden sind, gewährleistet sind. Insbesondere muss mithilfe der Prälaten der Apostolischen Kammer dafür gesorgt werden, dass die wahlberechtigten Kardinäle auf dem Weg vom „Domus Sanctae Marthae“ zum Apostolischen Palast im Vatikan von niemandem erreicht werden können.

Nr. 46, Abs. 1. Um den persönlichen und amtlichen Erfordernissen in Zusammenhang mit dem Wahlverlauf entgegenzukommen, müssen folgende Personen verfügbar sein und daher eine angemessene Unterbringung in geeigneten Räumen innerhalb der in Nr. 43 der vorliegenden Konstitution festgesetzten Grenzen sein: der Sekretär des Kardinalskollegiums, der als Sekretär der Wahlversammlung fungiert; der Päpstliche Zeremoniemeister mit acht Zeremoniären und zwei Ordensleuten der Päpstlichen Sakristei; ein Kleriker, der vom Kardinaldekan oder vom Kardinal an seiner Stelle ausgewählt wurde, um ihn in seinem Amt zu unterstützen.

Nr. 47. Sämtliche in Nr. 46 und Nr. 55, Abs. 2 der vorliegenden Apostolischen Konstitution aufgelisteten Personen, die aus welchen Gründen und zu welcher Zeit auch immer von jemandem Kenntnis über direkt oder indirekt zur Wahl gehörende Handlungen erhält, insbesondere was die Wahlgänge betrifft, sind zu strenger Geheimhaltung jeder Person gegenüber verpflichtet, die nicht Teil des Kollegiums der wahlberechtigten Kardinäle ist: Aus diesem Grund müssen sie vor Beginn der Wahlhandlungen gemäß den Modalitäten und der Form, wie sie in der nachstehenden Nummer ausgeführt sind, einen Eid ablegen.

Nr. 48. Die in Nr.  46 und Nr. 55, Abs. 2 der vorliegenden Konstitution genannten Personen müssen, nachdem sie gebührend über die Bedeutung und die Tragweite des zu leistenden Eides unterrichtet worden sind, vor Beginn der Wahlhandlungen vor dem Kardinal-Camerlengo oder einem anderen von ihm delegierten Kardinal im Beisein zweier Apostolischer Pronotare „di numero partecipanti“ zu gegebener Zeit nachstehende Eidesformel sprechen und unterschreiben:

Ich, N. N., verspreche und schwöre die vollkommene Geheimhaltung all jenen gegenüber, die nicht zum Kollegium der wahlberechtigten Kardinäle zählen, und zwar auf ewig, sofern ich nicht eine ausdrückliche Sondererlaubnis des neugewählten Papstes oder dessen Nachfolgern erhalte, über alles, das die Wahl und die Abstimmung für die Wahl des Papstes direkt oder indirekt betrifft.

Ebenso verspreche und schwöre ich,  von der Verwendung von Aufnahmegeräten zur Registrierung sprachlicher oder visueller Informationen während der Zeit der Wahl innerhalb der Vatikanstadt und besonders dessen, was direkt oder indirekt in irgendeiner Weise mit den Wahlhandlungen selbst in Zusammenhang steht.

Ich erkläre, dass ich diesen Eid im Bewusstsein ablege, dass eine Übertretung desselben meiner Person gegenüber zur Strafe der dem Apostolischen Palast vorbehaltenen Exkommunikation „latae sententiae“ führen wird.

Mögen mir Gott und diese heiligen Evangelien helfen, die ich mit meiner Hand berühre.

(Der zweite Teil folgt am 27. Februar)